Gequälte Reptilien

04. Dezember 2012 11:35; Akt: 04.12.2012 18:44 Print

Ständerat lehnt Importverbot knapp ab

von J. Pfister - Schlangenleder-Taschen oder Schuhe aus tierquälerischer Produktion dürfen künftig weiterhin in die Schweiz importiert werden. Der Ständerat hat ein Verbot abgelehnt - äusserst knapp.

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Die brutalen Herstellungsmethoden von Reptilleder gingen auch dem Ständerat unter die Haut. Nach einer rund halbstündigen Diskussion stimmten 18 Ratsmitglieder für ein Importverbot von Reptilleder aus Indonesien, 18 entschieden sich dagegen. Dieses knappe Ergebnis überrascht, immerhin hatte sowohl die vorberatende Kommission wie auch der Bundesrat das Anliegen der Grünen Nationalrätin Franziska TeuscherFranziska
Teuscher

GPS, BE
Nationalrat
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Schweizerische Verkehrs-Stiftung des Verkehrsclub der Schweiz
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klar abgelehnt (20 Minuten Online berichtete).

Umfrage
Braucht es ein Importverbot für Reptilleder aus tierquälerischer Haltung?
90 %
10 %
Insgesamt 7516 Teilnehmer

Dennoch reichte es am Schluss nicht. Ratspräsident Filippo LombardiFilippo
Lombardi

CVP, TI
Ständerat
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Mediapulse Stiftung, Bern
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(CVP) musste den Stichentscheid fällen – und folgte dabei dem Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Damit ist das Importverbot für Reptilleder vom Tisch. Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz trägt das Resultat mit Fassung. «Ich war eher positiv überrascht, weil ich mit einer klaren Ablehnung gerechnet habe.» Sie habe sich gefreut, über die engagierten Voten der Ratsmitglieder. «Diese haben gezeigt, dass es sich lohnt, für den Schutz dieser Tiere zu kämpfen.»

Mit Reptilleder-Tasche im Rat

Auch Befürworterin und SP-Ständerätin Anita FetzAnita
Fetz

SP, BS
Ständerat
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Schweizerische Greina-Stiftung (SGS) zur Erhaltung der alpinen Fliessgewässern, Zürich
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war überrascht von den vielen Stimmen für ein Importverbot - die von Ständeräten aus allen Parteien kamen. «Ich habe heute extra noch meine Tasche aus Krokoleder-Imitat mitgenommen, um zu zeigen, dass wir auf echtes Reptilleder aus solchen Haltungen nicht angewiesen sind», sagte sie nach der Debatte. Im Rat führte sie die von 20 Minuten Online publizierten explodierenden Import-Zahlen von Reptilleder-Produkten ins Feld. Für sie sei klar, dass die Schweiz mit ihrer Uhrenindustrie und den Luxusmodehäusern ein Zeichen hätte setzen könnten.

Sämtliche Rednerinnen und Redner kritisierten die tierquälerische Haltung und Schlachtung von Reptilien. Die Bilder aus dem Beitrag der «Rundschau», der die Motion vor zwei Jahren ausgelöst hatte, bezeichnete der parteilose Ständerat Thomas MinderThomas
Minder

-, SH
Ständerat
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Dianam SA, Neuhausen
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als «unglaubliche Grausamkeit» (siehe Video). SP-Mann Roberto ZanettiRoberto
Zanetti

SP, SO
Ständerat
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FC Gerlafingen, Gerlafingen
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hielt fest, er habe ein «pragmatisches Verhältnis» zu Tieren und nichts gegen die Nutztierhaltung, aber diese müsse «anständig und fair» passieren. Schlangen seien nicht «Jöh-Tiere» und auch er habe ein wenig Angst vor ihnen. Aber genau deshalb müsse sich die Politik dem Schicksal dieser «armen Viecher» besonders annehmen.

Nicht alle bestrafen

Den Gegnern hingegen ging ein allgemeines Verbot zu weit. Für CVP-Ständerat Peter BieriPeter
Bieri

CVP, ZG
Ständerat
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Interessengemeinschaft Glasfasernetz Schweiz
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würden damit auch jene bestraft, welche die Tiere korrekt hielten und schlachteten. «Ich gehe davon aus, dass ein Teil der Tiere korrekt behandelt wird.»

Bundesrat Schneider-Ammann gingen die Bilder der mit Wasser aufgefüllten Schlangen und geknebelten Warane zwar auch «unter die Haut». Aber er betonte die wirtschaftlichen Interessen, die mit im Spiel seien. Ausserdem bringe es mehr, wenn die Schweiz ihren Einfluss via internationale Organisationen geltend mache, etwa über das Cites-Sekretariat, das für die Kontrolle des internationalen Handels mit geschützten Tier- und Pflanzenarten zuständig ist. «Das macht viel mehr Sinn als ein Verbot, welches sowieso umgangen würde», so Schneider-Ammanns Fazit.



10 k = 10 000 Stück
Quelle: Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)


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Die neusten Leser-Kommentare

  • Irina B. am 04.12.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schämen sollte man sich!

    Das ist ja wirklich sehr beschämend von unserem Ständerat, 90% bei der Umfrage sind dagegen, weshalb entscheiden die sich dann für eine solche Tierquälerei? Wir brauchen in der Schweiz kein Schlangenleder!

    • Christa Pardeller am 04.12.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

      Macht das Importverbot!!!

      Ja, diese Politiker sollen sich schämen, die gegen das Import-Verbot gestimmt haben. Eine Katastrophe. Diese Politiker sollen mal Mitgefühl und Respekt und Tierschutz lernen, bevor sich kandidieren und sich wählen lassen. Und wählt keine solchen nicht-tier-respektierende Politiker.

    einklappen einklappen
  • PaWal am 04.12.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schäme mich ...

    .... diesbezüglich ein Schweizer zu sein. Auch die Felle von Hunden, welche in China lebend gehäutet werde, sind mit keinem Importverbot behaftet.

  • lisa simpson am 04.12.2012 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    politiker, die ethisch erhabenen

    als wäre es aufgabe der politik, wichtige entscheidungen zu treffen und womöglich für irgendwas verantwortung zu übernehmen. wo recht mit gerechtigkeit nicht mehr viel zu tun hat muss man sich auch über so was nicht wundern. wie schön, dass wir in einer "demokratie" leben und uns darauf verlassen können, dass die klügsten,fähigsten und ethisch einwandfreisten immer zum wohle der bevölkerung, des landes und der umwelt uandeln.

  • Jonas am 04.12.2012 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds okay

    Jetzt einmal ganz sachlich; Die Tierquälerei ist absolut daneben. Ein generelles Importverbot bringt jedoch nichts, da diese Industrie weiterhin existieren wird. Sinnvoll wäre beispielsweise das Einführen eines Labels für artgerechte Haltung und Produktion. Dies hat schon bei anderen Produkten (Bananen, Fleisch, Holz, etc.) zu wesentliches Verbesserungen geführt. Warum dieses Thema derart heiss diskutiert wird, während wir uns um Rindsleder-sofas und Schinken-Sandwichs überhaupt nicht aufregen, obwohl auch da die Tiere keines natürlichen Todes gestorben sind, verstehe ich nicht.

  • Stefan Ypsilon am 04.12.2012 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Moment....

    Sonst wird alles Verboten, aber mit Tierquälerei meint der Ständerat das Volk zu vertreten? die vielleicht 5 % die sich das leisten können und auch noch kein Gewissen haben? Es zeigt wohl wiedermal, dass unsere Politiker ihre Finger tiefer in solchem Mist drinhaben und mitkassieren als wir eigentlich sehen sollte... Einfach nur bescheuert so etwas!!!

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