Jahresarbeitszeit

07. März 2018 16:45; Akt: 07.03.2018 16:45 Print

Stimmt es, dass wir immer weniger arbeiten?

von Silvana Schreier - Die Arbeitszeit nimmt ab, behauptet Avenir Suisse. «Wunschdenken», heisst es bei den Gewerkschaften.

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In der Branche Verkehr und Lagerei mussten Vollzeitangestellte 2016 11 Stunden mehr arbeiten als noch 2010. Das zeigt eine Analyse von Avenir Suisse. Ebenfalls mehr Arbeitszeit verzeichnen die Bereiche . Insgesamt mussten dort 4 Stunden mehr Arbeitszeit geleistet werden (Vergleich zwischen 2010 und 2016). Auch in muss mehr Arbeitszeit geleistet werden. Insgesamt handelt es sich um 4 Stunden mehr. Die Zahlen beim sind fast gleich geblieben: Die jährliche Arbeitszeit pro Vollzeitstelle hat zwischen 2010 und 2016 um 1 Stunde abgenommen. In der Branche der mussten 2016 im Vergleich zu 2010 6 Stunden pro Jahr weniger gearbeitet werden. Im gab es eine Abnahme von 7 Stunden. Wer in den Bereichen arbeitet ... ... musste 2016 ganze 15 Stunden weniger arbeiten als noch 2010. Eine grössere Reduktion der Arbeitszeit erlebte das : ... 2016 mussten dort 31 Arbeitsstunden weniger geleistet werden als noch sechs Jahre zuvor. Ebenfalls deutlich weniger mussten Angestellte im arbeiten: Die Reduktion der Arbeitszeit betrug 2016 35 Stunden. Auch das profitiert laut der Analyse von Avenir Suisse: ... Wer in diesen Bereichen arbeitete, musste 36 Stunden weniger arbeiten – pro Jahr. Die Branchen erlebten einen Rückgang von 37 Stunden. In wurde die jährliche Arbeitszeit für eine Vollzeitstelle im Jahr 2016 um 38 Arbeitsstunden verkürzt – im Vergleich zu 2010. verzeichneten einen Rückgang der Arbeitszeit um ebenfalls 38 Stunden. Wer noch immer die meisten Arbeitsstunden leistet, sind die . Obwohl die Arbeitszeit zwischen 2010 und 2016 um 51 Stunden abgenommen hat, leisten sie die meisten Arbeitsstunden der untersuchten Branchen.

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In Skandinavien wird mit Sechs-Stunden-Arbeitstagen und limitierten Überstunden experimentiert. Solche Lösungen scheinen für die Schweizer Arbeiterschaft noch weit weg. Glaubt man der Analyse von Avenir Suisse, braucht es keine reduzierten Arbeitszeiten. Denn die Auswertung zeigt: Die Arbeitsstunden pro Beschäftigtem haben deutlich abgenommen.

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Arbeiten wir zu viel?

Im Durchschnitt hat sich gemäss der Analyse von Avenir Suisse die jährliche Arbeitszeit pro Vollzeitstelle um 22 Stunden verkürzt. Untersucht wurde der Zeitraum von 2010 bis 2016. Darin wurden alle geleisteten Arbeitsstunden – inklusive Überstunden – berücksichtigt.

Die Analyse will zeigen, dass es nur bedingt stimmt, dass die Arbeitszeit in den vergangenen Jahren gestiegen sei. «Die Arbeitszeit nimmt schon seit langem ab. Das ist also kein neuer Trend, sondern eine fast hundert Jahre alte Entwicklung», sagt Natanael Rother, Autor der Analyse von Avenir Suisse.

«Schweizer arbeiten weniger bei grösserem Output»

Obwohl Arbeitnehmer in der Schweiz also weniger Stunden pro Jahr arbeiten müssen, wird mehr Wohlstand generiert. Avenir Suisse schreibt: Das BIP pro Beschäftigtem sei in der gleichen Zeit in der Vergleichswährung «internationaler Dollar» gerechnet von 40'000 auf über 96'000 angestiegen. Zwar dürfe man nicht vergessen, dass Arbeitszeitreduktionen nicht immer freiwillig seien. Dennoch sei die Tendenz klar: «Schweizer arbeiten insgesamt weniger bei grösserem Output.»

Rother erklärt, dass «unser beträchtliches Wohlstandsniveau» in erster Linie mit der Produktivität zu tun habe, die stetig zunehme. «Praktisch alle Branchen können vom technologischen Fortschritt profitieren.» Ein weiterer Faktor sei, dass immer mehr Leute arbeiten würden. Besonders die Frauen hätten hier im Vergleich mit den Männern aufgeholt, sagt Rother. Avenir Suisse fasst zusammen: «In den meisten Branchen zeigt sich in der mittleren Frist eine Reduktion der Arbeitsbelastung.»

«Stress und Belastung nehmen weiter zu»

Beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) betrachtet man die Auswertung von Avenir Suisse kritisch: «Das ist Wunschdenken», sagt Daniel Lampart, Chefökonom beim SGB. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe man feststellen müssen, dass die Jahresarbeitszeit zum ersten Mal seit langer Zeit wieder steigt.

«Zusätzlich zur Arbeitszeit nehmen auch Stress und Belastung weiter zu», so Lampart. Die Tendenz sei, dass man mehr arbeiten müsse für denselben Lohn. «Darum weichen die Leute nun selbst aus: Sie fahren ihr Pensum zurück und verzichten auf den höheren Lohn.»

Mehr Belastung, aber weniger Arbeitszeit

Yvonne Ribi, die Geschäftsführerin des Verbands der Pflegefachfrauen und -fachmänner, sagt, die Studie von Avenir Suisse lasse keine Schlüsse darüber zu, wie sich die Arbeitsbelastung entwickelt hat. «Die Aussage, dass beispielsweise in der Pflege weniger gearbeitet wird, stimmt sicher nicht», sagt sie.

Die Zahlen zeigten zwar eine Verkürzung der Arbeitszeit pro Vollzeitstelle. Die Belastung steige aber: «Bei steigenden Patientenzahlen müssen die Pflegefachleute immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit pflegen. Das sorgt für massiven Druck», so Ribi. Betriebe seien daran interessiert, dass die Angestellten möglichst wenig Überstunden machten und die Produktivität so hoch wie möglich sei. So fühlten sich die Mitarbeiter immer gestresster. «Mehr Zeit für Patienten zu haben und weniger Produktivitäts-Druck wäre ganz wichtig», sagt Ribi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steinwerfer am 07.03.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt...

    ich arbeite gem. Avenier Suisse weniger? Komisch, ich merke davon nichts. Was ich aber Merke, ist das mein Lohn in der Schweiz immer weniger wert ist....

  • G.V. am 07.03.2018 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir arbeiten immer mehr

    Auf keinen Fall arbeiten wir immer weniger! Im Gegenteil: Die Leute haben immer weniger Zeit, können sich weniger gut um Privates kümmern, finden keine Zeit mehr für Hobbys und am Wochenende wollen sich viele einfach nur noch ausruhen anstatt etwas zu unternehmen.

    einklappen einklappen
  • marc am 07.03.2018 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur noch 80%

    ich arbeite nur noch 80 %. hab die Nase voll vom mich dumm und dämlich arbeiten. mein Lohn genügt dabei vollkommen um über die Runden zu kommen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeitstheoretiker am 08.03.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Produktivität vs Müdigkeit

    Je Länger man arbeitet, desto ineffizienter wird man, da man ermüdet. nach 5 Stunden Arbeit ist die Produktivität unter 50%. Wieso Also nicht nur 5-6 Stunden Arbeiten und dafür 2-3 Stunden länger Schlafen. Ein paar Stündchen mehr Schlaf erhöhen die Produktivität mehr als 2-3 Stunden warten bis es 17 Uhr ist.

  • Mediamatikerin am 08.03.2018 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    KMU mit 48 Wochenstunden normal?

    Bekam kürzlich eine Stelle angeboten. Gleicher Lohn wie bisher, aber etwas näher an meinem Wohnort gelegen. Ich habs mir überlegt, aber als der Inhaber meinte, 48 Wochenstunden seien bei ihnen zur Zeit normal, habe ich dankend abgelehnt. Da bleibe ich lieber wo ich bin und arbeite 42 Stunden! Was nützen mir 30 Min weniger Pendeln pro Tag, wenn ich dafür 6 Stunden mehr arbeiten soll bei gleichem Lohn?

  • Worker am 08.03.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Würd lachen, wenns nicht zum heulen wär

    Vermute mal die haben nur das oberste Kader ausgewertet. Da ist es richtig: weniger arbeiten für viel mehr Kohle. Der kleine Mann ackert sich zu Tode und darf jedes Jahr erneut festestellen, dass der Lohn nun noch weniger weit reicht.... Träum weiter, und trau keiner Umfrage, die du nicht selber gefälscht hast!

  • Fonsi am 08.03.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts

    Ich war immer ein Arbeiter der mindestens 5 Minuten früher da war und 5 Minuten später ging. Auch Überstunden hab ich nur geschrieben wenn ich sie wirklich auch machte(bei 25min länger Arbeiten schrieb ich nicht 1/2 Stunde mehr, erst ab 30min). Gedankt oder geschätzt wurde das nie, nicht mal wahrgenommen oder es hiess "selber Schuld"! Heute komme ich 5min später, gehe 5min früher und sobald nur 1min länger gearbeitet wird 1/2 Stunde aufgeschrieben! Chefs sind selber Schuld!

  • Daisydream am 08.03.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sowas von vorgestern.

    2010-2016? Liebe Avenir Suisse, wir befinden uns in 2018. eure Studie ist bereits veraltet. Vielleicht arbeiten wir heute nicht mehr so viele Stunden, wie vor zehn Jahren. Aber wir müssen immer mehr Arbeit in die immer gleichlangen Stunden quetschen. Von wegen weniger Arbeitsbelastung.