Teenager besonders gefährdet

24. Oktober 2016 05:41; Akt: 24.10.2016 05:41 Print

Sucht Schweiz warnt vor Online-Glücksspielen

von P. Michel - Suchtexperten warnen vor den Gefahren von Online-Glücksspielen. Besonders Junge seien gefährdet, ein Suchtverhalten zu entwickeln.

Den ganzen Dokumentarfilm, in dem drei ehemalige Spielsüchtige über ihre Erfahrungen berichten, finden Sie auf www.sos-spielsucht.ch. Video: Sucht Schweiz
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Auf dem Höhepunkt seiner Glücksspielkarriere platzierte André* (36) im Internet auf beliebige Sportergebnisse tausend Franken – und dann, nachdem er mit seinem Tipp falsch lag, gleich nochmals, dutzende Einsätze pro Tag.

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Weil die Verluste stets grösser waren als die Gewinne und sich die Schulden auf eine Viertelmillion Franken auftürmten, musste neues Geld her: Um weiterzuspielen, räumte André die Konten seiner Kinder und jenes seiner Frau leer, leihte sich Geld bei Freunden und wechselte zwischen drei Kreditkarten. Die Betreibungen und Mahnungen fischte er aus dem Briefkasten, in der Hoffnung, seine Sucht kaschieren zu können.

25 Prozent der Jungen spielten letztes Jahr Glücksspiele

Anhand des Schicksals von André, der als Teenager in die Spielsucht abgerutscht war, will die Organisation Sucht Schweiz in einem Dokumentarfilm auf die Gefahren des Glücksspiels hinweisen. Insbesondere Junge sind laut den Experten betroffen: Rund 25 Prozent der 15 bis 19-Jährigen spielten im vergangenen Jahr Glücksspiele. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen entwickeln dabei doppelt so viele ein problematisches Spielverhalten.

Franz Eidenbenz, Psychologe und Leiter der Behandlung des Zentrums für Spielsucht, Radix, trifft zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene an, die Probleme mit Glücksspielen haben. Diese Tendenz erklärt er mit der grösseren Nähe von Computer- und Glücksspielen: «Bei vielen Online-Spielen ist es gängig, dass man sich zusätzliche Gadgets erkaufen kann.» Das führe dazu, dass die Hemmschwelle, auch mal online Poker zu spielen oder auf eine Sportwette zu setzen, abnehme.

«Online fehlt die soziale Kontrolle»

«Am Anfang einer Sucht steht meist ein grosser Gewinn», sagt Eidenbenz. Erspiele ein junger Erwachsener mit einem Lehrlingslohn online auf einen Schlag ein paar tausend Franken, sei die Gefahr gross, dass er die Kontrolle über den Konsum verliere.

«In Online-Geldspielen nimmt man nie wirkliches Geld in die Hand und verliert deshalb den realen Wert aus den Augen. Da man alleine spielt, fehlt es auch an sozialer Kontrolle», stellt Silvia Steiner, Leiterin Prävention bei Sucht Schweiz, fest. Sie sieht die Problematik zusätzlich darin, dass auf dem Handy jederzeit eine Möglichkeit zum Spiel griffbereit ist.

«Im Internet würden die gleichen Regeln gelten»

Heute dürfen Schweizer Casinos keine Online-Spiele anbieten. Laut Suchtfachleuten weichen die Schweizer Spieler darum auf ausländische Angebote aus. Mit dem neuen Geldspielgesetz, das derzeit vom Parlament behandelt wird, soll das Verbot aufgehoben werden. Jedoch dürften nur Schweizer Casinos entsprechende Online-Angebote anbieten – diese Bestimmung ist umstritten.

Marc Friedrich vom Casinoverband betont, dass im Internet die gleichen Regeln wie im herkömmlichen Casino gelten würden. «Auch online müssten die Spieler sich mit ihrer Identitätskarte registrieren, gesperrte Spieler erhalten keinen Zugang.»

Friedrich ist überzeugt, dass mit den neuen Angeboten der Schweizer Casinos im Internet der Spielerschutz «gar noch verbessert werden kann»: «Online kann genau erfasst werden, wer wie oft spielt und wie hoch seine Einsätze sind.» Aufgrund dieser Daten könne der Casino-Betreiber einschreiten, wenn jemand ein auffälliges Spielverhalten zeige.

«Feigenblatt für die Interessen der Casino-Branche»

Simon Planzer, Experte für Glücksspiel-Regulierung und Anwalt verschiedener europäischer Online-Anbieter, begrüsst einen starken Spielerschutz. Er wehrt sich aber dagegen, dass dieser als «Feigenblatt für die Interessen der Casinobranche» missbraucht wird. «Wer gibt den Casinos das Recht, den Schweizer Online-Spielern vorzuschreiben, dass sie per sofort nur noch bei ihnen spielen dürfen?»

Planzer pflichtet bei, dass jugendliche Spieler öfter von Spielproblemen betroffen sind, «genauso wie bei anderen Suchtformen auch». Er warnt aber davor, die Jungen «zu bevormunden», indem sie nur noch bei Schweizer Anbietern spielen dürften.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 24.10.2016 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Casino Lobby gewinnt

    Das neue Geldspielgesetz bringt in erster Linie den Schweizer Casinos etwas und das Ganze unter dem Deckmantel der Suchtprävention. Da haben die Lobbyisten wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Was mich dabei aber am meisten stört ist, dass Poker immer noch als gewöhnliches Glücksspiel angeschaut wird und es dafür keine Sonderregeln gibt. Die Casinos können (oder wollen) das "Bedürfnis" der Pokerspieler nach interessanten und gut besuchten Turnieren gar nicht befriedigen. Noch weniger in einem Schweizer Online-Binnenmarkt.

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  • Jongduk Park am 24.10.2016 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Quo va dis Poker?

    Schade - früher konnte man Poker für wenig Geld spielen. Den ganzen Abend füllend. Freunde treffen, lachen, Kaffee trinken etc. Politik ist nur noch Interessenvertretung.

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  • mr. nice guy am 24.10.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Im Namen

    ...der Sicherheit der jungen - mal schauen wie kreativ die verbote diesmal sein werden, welche sicherheit nur fürs portemonnaie userer obrigkeit bringen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vierziger am 24.10.2016 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid

    Mal ganz grundsätzlich: ab und zu ins Casino zu gehen und zu spielen, macht sehr viel Spass. ABER: Die verzogene Generation Jael & Co hat zuerst selbst Geld zu verdienen (= NICHT von den Eltern, Grosseltern, "Göttis/Gotten" oder anderen zu nichts Verpflichteten erbetteln sondern ARBEITEN gehen!) und können dann damit machen, was sie wollen, aber erst, wenn sie finanziell unabhängig sind. Vorher haben sie auch kein Geld für Sonstiges zu verlangen. Genauso ist es uns früher auch gegangen, und wir haben so den Umgang mit Geld gelernt. Punkt.

    • Vierziger am 24.10.2016 18:37 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag/Frage

      Was genau bemängeln meine Gegenliker: Dass ich das Konsumverhalten von Jael & Co unmöglich finde? Oder ihre Erwartungshaltung, ihnen alles zahlen zu müssen? Oder, dass ich finde, sie sollen (so wie wir früher) ihr Geld selbst verdienen und sich DANN Luxus leisten und sich diesen nicht vorab erbetteln? Als wir Kinder waren, war das selbstverständlich - für Jael & Co. sind scheinbar unverschämte Forderungen selbstverständlich. Das ist sehr beschämend für sie.

    • etwas jünger am 25.10.2016 06:28 Report Diesen Beitrag melden

      Mir fallen hier

      vor allem aus der Luft gegriffene Pauschalurteile negativ auf...

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  • Rafael am 24.10.2016 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Die Chance in eine Schulden-Falle zu geraten ist wohl durch die "Konsumiere Heute, zahle Später"-Wirtschaft einiges gefährlicher. Auto geleast. PC auf Raten. Möbel auf Raten. Konsumkredit? Kein Problem, hier haben 20'000- bar auf die Hand. Die paar Fälle welche es mit Glücksspiel übertreiben (es muss übrigens nicht Glücksspiel wo man das Geld zum Fenster rauswirft, kann man auch auf ebay tun indem zig Sachen kauft, die man niemals braucht - oder auf der Pferderennbahn).

  • Jongduk Park am 24.10.2016 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Quo va dis Poker?

    Schade - früher konnte man Poker für wenig Geld spielen. Den ganzen Abend füllend. Freunde treffen, lachen, Kaffee trinken etc. Politik ist nur noch Interessenvertretung.

    • Thomas T. am 24.10.2016 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      wo ist das Problem?

      Das kannst du auch heute noch ganz locker...einfach dran denken, dass ihr offiziell "ohne Einsätze" spielt...lasst also einfach das Geld nicht herumliegen und keiner kann euch was tun...zusammen sitzen und Karten spielen darf keiner Verbieten!!!

    • Querdenker am 24.10.2016 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      no problem

      Freunde treffen, lachen, Kaffee trinken und Karten spielen (egal welches Spiel) kannst du auch heute!!!! Solange ihr die Einsätze nicht herumliegen lässt ist das kein Problem...

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  • mr. nice guy am 24.10.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Im Namen

    ...der Sicherheit der jungen - mal schauen wie kreativ die verbote diesmal sein werden, welche sicherheit nur fürs portemonnaie userer obrigkeit bringen werden.

  • Chris am 24.10.2016 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Casino Lobby gewinnt

    Das neue Geldspielgesetz bringt in erster Linie den Schweizer Casinos etwas und das Ganze unter dem Deckmantel der Suchtprävention. Da haben die Lobbyisten wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Was mich dabei aber am meisten stört ist, dass Poker immer noch als gewöhnliches Glücksspiel angeschaut wird und es dafür keine Sonderregeln gibt. Die Casinos können (oder wollen) das "Bedürfnis" der Pokerspieler nach interessanten und gut besuchten Turnieren gar nicht befriedigen. Noch weniger in einem Schweizer Online-Binnenmarkt.

    • Pokerstars-Gambler am 24.10.2016 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      kann man auch anders sehen...

      Auch Pokern ist Glücksspiel...zwar ist nur ca. 40% Glück und 60% Taktik/Gegner Lesen etc...aber jeder der mir sagt es ist kein Glücksspiel, der verleugnet die Tatsachen!! Auch grosse Spieler wie Esfandiari, Ivey oder Negreanu sagen ganz klar, dass das Glück ein enorm wichtiger Faktor ist beim Pokern... Und das Suchtpotenzial ist beim Pokern mindestens so hoch wie beim Roulette...weil man eben mehr Einfluss nehmen kann und es nicht nur Glück ist, denken viele sie können das Spiel "kontrollieren"...

    • Chnops am 24.10.2016 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Hobbyspieler

      Natürlich kann man es kontrollieren. Spiele seit gut 5 Jahren hobbymässig Onlinepoker. Habe mit 150 Dollar Bankroll angefangen und damit über 4000 SitnGo´s gespielt. Für mich ein reines Hobby in dem ich weder gross gewinne noch verliere. Mir geht es um das Spiel. Ich kenne kein Spiel, das so komplex ist und mich so geistig fordert/fördert wie Poker. Ich kann mit Poker perfekt abschalten - nur noch an meine Hand und die der Gegner denken. Ein Hobby halt, wie viele andere auch.

    • Chris am 24.10.2016 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      Profi Spieler

      Klar ist das Glück ein wichtiger Faktor im Pokern (den man nicht unterschätzen darf) aber nur, wenn man eine Hand oder ein Turnier/Abend Cashgame anschaut. Über einen längeren Zeitraum hinweg dürfte dieses Verhältnis wohl eher an die 10/90 sein. Wäre der Glücksfaktor über einen längeren Zeithorizont hinweg einiges höher, so hätten wir nicht so viele Profis über den ganzen Globus verteilt. Wie Norman Chad so schön sagte: "If Poker is mainly a game of luck, then so is the stock market..."

    • Pokerstars-Gambler am 24.10.2016 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Wer den Aktienmarkt nicht als Glücksspiel bezeichnet dem ist nicht mehr zu helfen...ich habe diverse Broker/Trader im Umfeld welche dies bestätigen... Der Mythos der Profispieler ist herrlich...natürlich auf 10'000 die es probieren schafft es einer zum Profi und weil die Profis das Risiko kennen gibt es ja die Profi-Verbände (Ivey hat sein eigenes Team) um das Risiko abzuschwächen oder sie sind PokerStars Spieler die gesponsort sind... Wäre es 90/10 brauchte ein Spieler wie Ivey kein "Team" und hätte Negreanu sich nicht primär aufs den Pokerstars CEO Posten gesetzt...er weiss die Bank gewinnt!

    • Chnops am 24.10.2016 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Poker, wie ich es verstehe

      Das einzige was im Poker konstant gleich und immer berechenbar bleibt ist die Varianz. Beim Poker geht es primär darum zuwissen und vor allem zu entscheiden, wie man damit zu welchem Zeitpunkt umgeht. Mit jeder Hand wird man zu Entscheidungen gezwungen und man lernt die persönliche und auch die Spielweise von anderen kennen. Mit vielen Spieler habe ich mehrere 100 Hände geteilt. Man kennt sich und Gegner immer besser. Was Vorteile wie Nachteile mit sich bringt. Poker ist und bleibt aber ein dynamisches Spiel, in dem du nie ausgelernt bist. So ein Spiel kann mir kein Staat dieser Welt verbieten

    • Chris am 24.10.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Gambler

      Punkto Aktienmarkt: Wie im Poker gibt es aber Leute die damit Geld verdienen. Hast Du schon einmal von einem Professionellen Roulette oder Lottospieler gehört? Punkto Profis: In Amerika und anderswo gibt es so viele Spieler, die mit Poker Ihren Lebensunterhalt verdienen von denen weder Du noch ich je gehört haben. Ivey, Negreanu etc. sind einfach die Spitze des Eisbergs. Sie sind der Mythos, die anderen sind durchaus nicht mythisch. Punkto die Bank gewinnt: Klar, Pokerstars ist eine Gelddruckmaschine und jeder wäre doof da nicht einzusteigen, egal wie erfolgreich man sonst im Poker ist.

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