Klares Bekenntnis gefordert

06. Juli 2018 19:08; Akt: 06.07.2018 19:08 Print

«Doppelbürgerschaft ist Rosinenpickerei»

Der Fussballverband sieht ein Problem bei Spielern mit Doppelbürgerschaften. Auch auf politischer Ebene sorgt das doppelte Bürgerrecht für hitzige Debatten.

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«Man müsste sich vielleicht fragen: Wollen wir Doppelbürger?» - mit dieser Aussage entfachte Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), die Debatte rund um Mehrfachnationalitäten neu. Die Vorfälle mit dem Doppeladler hätten gezeigt, dass es eine Problematik gebe und dass man diese Probleme selbst schaffe, wenn man Doppelbürgerschaften ermögliche, so Miescher. Seit 1992 dürfen Personen, die sich in der Schweiz einbürgern lassen wollen, ihren ursprünglichen Pass behalten. Bereits 2015 forderten mehrere Vertreter der SVP – darunter Erich Hess und Lukas Reimann – die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft bei zukünftigen Einbürgerungen. Sie befürchteten, dass es durch die Doppelbürgerschaft zu Loyalitätskonflikten kommen könnte. Erich Hess kritisierte die «Rosinenpickerei»: «Man sucht die Vorteile der jeweiligen Staatsbürgerschaften und bekennt sich somit nicht mehr klar zu einem Heimatland.» Die Debatte um Doppelbürgerschaften entbrannte zuletzt auch bei der Bundesratswahl: Bis kurz vor der Wahl besass Ignazio Cassis noch den italienischen Pass. Diesen gab er dann zurück: «Als ich mich entschieden habe, mich für die Bundesratswahl zur Verfügung zu stellen, habe ich aber auf die italienische Staatsbürgerschaft verzichtet.» SP-Nationalrat Cédric Wermuth findet die Aussagen des Fussballverbands schockierend: «Doppelbürgerschaften sind eine längst akzeptierte Realität in der Schweiz.» Dass der Verband die Spieler nun erneut zwingt, Stellung zu beziehen, sei unnötig. «Die Affäre war mit der Debatte um die Doppeladler-Geste abgeschlossen.» Aufgrund der erneut entbrannten Diskussion sieht SVP-Nationalrat Lukas Reimann eine Chance, seinen Vorstoss zur Abschaffung der Doppelbürgerschaft erneut zu lancieren. Er forderte 2015, dass Bürger von Ländern, die selbst Doppelbürgerschaften nicht akzeptieren, diese auch in der Schweiz nicht erlangen können. Er glaubt, dass er nun Erfolg haben könnte, da die Motion ganz knapp gescheitert war und sich die Stimmung – auch dank Miescher – gewandelt habe.

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«Man müsste sich vielleicht fragen: Wollen wir Doppelbürger?» – mit dieser Aussage entfacht Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), die Debatte rund um Mehrfachnationalitäten erneut. Die Vorfälle mit dem Doppeladler hätten gezeigt, dass es eine Problematik gebe und dass man diese Probleme selbst schaffe, wenn man Doppelbürgerschaften ermögliche, so Miescher.

Seit 1992 dürfen Personen, die sich in der Schweiz einbürgern lassen wollen, ihren ursprünglichen Pass behalten. Bereits 2015 forderten mehrere Vertreter der SVP – darunter Erich Hess und Lukas Reimann – die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft bei zukünftigen Einbürgerungen. Sie befürchteten, dass es durch die Doppelbürgerschaft zu Loyalitätskonflikten kommen könnte. Erich Hess kritisierte die «Rosinenpickerei»: «Man sucht die Vorteile der jeweiligen Staatsbürgerschaften und bekennt sich somit nicht mehr klar zu einem Heimatland.»

«Schweizer Pass für alle hier geborenen Kinder»

Die Debatte um Doppelbürgerschaften entbrannte zuletzt auch bei der Bundesratswahl: Bis kurz vor der Wahl besass Ignazio Cassis noch den italienischen Pass. Diesen gab er dann zurück: «Als ich mich entschieden habe, mich für die Bundesratswahl zur Verfügung zu stellen, habe ich aber auf die italienische Staatsbürgerschaft verzichtet.»

Zuvor hatte auch SP-Nationalrat Cédric Wermuth mit einem Vorstoss zum Thema für Aufsehen gesorgt: Er forderte vor rund einem Jahr, dass hier geborene Kinder automatisch den Schweizer Pass erhalten. Dazu gehören laut Wermuth auch die Kinder von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen.

«Unser Team wäre nichts ohne die Doppelbürger»

Er findet die Aussagen des Fussballverbands schockierend: «Doppelbürgerschaften sind eine längst akzeptierte Realität in der Schweiz.» Dass der Verband die Spieler nun erneut zwingt, Stellung zu beziehen, sei unnötig. «Die Affäre war mit der Debatte um die Doppeladler-Geste abgeschlossen.» Wermuth, der selbst die schweizerische sowie die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, sagt: «Unser Team wäre nichts ohne die Doppelbürger.» Wermuth findet die Aussagen des Verbands «richtig naiv»: «Der Verband braucht dringend eine Kommunikationsberatung. Viel schlimmer wäre es aber, wenn diese Aussagen für die politische Haltung vom Verband stehen.»

Auch die immer wieder aufkommende Frage nach der Loyalität der Doppelbürger versteht der Politiker nicht: «Als liberaler Staat kann man von seinen Bürgern keinen Treueschwur erwarten. Die Gesetze gelten sowohl für Schweizer als auch für Doppelbürger und Ausländer». Und bei Fussballspielen könne man seine Fankraft aufteilen: «Die ersten drei WM-Spiele bin ich immer für die Schweiz, danach für Italien. Dieses Jahr konnte ich mich aber voll auf die Schweiz konzentrieren», sagt Wermuth mit einem Augenzwinkern.

«Erneuter Vorstoss-Versuch»

Aufgrund der erneut entbrannten Diskussion sieht SVP-Nationalrat Lukas Reimann eine Chance, seinen Vorstoss zur Abschaffung der Doppelbürgerschaft erneut zu lancieren. Er forderte 2015, dass Bürger von Ländern, die selbst Doppelbürgerschaften nicht akzeptieren, diese auch in der Schweiz nicht erlangen können. Er glaubt, dass er nun Erfolg haben könnte, da die Motion ganz knapp gescheitert war und sich die Stimmung – auch dank des Votums von Miescher – gewandelt habe.

Man müsse aber zwischen Fussball-Doppellizenzen von Doppelbürgern und Doppelbürgern unterscheiden: «Im Sport halte ich Doppelbürgerschaften für ein No-go. Das Problem wird sich an der nächsten WM zeigen», ist sich Reimann sicher. So bastle Katar am WM-Kader und würde dazu ein ganzes Team aus Stars im Hinblick auf die Heim-WM 2022 einbürgern. Genauso wie es das Land bei der Handball-WM gemacht und dadurch das WM-Finale erreicht habe. «Wenn sich mittels Geld und Einbürgerungen so ein WM-Titel kaufen lässt, dann ist dies die Zerstörung des Gedankens vom Sport und der Anfang vom Ende aller WM-Spiele», stellt Reimann klar. «Dringend notwendig wäre eine Sperrklausel von mindestens zehn Jahren ab Einbürgerung, um für ein Nationalteam zu spielen oder um das Nationalteam wechseln zu können.»

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MeinSenf am 06.07.2018 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rezept

    Doppelbürgerschaft ist ok. Aber verlangt darf werden, dass wenn sie offiziell im Dienste der Schweiz sind, sich entsprechend verhalten. Falls nicht, Danke für den Einsatz, das wars. Ein bisschen Intelligenz und Empathie kann auch von einem Profifussballer erwartet werden.

    einklappen einklappen
  • Markus am 06.07.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Solange es Doppelbürgerschaften gibt, sollen die auch in der Nati spielen dürfen. Ich würde aber eine Abachaffung der Doppelbürgerschaften begrüssen. Wer den roten Pass wirklich will sollte keine Probleme damit haben, den alten abzugeben.

  • Daniel am 06.07.2018 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin auch Secondo und ich verstehe diesen Natio

    ...sowohl von Schweizern wie auch von Doppelbürgern nicht. Wie kann man auf etwas stolz sein, obwohl man nichts dazu beigetragen hat? Es ist reines Glück wo man geboren wird. Was hat ein Pass bitte mit den Wurzeln zu tun? Muss ich meine kulturelle Vielfalt mit einem Stück Papier belegen? Dieser Nationalstolz ist für Menschen die schwach sind. Ich bin dankbar (nicht stolz) das die Schweiz meine Eltern als Kriegsflüchtlinge aufgenommen hat und ihnen und mir eine Chance gegeben hat ein glückliches und unbesorgtes Leben zu führen. Deshalb war es für uns klar das wir uns zur Schweiz bekennen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Baslerbebbi am 06.07.2018 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Leider ohne Chance

    Eine Standesinitiative zur Unterbindung der Doppelbürgerschaft wurde im Grossen Rat von Basel-Stadt leider massiv abgelehnt. Einzig die SVP war für den Vorstoss.

  • Denke meinen Teil am 06.07.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    ;-) :-)))

    Wäre die Schweiz mit dieser Mannschaft Weltmeister geworden wären diese "Doppelbürger" ohne Zweifel alles gute Schweizer.

  • Gurt am 06.07.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prof. Dr.

    Nicht alles von früher war schlecht, hätten wir die Doppelbürgerschaft abgelehnt und den Gold gedeckten Schweizer Franken beibehalten wären statistisch die meisten vom Fussvolk besser geschützt als Heutzutage.

  • Jörg am 06.07.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber

    Dann muss aber auch den vielen schweizern die im Ausland leben und seit vielen Generationen eine Doppelbürgerschaft haben eine klare Entscheidung abgefordert werden.

  • Swiss1291 am 06.07.2018 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was solls?

    Was interessiert euch ob der Herr Müller oder Frau Schweizer zwei Pässe hat? Stört es einem mehr, weil man keine zwei Pässe hat und haben kann? Wenn man nur ein Pass hat, ändert das nichts an seiner Ansicht. Vergesst aber nicht, ein Doppelbürger der sein Pass abgibt, so dass er nur den Schweizer hat, kann nicht ausgebürgert werden, da er sonst Staatenlos wäre. Sollte auch so kommuniziert werden dann.