Bildungs-Trend

20. Juni 2018 05:41; Akt: 20.06.2018 05:41 Print

Stirbt die klassische Berufslehre aus?

von Stefan Ehrbar - Bald haben die meisten einen Abschluss aus dem tertiären Sektor. Für die Abgehängten brauche es mehr Geld, fordern Politiker.

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Wer nach der Sekundarstufe die Schule verlässt, eine Lehre macht und danach durcharbeitet, gehört bald zu einer Minderheit: Bis 2045 werden rund 60 Prozent der Bevölkerung einen Abschluss auf Tertiärstufe haben, also ein Diplom der ETH, einer Universität, höheren Fachschule, Fachhochschule oder eine Berufsprüfung. Das ist dem Bildungsbericht 2018 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) zu entnehmen. Diese Entwicklung liege an zusätzlichen Ausbildungen der hier lebenden Personen, nicht an der Einwanderung, heisst es im Bericht.

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Stirbt damit die klassische Berufslehre aus – oder wird sie zum Abstellgleis? «Der technologische Wandel führt zu einer Zunahme der Nachfrage nach höher gebildeten Arbeitskräften», heisst es im Bericht. «Eine Lehre allein reicht heute nicht mehr», sagt Bildungsforscher Stefan Wolter, der den Bericht verfasst hat (siehe Interview).

«Ausbildung für Berufe, die es nicht mehr gibt»

Der FDP-Nationalrat Fathi Derder teilt die Sorgen um die Berufslehre. «Die Berufsbildung muss sich ändern», sagt er. Sie sei unverzichtbar für die Schweiz, aber: «Heute stellen wir fest, dass die Fähigkeiten, die in Lehren gelehrt werden, nicht auf dem Stand der Technik sind.»

Unternehmen beschwerten sich etwa darüber, dass Hochbauzeichner zu wenig IT-Kenntnisse haben oder dass Schweisser nicht programmieren können. Deshalb müssten die Lehrlings-Ausbildungen reformiert und häufiger aktualisiert werden, sagt Derder. Die zuständigen Verbände seien in der Pflicht.

Ausbildungen für die Lethargischen

SP-Nationalrat Matthias Aebischer sieht schon seit längerem Handlungsbedarf. «Der technologische Wandel führt dazu, dass man nicht einfach eine Lehre abschliesst und basta. Man muss sich heute stetig weiterbilden, Kurse absolvieren oder ein zusätzliches Diplom machen.»

Es gebe aber passivere, lethargische Menschen, die sich nicht gross um Weiterbildungen bemühten. «Es braucht Programme, die diese Leute suchen und weiterbilden», sagt Aebischer. «Es gibt etwa Leute, die kein Mail schreiben können. Auf sie muss man zugehen und sie weiterbilden.» Mit dem neuen Weiterbildungsgesetz, das seit dem 1. Januar 2017 in Kraft ist, gebe es die rechtlichen Grundlagen dafür. «Es steht aber zu wenig Geld zur Verfügung. Wir müssen mehr investieren, um die Leute bei der Arbeit zu halten», sagt Aebischer.

«Man muss sich weiterentwickeln»

Am dualen Bildungssystem wolle er gar nichts ändern. Die Maturitätsquote müsse stabil bleiben. «Die Berufslehre hat einen Top-Ruf in der Schweiz», sagt Aebischer. Noch steigerungsfähig sei die Begeisterung für die Berufslehre bei den Ausländerinnen und Ausländern, die das Berufsbildungssystem zum Teil kaum kennen. «Sie müssen wir besser aufklären», sagt Aebischer. Klar sei, dass die Weiterbildung heute einen zentralen Aspekt darstelle. «Der technologische Wandel führt dazu, dass man nicht einfach eine Lehre abschliesst, sondern sich nachher weiterbildet.»

Mit einer Berufslehre stünden dazu viele Möglichkeiten zur Verfügung – etwa Meisterkurse oder höhere Fachschulen. Diese Ausbildungen gehören ebenfalls zum tertiären Sektor. Den Anstieg der Tertiärquote begrüsst Aebischer deshalb: «Ich will ein möglichst hohes Bildungsniveau. Je mehr Leute sich im tertiären Sektor ausbilden lassen, desto besser.» Grundsätzlich liege das an jedem Einzelnen, sagt Aebischer: «Man sollte sich jedes Jahr fragen, wie man sich weiterentwickeln kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom82 am 20.06.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zuerst eine Lehre

    das beste ist immer noch zuerst eine Lehre zu absolvieren! akadeniker haben wir schon genug in der Schweiz. was fehlt sind gute Handwerker, denn ohne diese funktioniert die Wirtschaft auch 2045 nicht!

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  • Philbus am 20.06.2018 05:53 Report Diesen Beitrag melden

    Extreme

    Wie mein Berufsschul Lehrer mal zynisch, aber ziemlich treffend sagte: Ein nicht gerade unbedeutender Teil, der studiert, müsste man eigentlich direkt ins Sozialamt schicken, damit sie keinen Schaden mehr anrichten können. Nur fähig sich etwas zu merken, aber absolut keinen schimmer wie man etwas verknüpft oder einsetzt. Aber total Realitätsentfremdete erwartungen an die Welt.

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  • Robert Müller am 20.06.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehre bevorzugt!

    ich habe eine Berufslehre UND einen Bachelor. Wenn mir jemand das Geld zurückgibt, kann der gerne meinen Bachelor zurück haben! Mein Diplom von der Lehre behalte ich und gebe es nicht her. Für mich war der Bachelor eine reine Zeit- und Geldverschwendung welche ich bereuhe. Die Lehre war sehr hart (viel härter als die Hochschule/Uni) aber dafür sehr Lehrreich. Als Unternehmer habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Arbeitsnehmer mit Uniabschluss beinahe unbrauchbar sind im Beruf und ich bevorzuge Applikanten mit Berufslehre und Erfahrung seither.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tami Müller am 21.06.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    pro Berufslehre

    Ja, sehr viele mit Berufslehre bilden sich regelmässig weiter - von Akademikern wird dies lustigerweise nicht erwartet und verlangt!!

  • Greg Roulin am 21.06.2018 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    So ein unnsinn

    Je mehr Leute sich im tertiären Niveau bilden lassen, wie höher die Arbeitslose quote! Drüber lässt sich nicht diskutieren, ist ein Fakt, siehe Statistik... Es braucht Leute die wissen über was sie reden, und in die praktisch was Wert sind... Ein Buch sinnlos auswendig zu lernen um eine gute Note zu haben kann schlussendlich jede, machen aber nur unkreative mitlaufer die mann leider wenig brauchen kann...

    • FaN99 am 21.06.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      sich weiterbilden ist immer gut

      je mehr, desto höher...

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  • Jaden am 20.06.2018 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bildung als Zwang?

    Die Berufslehren in der Schweiz sind auf einem hervorragenden Stand. Weltweit gesehen! Das man sich danach weiterbilden darf oder soll ist schon seit Jahrzehnten bekannt! Es gibt aktuell auch einen politischen Vorstoss, dass während des Studiums ein Praktikum sehr hilfreich wäre...Umgekehrt entwickelt sich die Berufslehre weiter. Pflege, Handwerk, Wissenschaft, Dienstleistung, Robotertechnik...es ist ein Bedarf an vielem da. Entspannen wir doch etwas. Bildung soll nicht zum Lebensinhalt und Zwang werden, sondern ein Sinn geben, eine Berreicherung sein.

  • Argus Auge am 20.06.2018 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Theorie und Prax

    ....und alle mit Studium waren sich einig: "es ist unmöglich" bis ein Handwerker kam und alles erledigte, weil er nie davon hörte, dass es unmöglich ist.

  • Mimi am 20.06.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Lehre

    Nach der Lehre an der Front gearbeitet ...Stetig weitergebildet ... und mit BERUFSPRAXIS im Rucksack gehts jetzt an die Berufsprüfung ...