Ernährungstrend Superfood

06. Februar 2018 05:42; Akt: 06.02.2018 20:52 Print

Ingwer, Bulgur, Quinoa – die Importe explodieren

Trendige Lebensmittel werden wie wild importiert. Eine Expertin sieht den Hype um den Superfood kritisch.

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Viele Schweizer setzen in der kalten Jahreszeit auf ein Wurzelgewächs, das noch vor kurzem eher ein Schattendasein in Grosis Tee fristete: Ingwer. Als Shot soll der Ingwersaft viele positive Wirkungen auf den Körper haben. Er soll das Immunsystem stärken, bei der Verdauung helfen und gegen Erkältungen und Kater wirken. Die Kunden kaufen die Regale leer (20 Minuten berichtete).

Ein Blick in die Importstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigt: Der Ingwer-Trend führt zu einer starken Zunahme der Einfuhr. Wurden im Jahr 2000 rund 264 Tonnen des Gewächses importiert, waren es letztes Jahr bereits über 2000 Tonnen. Drei Viertel der Importe des vergangenen Jahres stammen aus China, weitere 300 Tonnen kommen aus Peru.

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Auch Quinoa und das Trend-Getreide Bulgur boomen. Sie sind vor allem wegen des hohen Eiweissgehalts beliebt. Die Importe haben sich in den letzten Jahren vervielfacht, genau wie diejenigen von Couscous.

Auch andere Lebensmittel kommen in immer grösseren Mengen in den Detailhandel: Von der als sehr gesund geltenden Avocado wurden letztes Jahr 14'000 Tonnen importiert, im Jahr 2000 waren es noch 3740 Tonnen. Der Grossteil der Früchte stammt aus Chile, Peru und Spanien. Auch die Importe von Mangos und Granatäpfeln, deren Kerne immer häufiger im Salat der Schweizer landen, sind regelrecht explodiert.

Für andere Superfoods wie Goji-Beeren oder Chia-Samen ist keine Aussage möglich, da der Zoll diese Lebensmittel in einer Kategorie mit vielen anderen Waren erfasst.

«Goji-Beeren als Statement»

Ernährungsberaterin Stéphanie Bieler von Nutrinfo sieht mehrere Gründe für den Import-Boom: «Durch das veränderte Reiseverhalten kommen immer mehr Schweizer mit exotischen Lebensmitteln in Berührung – und sei es nur über den Instagram-Post eines Freundes.» Überhaupt spiele Ernährung in den sozialen Medien eine wichtige Rolle: «Esse ich Goji-Beeren, ist das ein Statement.»

Bieler sagt, der Boom habe auch seine Schattenseiten: «Es macht überhaupt keinen Sinn, ein bestimmtes Lebensmittel zu hypen. Das ist vor allem geschicktes Marketing.» Vielmehr komme es darauf an, sich möglichst abwechslungsreich zu ernähren.

«Baumnüsse und Leinsamen werden unterschätzt»

Auch mit einheimischen Lebensmitteln lasse sich die erforderliche Menge an Nährstoffen und Vitaminen problemlos abdecken. «Unterschätzt sind beispielsweise Baumnüsse mit ihren wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Leinsamen wiederum haben sehr ähnliche Eigenschaften wie Chia-Samen», so Bieler. Holunderbeeren seien wegen ihres dunklen Farbstoffs genial.

Zugleich gehe schnell vergessen, dass ein Boom im Erzeugerland negative Konsequenzen haben könne. «Wenn die ganze Welt scharf auf Avocados ist, fördert das unter anderem Monokulturen – mit drastischen Folgen für das Ökosystem.»

Hoher Wasserverbrauch und höhere Preise

So berichten Umweltschützer von illegalen Rodungen in Mexiko für den Anbau des grünen Goldes. Zudem ist der Wasserverbrauch der Plantagen enorm. Laut Greenpeace-Sprecher Yves Zenger kann der Boom auch negative Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung in den Erzeugerländern haben: «Weil die Nachfrage nach Quinoa so gross war, stieg der Preis von Quinoa. Die ärmsten Einheimischen können es sich plötzlich nicht mehr leisten.» Das sei eine ungesunde Entwicklung und alles andere als nachhaltig.

Kennen junge Menschen neben Superfood auch noch klassisches Gemüse?

(the/daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 06.02.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trendgetreide?

    Bulgur ist kein Trendgetreide sondern einfach Weizen der etwas anders verarbeitet wurde als man das hierzulande macht. Auch Couscous ist nur Weizen. Wer hat denn hier recherchiert und dann mal schnell einen Artikel gebastelt?

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  • BMW-Sepp am 06.02.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser recherchieren, bitte!

    Bulgur und Couscous sind doch kein neuartiges Superfood, das ist doch einfach nur Weizen.

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  • Oliver am 06.02.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schädlicher Trend ...

    Ökologisch ein absoluter Schwachsinn ... wir sollten lokal produzieren und konsumieren. Nur wenn sich die Leute über nichts anderes definieren können ... dann mit solchen Schwachsinn!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • superfood am 07.02.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Auf grün machen

    aber unnötige Importware kaufen ;)

  • Berta am 07.02.2018 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lokal geht auch.

    Manchmal würden viele Menschen besser in die eigene Kochfähigkeit investieren als den Versprechungen von Lebensmittelhandel und -Industrie zu folgen. Suoerfood ist auch nur so ein Schlagwort um den Konsumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gesund und gut kochen geht auch mit lokalen Produkten. Bald ist Frühling, da spriessen Bärlauch, Holunder oder Löwenzahn am Wegesrand. Superfood Made im Heimatland.

  • mumof4 am 07.02.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    ab und zu

    wir essen auch ab und zu avocados und quinoa. aber nicht wegen dem trend sondern weil wirs gern haben. quinoa zusammen mit einem curry, mmmhmmm, lecker! avocados aufs brot mit etwas kräutersalz, ne echte delikatesse. wenn, dann aber die bio variante

    • superfood am 07.02.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Bio - Marketing

      ist auch nur ein Marketinglabel. Frag mal einen Agrarwissenschaftler...

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  • Veganerin am 07.02.2018 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleischproduktion?!

    Alle schreiben von zu viel Wasser verbrauchen und Monokulturen... Schaut euch mal die Zahlen an, wie viel Wasser drauf geht für die Fleischproduktion und wie viel Regenwald da gerodet wird... Das sind ganz andere Dimensionen! #govegan

    • peter laufmann am 07.02.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Weniger ist mehr

      Ist ja ok, z.T. hast du Recht, doch mit deinen wenigen Worten bewirken leider das Gegenteil. Das Ziel sollte primär sein, weniger Fleisch zu essen, dies wäre doch schon mal gut, doch wer allen die Selbsbetimmung raubt durch Forderungen welcher Art auch immer, wird das Gegenteil von dem erreichen was er eigentlich will. Sei Vorbild, den ändern kannst nur DU dich selber, oder versuch mal deine Eltern, Partner oder Kinder.....eben. Nicht zu vergessen, dass in der CH dazu, NOCH hoffe ich, über 40% der Lebensmittel weggeworfen werden.

    • Chris am 07.02.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      @peter laufmann

      Das hat mit Selbstbestimmung recht wenig zu tun. Es sind ganz einfach nur Gewohnheiten von denen wir uns aus Faulheit nicht verabschieden wollen. Deswegen landen auch so viele Lebensmittel auf dem Abfall. Einmal die Woche Zwei Wägeli füllen und 5 Tage später die Hälfte wegschmeissen weil doch nicht gebraucht. Mich wundert es jedes mal, in was für Jobs man solche Leute überhaupt gebrauchen kann. Denken und planen müssen die wohl nicht viel...

    • Friedlindes Devise am 07.02.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      der Nachhaltigkeit verpflichtet sein

      Das gefällt mir, dass 2 Herren unsere Wegwerf- gesellachaft unter die Lupe nehmen. Wenn ich so etwas schreibe, bekomme ich etliche dislikes. Das tut im Herzen weh, wenn ich denke, was es benötigt, all dies zu produzieren. Es ist eine Respektlosigkeit gegenüber der Natur und den vielen Menschen die unter Hunger leiden und die Not welche vielerorts präsent ist.

    • superfood am 07.02.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      Es gäbe da noch eine einfachere Lösung

      Für eine Weile keine Kinder mehr zeugen. Das wäre wohl das beste für unseren Planeten... :)

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  • Eric Bunt am 07.02.2018 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    CH

    Ich esse nur Quinoa aus der Schweiz. Schrecklich was heutzutage alles importiert wird. Ich kaufe nur Produkte aus der Schweiz!!!

    • max62 am 07.02.2018 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eric Bunt

      Ich auch, kaufe alles von hier aus der Schweiz, Ananas, Bananen, einfach alles.

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