Neuer Verdacht

14. Juni 2018 09:10; Akt: 14.06.2018 10:19 Print

Postauto soll Wettbewerb im Tessin verzerrt haben

Neue Details zum Postauto-Skandal: Das Unternehmen soll mit Quersubventionen private Konkurrenten ausgestochen haben.

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Die Postauto AG soll den Ortsverkehr im Tessin mit Gewinnen aus dem Regionalverkehr quersubventioniert zu haben: Ein Postauto fährt durch Lugano. Wie dem Untersuchungsbericht zur Postauto-Affäre zu entnehmen ist, flossen in den Jahren 2007 bis 2015 rund 2,3 Millionen Franken Gewinne aus dem subventionierten Tessiner Regionalverkehr in den Ortsverkehr. Am 11. Juni 2018 wurde ihr Rücktritt bekanntgegeben: Susanne Ruoff, hier anlässlich der Bilanzmedienkonferenz der Schweizerischen Post AG. (8. März 2018) Die Konzernchefin ist wegen des Buchungsskandals bei Postauto zurückgetreten. Die Wahl als erste Frau an die Spitze der Post galt als Überraschung. Obwohl branchenfremd und politisch ein unbeschriebenes Blatt, setzte sich Susanne Ruoff im November 2011 beim Verwaltungsrat gegen 200 Mitbewerber durch. Anfang Februar war bekannt geworden, dass die Postauto AG jahrelang im subventionierten Geschäftsbereich Gewinne erzielt und zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen hatte. Letztere verlangen deshalb 78,3 Millionen Franken von der Post zurück. Mittels einer Kommunikationsagentur liess Ruoff mitteilen, dass sie die Verantwortung für die Umtriebe in dem Unternehmenszweig übernehme. Ruoff hält «deutlich» fest, dass sie nichts von den fiktiven Buchungen gewusst habe, die auch schon vor ihrer Zeit als Chefin getätigt worden waren. Sie habe sich auf interne und externe Kontrollen verlassen. Die Post musste einräumen, dass ihre Tochtergesellschaft zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hatte: Ruoff mit Finanzchef Alex Glanzmann (links) und Kommunikationschef Marco Imboden (6. Februar 2016)

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Die PostAuto AG steht im Verdacht, den Ortsverkehr im Tessin mit Gewinnen aus dem Regionalverkehr quersubventioniert zu haben. Damit könnte sie den Wettbewerb verzerrt und private Konkurrenten ausgestochen haben.

Wie dem Untersuchungsbericht zur Postauto-Affäre zu entnehmen ist, flossen in den Jahren 2007 bis 2015 rund 2,3 Millionen Franken Gewinne aus dem subventionierten Tessiner Regionalverkehr in den Ortsverkehr.

«Wenn es für diese Buchungen keine stichhaltigen Begründungen gibt, was wir nicht nachprüfen konnten, so wurde wirtschaftlich gesehen der Ortsverkehr der Region Tessin über den Regionalen Personenverkehr subventioniert», steht im Untersuchungsbericht der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard.

Post-Sprecherin Lea Wertheimer bestätigte am Donnerstag gegenüber der SRF-Sendung «Heute-Morgen», dass der Verwaltungsrat der Post den Verdacht beim Bundesamt für Polizei (fedpol) deponiert habe. Das fedpol führt im Auftrag des Bundes ein verwaltungsstrafrechtliches Verfahren in der Affäre.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emil am 14.06.2018 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie denn nun?

    Wenn sich niemand an der Geschichte bereichert haben soll verstehe ich die ganze Sache nicht mehr. Bringt endlich Licht ins Dunkel und nennt uns die Herren und Damen die aus all dem Profit geschlagen haben.

    einklappen einklappen
  • Klaus Künzi am 14.06.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diverse Konkurse

    Logisch, die Postauto AG hat unzählige private Postautobetreiber, insbesondere im Berner Oberland durch zu tiefe Offerten zur Aufgabe und in den Konkurs getrieben.

  • Chriesipfluecker am 14.06.2018 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Ende in Sicht

    Der Image-Schaden den Postauto & die Post AG erlitten hat, wird nicht wieder gut zu machen sein. Das einstige Lieblingskind von Alt-BR Ogi wurde in den letzten Jahren zum Aerger der Nation.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 14.06.2018 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    u-Haft

    Wann gehen dann endlich diese Postauto-Typen in die Untersuchungshaft? Gibt es hier keine Verdachtspunkte? Sie haben den Staat, also uns betrogen.

  • Abklären! am 14.06.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lenk?

    Vor wenigen Jahren geschah im Berneroberland wohl das selbe! Ein alteingesessener Busbetrieb wurde einfach abgeschossen!

  • Urglarner am 14.06.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht der Rede wert!

    Verglichen mit den rund 80 Millionen Quersubventionierungen welche an die Carpostale nach Frankreich flossen sind diese Verfehlungen im Tessin doch nur Peanuts!

  • Der echte Mike am 14.06.2018 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Service Public

    Das passiert halt, wenn man den Service Public abbaut und alles privatisiert.

  • Bruno am 14.06.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quer Finanzierung

    Querfinanzierungen sind in der Geschäftswelt nicht unüblich. So tendiert kaum eine Filiale der internationalen billig Modelabels an der Zürcher Bahnhofstrasse. Diese werden trotzdem weiterbetrieben und eben quer finanziert weil der Prestige- und Imagegewinn da ist. Auch Gastro- und Fastfoodketten betreiben diese Praktik. Da diese Unternehmen aber im Gegensatz zur Post keine halbstaatlichen Konzerne sind wird nichts gemacht, obwohl auch sie den Kleinbetrieben damit enorm schaden. Der Fluch dabei ist, dass Betriebe wie SBB, Post, Ruag, aber auch Spitäler oder komunale Reinigung und Entsorgung immer mehr von Managern geführt werden die meinen privatwirtschaftliches Vorgehen sei das einzig Wahre. Auch Politiker sind an dieser Entwicklung mitschuldig wenn sie solchen Betrieben Geschäftsziele vorgeben die gar nicht mehr realistisch sind. Es werden noch einige Skandale und Skandälchen auffliegen.