Kommission für Drogenfragen

22. Dezember 2015 06:47; Akt: 22.12.2015 10:20 Print

Staat soll alle Drogen zugänglich machen

Mit Verboten kann man keine Probleme lösen: Dieser Meinung ist die Kommission für Drogenfragen. Sie fordert, dass der Staat alle illegalen Substanzen zugänglich macht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit einer auf Verboten beruhenden Gesetzgebung könne man die künftigen Herausforderungen in der Drogenpolitik nicht mehr bewältigen, teilte die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) am Montag mit. Deshalb fordert sie, dass der Staat «Regulierungsmodelle» entwickelt, mit denen er alle heute illegalen Substanzen zugänglich und staatlich kontrollierbar macht.

Umfrage
Soll der Staat alle Drogen zugänglich machen?
41 %
20 %
11 %
26 %
2 %
Insgesamt 8237 Teilnehmer

Die EKDF untermauert dies mit einer neuen Studie mit dem Titel «Sind Drogen gefährlich?» Diese kommt zum Schluss, dass jede Droge zugleich gefährlich und ungefährlich ist: «Es kommt auf die Umstände an, unter denen sie genommen wird.»

Zugang auch zu harten Drogen

Und diese Umstände könne man positiv beeinflussen, wenn man den Zugang zu Drogen reguliere, sagt Toni Berthel, Präsident der EKDF, zu 20 Minuten. «Das bedeutet nicht, dass alle Drogen bedingungslos legalisiert werden sollen. Konsumenten sollen aber gemäss staatlich definierten Regeln Zugang zu ihnen erhalten.» Und die Kommission trete für eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums ein.

Diverse Staaten haben in den letzten Jahren damit begonnen, den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis unter klar festgelegten Bedingungen zuzulassen – etwa Uruguay, Spanien oder mehrere US-Bundesstaaten. Die EKDF will noch weitergehen: Sie fordert solche Modelle nicht nur für Cannabis, sondern auch für Kokain, MDMA und alle anderen harten Drogen.

Vorteile für Jugendschutz und Prävention

«Regulierungsmodelle sind bei allen Drogen von Vorteil – unabhängig davon, um welche Substanz es sich handelt», sagt Berthel. Konkrete Vorschläge, wie solche Modelle aussehen sollten, macht die EKDF nicht. «Zuerst braucht es darüber eine Debatte – und die Anpassung der Gesetze», sagt Berthel. «Wenn der Staat sämtliche Substanzen reguliert, kann er die Qualität kontrollieren, der Jugendschutz und die Prävention werden vereinfacht, und die Konsumenten müssen sich nicht mehr in ein kriminelles Umfeld begeben, wenn sie die Drogen beschaffen wollen.»

Dass der Konsum dadurch attraktiver wird und entsprechend zunimmt, glaubt Berthel nicht: «Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass in Ländern, in denen der Cannabiskonsum zugelassen ist, nicht deutlich mehr gekifft wird als in anderen, die ihn hart bestrafen.»

Umdenken braucht Zeit

Doch ist diese Forderung nicht utopisch? Berthel räumt ein, dass ein solches Umdenken nicht von heute auf morgen passieren könne. «Realistisch ist, dass es auch in der Schweiz beim Cannabis beginnt – mit einem städtischen Versuch mit kontrollierten Clubs für Kiffer.»

(lüs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max König am 22.12.2015 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Richtig. Wer will, der konsumiert sowieso. Wer nicht will, der konsumiert auch nach der Legalisierung bzw. "Zugänglichkeit" nicht.

    einklappen einklappen
  • Herr Ochsenknecht Landwirt am 22.12.2015 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    nicht so schnell

    als erstes sollte man es mal mit dem Kraut Hanf versuchen. Da hat man ja schon Erfahrung, siehe USA oder Holland.

    einklappen einklappen
  • stuger Mar. am 22.12.2015 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Als ob die Schweiz das hinbringen würde, nicht mal die Legalisierung von Canabis klappte...also somit vergesst es, das wird niemals kommen egal wie oft man das Thema wieder bringt...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • aline am 23.12.2015 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz

    Ich finde jedem das seine ....Toleranz ist gefragt wie in jedem Fall den niemand kann über Konsumenten schimpfen wenn man selber Tabak raucht oder Alkohol trinkt ! ist beides nicht weniger schlimm als die anderen Sachen was eig so gut wie alle anti Drogen konsumenten vergessen ! jeder macht vor der Wahrheit die Augen zu und vergisst das alleine Alkohol und "harmloser" Tabak einen zum Konsumenten macht. Also versucht mehr Toleranz gegenüber anderen Konsumenten zu zeigen den keiner besitzt das Recht andere wegen ihren drogenkonsums zu verurteilen! ich finde es bist mehr als recht es zu legalisieren denn wir vergessen das verschriebene Medikamente auch nichts anderes als Drogen sind !

  • Rolf am 23.12.2015 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Freigabe = Verderben der Menschheit

    Ist das die Lösung ? Die Politik muss hart durchgreifen, etwas anderes ist nicht gefragt.

    • Dr. Gabber am 23.12.2015 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Ich wäre ja einverstanden, hätte dieses harte durchgreifen nicht zu übermächtigen Kartellen geführt und nicht schon zehntausende unschuldige Opfer gefordert, die einfach in die Schusslinie geraten sind. Wenn Sie mir ein einziges Land nennen können, das Dank dieses harten durchgreifens ein einziges Jahr lang wirklich drogenfrei war, dann würde ich Ihnen recht geben.

    • Erlöser am 23.12.2015 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Die Lösung

      Mir stellt sich unweigerlich die Frage wo Sie die letzten 40 Jahre waren seit die Amis den "War on Drugs" ausgerufen haben und die ganze Welt genötigt haben mitzumachen. Hat's was genutzt? Nein ganz im Gegenteil es verschlingt Milliarden und hat nur Elend produziert und unzählige Mafia Clans in der ganzen Welt zu Multimilliardären gemacht! Ein Desaster auf der ganzen Linie. Etwas anderes zu behaupten ist schlichtweg realitätsfremd.

    • aline am 23.12.2015 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      jedem das seine man kann nicht für alle reden!;) Toleranz ist gefragt

    einklappen einklappen
  • Hans im Glück am 22.12.2015 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogenland

    Super wenn der Staat seine Vorbildrolle vergisst und Drogen legalisiert. Hat es in Holland etwa weniger Kriminalität? Nirgends wird man mehr von Dieben bedrängt als in dem legalisierten Drogenland Holland.

    • Phew am 23.12.2015 05:15 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Irland und Grossbritannien sind weitaus gefährlicher, gemäss mit belegten Zahlen erhobenen Statistiken. Und ja, die Kriminalität ging seit der Liberalisierung (NICHT Legalisierung, wie du fälschlicherweise behauptest) zurück. Ein Staat hat nebenbei bloss für andere Staaten eine Vorbildrolle, nicht für Menschen - du nimmst dir ja auch nicht an einem Stein oder einem Sandkorn ein Vorbild.

    • Herr Ochsenknecht am 23.12.2015 06:11 Report Diesen Beitrag melden

      vielflieger

      @Lady Hans: Sie waren aber ganz bestimmt noch nie in Holland. Es stimmt nicht. Ich bin im Jahr mehrmals dort.

    einklappen einklappen
  • Dr. Gabber am 22.12.2015 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Thomas Gehtniemandwasan

    Ihre Idee bezüglich Drogentests und der langen nachweisbarkeit, ist nicht sehr intelligent. Wenn man schon auf Abbauprodukte testen will, soll man das auch bei Alkohol machen. Den kann man sogar ziemlich lange nachweisen. Länger als 72 Stunden.

    • Alkoholtest am 23.12.2015 00:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Gabber

      Genau das sollte man tun. Über die Abbauprodukte kann auch ein wiederholter oder regelmässiger Alkohol-Konsum nachgewiesen werden und dann ist der Führerschein sofort zu entziehen und erst dann wieder zurück zu geben, wenn der Drögeler seine Abstinenz über einen Zeitraum von mindestens einem oder zwei Jahren nachgewiesen hat. Dann sind die Spiesse gleich lang und dann wird niemand mehr ungebührend schikaniert.

    einklappen einklappen
  • Ein Konsument am 22.12.2015 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bringt alles nichts

    seht es endlich ein, Drogengegner sind imun gegen Argumente. Man will nichts darüber wissen weil es verboten ist. Und verboten ist es weil es schlecht ist, und schlecht weil es verboten ist. Uns wird ständig vorgeworfen, wenn wir unwiderlegbare Argumente haben, wir würden Drogen verharmlosen. Egal wie sehr wir betonen, dass wir einen guten und funktionierenden Jugendschutz wollen. Es wird uns von Menschen vorgeworfen, die niemals konsumiert haben und es nie werden. Sie haben ihren Alkohol, wir haben das unsere. So lange wir niemandem Schaden, möchten wir genau so genießen wie jene die Alkohol trinken. Aber dass mindestens so viele mit Alkohol nicht umgehen können, wie es Leute gibt, die mit anderem nicht umgehen können, das wird ignoriert und schön geredet. Weil dieses Rauschgift ja so unglaublich wichtig für unsere kulturelle Identität sei. Ich nenne es beim Wort, Heuchelei. Wir stehen dazu, wir genießen den Rausch, wenn es denn auch angebracht ist.

    • Walter R am 23.12.2015 05:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Konsument...

      ...beweist es einmal mehr, sobald eine Diskussion über Drogen und deren Schädlichkeit und deren Gefahren beginnt, wird vom Thema abgelenkt und stattdessen über Alkohol geredet. Sie werfen Drogengegnern vor, sie seien immun gegen Argumente, sind aber in Wirklichkeit selber immun gegen jedes Argument, das die Gefahren von Drogen nicht herunterspielt und schönredet und wollen nicht wahrhaben, dass es sich nun einmal bei sämtlichen Drogen von Cannabis bis Heroin nicht um harmlose Genussmittel handelt, sondern um gefährliche Substanzen, die nur Schaden anrichten. Sie behaupten, Sie würden niemandem schaden, schaden aber in Wirklichkeit mit Ihrer Verharmlosung von Drogen nicht nur sich selbst, sondern auch denen, die Sie damit zum Konsum von Drogen animieren. Auch die Forderung, der Staat müsse sich als Drogendealer betätigen heisst im Klartext, dass die Gefahren und die Schädlichkeit von Drogen ignoriert werden und der Konsum von Drogen gefördert wird.

    • Fish am 23.12.2015 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Cannabis ist harmloser als man denkt

      Cannabis ist vom ganzen Suchtpotential harmloser als Alkohol. THC selbst hat eine berauschende Eigenschaft jedoch kaum eine süchtigmachende. Der durchschnittliche Kiffer ist auch nicht nach THC süchtig, sondern nach Nikotin, mit welchem das Zeugs zum bauen gemischt wird. Todesfälle gibt es im Verhältnis zum Alkohol kaum und ein Entzug geht gerade mal zwei Wochen. Alkohol geht doch schnell mal drei Monate. Und ja, ich spreche hier teils aus eigener Erfahrung. Das die Abgabe unter Vorgaben legal wird, ist im Angesicht des Billigalkohols nur recht.

    • Wenz G. am 23.12.2015 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ Walter R

      Inwiefern lenkt es denn beim Thema Drogen ab über Alkohol zu sprechen? Ist Ihnen nicht bewusst, dass Alkohol eine Droge ist. Laut Studien sogar eine der gefährlichsten Drogen überhaupt? Sie haben offensichtlich einfach nur keine Ahnung vom Thema. Sehen Sie sich doch alleine an wie viele Menschen an Alkoholkonsum sterben. Und dann scheren Cannabis mit allen anderen Drogen (außer Alkohol, den Sie ja scheinbar nicht als Droge wahrnehmen) über einen Kamm, obwohl es noch NIE jemanden gegeben hat, der an den Folgen von Cannabiskonsum gestorben ist.

    einklappen einklappen