Hohe Margen?

05. Oktober 2017 08:26; Akt: 05.10.2017 08:26 Print

Steuerstreit um neue Heat-not-burn-Zigaretten

Für Heat-not-burn-Zigaretten wird nur eine reduzierte Tabaksteuer erhoben. Entgehen der AHV so Millionen?

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Die Hersteller preisen sie als «Produkt der nächsten Generation» an: die sogenannten Heat-not-burn-Zigaretten. Die Tabakprodukte werden in einem Halter mit einem batteriebetriebenen Heizelement erhitzt und die daraus freigesetzten Stoffe inhaliert. Momentan haben die Firmen Philip Morris International, British American Tobacco und Japan Tobacco International je ein Produkt auf dem Markt.

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Sollte die Steuer für die «Heat-not-Burn»-Zigarette gegen oben angepasst werden?

Das neue Geschäft dürfte für die Hersteller lukrativ sein: Der Steuertarif ist mit 12 Prozent deutlich tiefer als bei regulären Zigaretten, wo er bei 55 Prozent liegt. Trotzdem sind die Erhitzungszigaretten nicht günstiger. Laut David Marquis, Stellvertretender Leiter Kommunikation der Eidgenössischen Zollverwaltung, ist eine reguläre Besteuerung rechtlich nicht möglich. Die neuen Produkte gelten nicht als Zigaretten, sondern werden wie Pfeifentabak besteuert.

«Einnahmen für die Tabakprävention fallen weg»

Der CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel ist das ein Dorn im Auge. Sie fordert, die Tabaksteuern an das Niveau von Zigaretten anzugleichen. Sie ist deswegen auch schon an den Bundesrat gelangt. «Da der Endpreis gleich hoch ist wie bei Zigaretten, fliesst ein höherer Gewinn in die Taschen der Tabakkonzerne. Einnahmen für die Tabakprävention, die AHV und die IV fallen weg.» Bei einer 8 Franken teuren Packung mache dies über drei Franken aus.

Laut Humbel besteht auch bei den Heat-not-burn-Zigaretten ein Suchtpotential. Angepriesen würden die Produkte als risikoärmere Variante zum normalen Rauchen. «Ich bin der Ansicht, dass sich der Bund frühzeitig Gedanken dazu machen soll, wie er mit solchen neuen Produkten umgehen will.» Auch eine Studie der Uni Bern kommt zum Schluss, dass es beim Paffen der Heat-not-burn-Zigaretten sehr wohl zu Rauchentwicklung kommt. Das Produkt Iqos, das in der Studie untersucht wurde, produzierte auch beim Erhitzen von Tabak toxischen Rauch.

Laut Adrien Kay, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG), sind diese Zigaretten erst seit kurzer Zeit auf dem Markt. Daher können auch keine verlässlichen Aussagen zur Gesundheitsgefährdung bei Langzeitkonsumation gemacht werden.

«Ich halte nichts von Tabakprävention»

Die Tabakkonzerne wehren sich gegen eine Gleichbehandlung der neuen Produkte mit Zigaretten: Durch das Wegfallen des Verbrennungsprozesses ähnele der Geschmack zwar einer Zigarette. Es entstünden aber 90 Prozent weniger toxische Stoffe, heisst es etwa bei British American Tobacco. Auch den Vorwurf, dank tieferen Steuern Kasse zu machen, weist man zurück: Es gebe für die «erklärungsbedürftigen Produkte» hohe Vermarktungskosten, zudem habe man 1.5 Milliarden im Bereich Forschung und Entwicklung investiert. Ähnlich klingt es bei Philip Morris.

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner findet, man solle die Steuern so belassen, wie sie sind. Sonst schaffe man nur zusätzliche Hemmnisse für Personen, die mit dem Konsum regulärer Zigaretten aufhören wollen. «Diese Produkte sind viel gesünder als herkömmliche Zigaretten.» Das Argument, dass der Tabakprävention und der AHV durch die tiefe Besteuerung der «Sticks» Geld entgeht, lässt er nicht gelten. «Ich halte nichts von Tabakprävention, das funktioniert nicht», sagt Frehner.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Nice Guy am 05.10.2017 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    "Prävention" leere Worthülse

    Warum gehts eigentlich immer nur um Tabakprävention? Warum sollen Zigis ständig teurer werden und Alk billiger?! kann mir mal einer den Unterschied erklären. Danke

    einklappen einklappen
  • Peterli am 05.10.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    55% Steuern? Krass!

    Also ich sehe nirgends irgendwelche Tabakprävention ausser auf den Ziggischachteln, und das kann ja nicht Millionen kosten! 55% Steuern ist extrem happig.

    einklappen einklappen
  • Monnay am 05.10.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Geld Geld Gedligeld

    Gäbs kein Geld, gäbs keine Zigaretten, mit welchen alle Alterklassen ihre Pension retten. Produzenten produzieren, Verbraucher verbrauchen, Rauchen schadet, Leute sterben, es wird wieder mal Quersubventioniert... Immer das Gleiche gelaber und immer noch keine Lösung

Die neusten Leser-Kommentare

  • der_student am 05.10.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht wiedermal nur ums Geld

    Wenn es nur um die Prävention gehen würde, wäre es nur logisch ein gesünderes Produkt tiefer zu besteuern, um Reize zu schaffen eher zum gesünderen Produkt zu greifen. Eine gleiche Steuer wäre von der Prävention aus gesehen komplett Sinnfrei.

  • Narnia am 05.10.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Was macht denn Frau Humbel falls es faktisch keine Raucher mehr geben würde? Mal vielleicht zuerst überlegen, wer& wie dann die AHV finanziert. Vielleicht mit den überhöhten Sitzungsgelder, wäre doch schon mal ein guter Ansatz.

  • Km am 05.10.2017 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tabaksteuer ist eine freiwillige Spende

    Keiner ist gezwungen zu rauchen. Voll freiwillig. Also Preise anheben und wenn es zu teuer wird kann jeder oder jede aufhören. So einfach...

  • yh am 05.10.2017 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ha

    und von Batterien und deren Entsorgung spricht wieder keiner...

  • Oliver R. am 05.10.2017 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Man macht sich primär Sorgen um die Steuereinahmen, man streitet sich um Steuertarife. Dabei dachte ich immer man soll nicht rauchen, aber wie man sieht/liest geht es nur um das Übliche: Das liebe Geld. Von daher sollte der Staat den Raucher doch ein bischen dankbar sein ;)