Desarmierung

17. November 2014 10:38; Akt: 17.11.2014 16:55 Print

Sprengstoff aus letzter Rheinbrücke entfernt

Im Kalten Krieg baute die Schweizer Armee Sprengsätze in Brücken, Tunnels und Strassen ein, um diese im Verteidigungsfall zu sprengen. Nun werden alle Sprengallen desarmiert. Zu voreilig, findet Hans Fehr.

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Die Säckinger Brücke verbindet Stein AG mit Deutschland. (Bild: Wikicommons / Wladyslaw )

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Die letzte Rheinbrücke ist nun frei von Sprengstoff, berichten die deutsche Zeitung «Der Sonntag» und der Sender SWR. Am 16. Oktober führte das Schweizer Militär Desarmierungsarbeiten an der längsten gedeckten Holzbrücke Europas zwischen Stein AG und Bad Säckingen durch. In den Hohlräumen in den Brückenpfeilern sollen mehrere hundert Kilogramm TNT eingelagert wesen sein.

Jahrzehntelang baute die Schweizer Armee an den Grenzbrücken zu Deutschland Sprengstoff ein. Die Arbeiten erfolgten unter höchster Geheimhaltung. Das Konzept aus den Zeiten des Kalten Kriegs sah vor, dass im Kriegsfall alle Rheinbrücken, die mit Fahrzeugen passiert werden können, gesprengt würden. Die Massnahme richtete sich in erster Linie gegen die Panzer des Warschauer Pakts.

Die Errichtung der Sprengfallen reichte weit über den Kalten Krieg hinaus. Sogar in der 2006 eröffneten Autobahnbrücke bei Rheinfelden wurde gemäss deutschen Medienberichten noch Sprengstoff eingebaut worden haben. Amreesprecher Christoph Brunner bestätigte dies. «Die Brücke ist heute aber wieder desarmiert

2000 Sprengfallen

Nach Angaben des Militärhistorikers Gerhard Wyss, welche er gegenüber dem «Sonntag» machte, habe es schweizweit etwa 2000 Sprengfallen gegeben. Diese hätten sich allerdings nicht nur an der Grenze zu Deutschland, sondern auch an anderen strategisch wichtigen Orten innerhalb der Schweiz befunden.

Erste Kritik am Sprengstoffkonzept kam 2001 auf. Damals kam es im Gotthardtunnel zu einem schweren LKW-Unfall, nur wenige hundert Meter von einem Ort entfernt, an welchem drei Tonnen TNT gelagert wurden. Die Armee stufte das Risiko einer Denotation damals aber als gering ein. Auch bei extrem hohen Temperaturen würde der Sprengstoff nicht explodieren, sondern nur verbrennen. Auch bei den Brücken hätte für die Zivilbevölkerung keinerlei Gefahr bestanden, da die Zündvorrichtungen an einem sicheren Ort gelagert wurden.

«Desarmierung zu voreilig»

Die Sprengfallen brauche es heute allerdings nicht mehr. Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Rheinfelden, sagte gegenüber dem SWR: «Im Zeichen des zusammenwachsenden Europas würde ich das nicht mehr als notwendig erachten.»

Neben den Brücken sind auch noch andere Objekte, wie etwa Tunnels oder Autobahnen, mit Sprengsätzen versehen worden. Gemäss Armeesprecher Christoph Brunner dauert bei diesen die Entschärfung jedoch noch etwas an: «Bis Ende November werden schweizweit alle ehemaligen Sprengobjekte desarmiert werden.»

Für SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker Hans Fehr ist die Aufhebung aller Sprengfallen «zu voreilig»: Eine Reduktion der Sprengsätze sei angesichts der veränderter Bedrohungslager zwar angebracht, aber «an wichtigen Verkehrsachsen und Brücken müsste man die Sprengfallen instand halten oder zumindest sicherstellen, dass sie innert nützlicher Frist wieder geladen werden könnten.»

(dia/rok/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • j.s. am 17.11.2014 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alpengarde

    Nicht nur in den Rheinbrücken hat(te) es Sprengstoff..

  • AJ S-FP - Zo am 17.11.2014 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Supi,

    Sprengfallen braucht es nicht mehr, auch das Militär nicht, da ja endlich auf der GANZEN Welt Frieden herrscht und uns niemand je wieder etwas böses will, überall herrscht Sonnenschein und Friede, Freude Eierkuchen...

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  • Rudolf Gerber am 17.11.2014 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boom!

    (Fast) Überall hat es Sprengstoffe drinnen. TGW-Züge führen auch immer ein paar Stangen Dynamit mit und auch Autos mit Airbags sind mit Sprengstoff bestückt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Löwe Alois am 18.11.2014 04:45 Report Diesen Beitrag melden

    Paranoid?

    Ich fragte mich früher schon oft was das soll, die ewige Angstmache zur Zeit des kalten Krieges (und sie machen weiter denn sonst haben sie keinen Job). Wie bitteschön sollten Sowjetpanzer je in die Schweiz gelangen? Deutschland und Österreich standen beide unter dem "Schutz" der USA (mehr noch). Wenn es je zu einer Auseinandersetzung gekommen wäre dann dort. Apropos, gegen Mittelstrecken Atomwaffen sind gesprengte Brücken nutzlos. "Also diese Menschen, wenn ich nicht so Blond wäre..." - "Ja wissen wir, schwarzärgern könntest du dich".

    • Seppi-NW am 18.11.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Paranoid!

      Sie können die alten Feindbilder weitgehend vergessen und auch den Schutz der Nachbarländer. Atomwaffen können Sie streichen, die kommen nie zum Einsatz (nicht mal dann, wenn der Aggressor (Sowjet) aufs Dach kriegt wie in Afghanistan. Nehmen Sie die reellen, aktuellen Bedrohungen. Wie in der Krim, oder Ostukraine, wo relativ kleine gut ausgebildete Verbände, die unter der Kriegsschwelle agieren neue Situationen schaffen. Gegen solche Bedrohungen müssen wir schnell und massiv vorgehen können!

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  • M. D. G. am 17.11.2014 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesen Sie meine Meinung ich bin 14

    Beruhigen sie sich alle bitte! Erstens: Momentan sehe ich keine Gefahr durch Bodentruppen des IS in der Schweiz. Der IS hat sicherlich andere Wege als die Brücken und Tunnels um in die Schweiz zu kommen, wenn der IS das so vor hat. Zweitens: Bis die russischen Truppen an der Schweizer Grenze stehen würde es sicherlich eine gewisse Zeit brauchen in welcher man die Brücken gesprengt hätte. Und sowieso im Falle eines direkten Angriffs auf die Schweiz hätten wir wirklich keine Chance, gesprengte Brücken hin oder her.

  • General Custer am 17.11.2014 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peer kommt nicht

    Wo jetzt der Peer nicht kommt, kann abgerüstet werden!

  • Robin Lardi am 17.11.2014 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz unberechtigt

    Die Platzierung von Sprengstoff in Rheinbrücken ist so abwägig nicht. Schliesslich hat noch vor kurzem ein Deutscher Minister mit Entsendung der "Kavallerie" gedroht...

  • Bad Säckinger am 17.11.2014 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Dreistigkeit

    es ist schon sehr dreist von der Schweiz, Sprengstoff in der alten Bad Säckinger Holzbrücke zu deponieren, zumal diese Brücke der Schweiz nicht gehört und sie damit keinerlei Recht auf solche Tätigkeiten hat. Dies mit Schutz vor Panzer des Warschauer Pakts zu rechtfertigen ist lächerlich - diese Holzbrücke ist mit Sicherheit mit Panzern nicht befahrbar.

    • Ares am 18.11.2014 05:09 Report Diesen Beitrag melden

      Der Sinn der Atropinfixe

      Bodentruppen und "Handkarren", für die häts allemal gereicht :). Wie lange hält man einen Feind durch Sprengung einer Brücke auf, einen Tag, zwei Tage? Wie Abstrus diese Art der Kriegsführung doch ist. Vorallem auf welchen "Retter" dürften wir hoffen, woher käme der Nachschub in der kleinen Schweiz? Ein Rückzugsgefecht? Nun ich Spiele gerne Krieg aber ich gewann noch keinen mit Rückzugsgefechten. Man verliert erst ein Gefecht, dann das nächste und jedesmal wird man schwächer, da hilft nichts mehr.... wenn man keine sarken Verbündeten hat und die muss (müsste) man sich mit Diplomatie beschaffen

    • Ronald Reagan am 18.11.2014 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Bad Säckinger

      Wenn die Russen kommen, ist jede Sprengfalle nützlich und notwendig! Deshalb ist es keineswegs dreist ;-P

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