Kampf dem Übergewicht

12. Dezember 2014 05:09; Akt: 12.12.2014 07:33 Print

Staat soll Schülern Pausenäpfel bezahlen

von J. Büchi - Mit einer Obst-Offensive an Schulen will Christian Lohr (CVP) Übergewicht bei Kindern bekämpfen. Die SVP wittert einen staatlichen Umerziehungsversuch.

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Der Pausenapfel wird in der Schweiz immer unbeliebter. Laut Bundesamt für Gesundheit hat der Früchtekonsum pro Kopf in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Im aktuellsten Ernährungsbericht von 2012 heisst es: «Der rückläufige Trend beim Verbrauch von Früchten setzt sich weiter fort und verstärkt sich noch.» Insbesondere traditionelle Früchtesorten wie Äpfel, Birnen und Trauben haben demnach an Beliebtheit eingebüsst.

CVP-Gesundheitspolitiker Christian Lohr will das ändern: In einer Motion fordert er den Bundesrat dazu auf, ein landesweites Schulobst-Programm nach dem Vorbild der EU einzuführen. Mindestens dreimal pro Woche sollen die Schüler in den Pausen kostenlos Früchte aus regionaler Produktion bekommen. «Ziel ist, Kinder an eine gesunde Ernährung zu gewöhnen.» Dies sei ein Beitrag zur Prävention von Übergewicht und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen.

«Staatliche Umerziehungsmassnahme»

Das Pausenobst soll laut Lohr auch in den Unterricht integriert werden. «Die Lehrer müssen den Kindern beibringen, welche Früchte gerade Saison haben und welche Vitamine darin enthalten sind.» Die EU hat bereits 2009 ein solches Programm in Kraft gesetzt. Aufgrund positiver Erfahrungen wurde das Budget per dieses Jahr gar aufgestockt – von 90 Millionen auf 150 Millionen Euro.

Wie viel die Bereitstellung von Gratis-Obst in der Schweiz kosten würde, ist unklar. Für SVP-Nationalrat Sebastian Frehner wäre jedoch jeder Franken, der in das Projekt investiert würde, zu viel: «Wir brauchen keine staatlichen Umerziehungsmassnahmen! Die Ernährung der Kinder ist Sache der Eltern.» Die Verbotskultur in den Schulzimmern sei ihm schon lang ein Dorn im Auge. «Diese Moralapostel verbieten Cola und Milchschnitte, dafür soll der Staat nun Gratis-Äpfel finanzieren – so zwingt man freien Bürgern eine Lebensweise auf, die sie nicht selbst gewählt haben.»

Ernährungsstrategie gefordert

Yvonne Gilli, Nationalrätin (Grüne) und Ärztin, widerspricht. «Wenn man weiss, dass nicht nur Übergewicht, sondern auch viele Krebsarten durch die richtige Ernährung verhindert werden könnten, braucht es entsprechende Massnahmen.» Ein Schulobst-Programm könne ein Mosaikstein sein, um die Ernährungsgewohnheiten der Schweizer zu verbessern. «Ich bin der Meinung, dass wir darüber hinaus ein ganzheitliches Ernährungskonzept brauchen, das schon im Säuglingsalter ansetzt.»

Dass gewisse Politiker solche Strategien als Umerziehungsversuch empfinden, ist Gilli egal. «Die rechte Ratshälfte bezeichnet all das als bevormundend, was ihr nicht passt. In anderen Bereichen verlangt sie selber eine Gesetzesverschärfung nach der nächsten.»

«War früher Tradition»

Von einer Bevormundung der Bürger will auch Motionär Lohr nichts wissen. Es gehe darum, in Abstimmung mit den Kantonen ein Angebot zu schaffen, von dem die Schüler auf freiwilliger Basis profitieren können. Beim Präsidenten des Schweizer Lehrerverbands, Beat W. Zemp, rennt Lohr damit offene Türen ein: «Es war früher in vielen Schulhäusern Tradition, den Schülern Äpfel zu verteilen – ich würde es begrüssen, wenn wir daran anknüpfen könnten, ohne in die kantonale Schulhoheit einzugreifen.»

Massnahmen zur Förderung einer ausgewogenen Ernährung seien heute wichtiger denn je. Auch im Lehrplan 21 sei die Ernährung ein wichtiges Thema. «Es nützt sicher mehr, den Schülern Obst schmackhaft zu machen, als Schokolade zu verbieten. Die Lehrpersonen können ja sowieso nicht kontrollieren, was jeder Schüler zum Znüni isst.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicole am 12.12.2014 05:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Projekt gescheitert

    Wir hatten das einmal an der Berufsbildungsschule Winterthur (BBW) doch die Schüler liesen immer halb abgegessene Äpfel überall liegen und schmissen mit den Äpfeln herum. Dann wurde dass Projekt eingestellt was ich auch verstehen kann.

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  • Marcel Berli am 12.12.2014 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besseres zu tun

    Die Politiker sollen endlich einmal begreifen, das sie gewählt wurden uns zu vertreten und nicht um uns vorzuschreiben wie wir leben sollen!

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  • N.B. am 12.12.2014 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher

    Ja, gab es vielleicht schon mal, ist bestimmt richtig. In der HES.SO Wallis in Sierre gibt es seit Jahren jeden Tag kostenlose Aepfel, die von Studenten und Dozenten sehr geschätzt werden. Es gehört zum täglichen Ritual und ist gesund!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Benno am 13.12.2014 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesund? Wie immer eine Frage der Dosierung

    Nichts gegen einen Apfel. Gesund. Sicher...sicher? Studien weisen darauf hin, dass in Deutschland jeder dritte eine Fruktoseintoleranz hat. Fruktose bindet sich im Darm an eine Aminosäure, welche wiederum für die Produktion von Serotonin ("Glückshormon") zuständig ist. Zuviel Fruktose steht in neuesten Untersuchungen im Verdacht depressive Verstimmungen auslösen zu können. Ein Apfel ist sicher gesund. Hier wird aber kolportiert, dass Früchte gesund sind. Die Kids trinken Fruchtsaft teilweise Literweise. Gesund? Abgesehen davon dass Zucker Zucker bleibt...

  • CVP Fan am 13.12.2014 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Die Kids werden die Äpfel auch nicht essen, wenn die gratis sind. Es wird auch keiner Übergewichtig von einem Sandwich in der Pause. Das Problem sind die Eltern, welche Chips und Schoggi verfüttern.

  • Stefan Elias Gruenzler am 13.12.2014 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Unpassende Wortwahl

    Also ich will hier ja nicht unsensibel erscheinen, aber die Wortwahl "Beim Präsidenten des Schweizer Lehrerverbands 'rennt' Lohr damit offene Türen ein" finde ich etwas unpassend. Aber das ist nur meine Meinung :) Euer Stefan E. Grünzler

  • Meyer am 13.12.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Politiker/in

    Wie wär es ein Erhärtung Unterricht in der Oberstufe noch Koch Unterricht. Aber auch Konsum sollte Verantwortung übernehmen da sie oft mit ihre Werbungen falsche versprechen ziehen. Schuld gebe ich auch der Stadt das heutige Zeit oft beide ein Job nachgehen muss um dieser Monat durch zukommen so werden die Kinder vernachlässig und kein Zeit Kochen so nur noch schnell Fertigprodukte. Doch das schlimmste finde ich das nicht nur Kinder dicker werden? Liebe Politiker schau auch zuerst mal bei auch ob ihr euer Linie in Ordnung haben? Daran Zweifel ich. Ihr sollt nicht jemand andere Beschuldigen wenn ihr Selb nicht in Griff haben ihr seid auf keiner weisse besser und sollte genauso gut bei euer Znünipausen ein Apfel essen. Ein Gute!

  • Oma am 13.12.2014 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratisapfel

    Gratisäpfel hatten wir in der Schule auch schon. Dann sollte man den Kindern zu Hause zuerst einmal erklären was ein Apfel ist. Den viele Kinder essen gar keine Äpfel, weil sie nicht wissen was das ist. Auch Rüebli werden verschmäht. Fragt man die Kinder woher die Milch kommt, sagen sie von der Migros oder vom Coop. So sieht es leider bei der Erziehung aus. Solche Sachen werden den Kindern im Elternhaus beigebracht. Jetzt sind wir schon soweit, dass der Bundesrat sich hier einmischen muss. Nein danke, da war ich schon lieber Hausfrau und Mami, die ihre Zeit den Kindern widmete.