Kampagne «Huhngesund»

23. Juni 2018 21:16; Akt: 24.06.2018 08:49 Print

Swissveg warnt vor tödlichem Poulet-Konsum

Nach der Grill-Kampagne des Bundes warnt nun auch Swissveg vor Geflügel. Wegen Antibiotika-resistenter Keime könne der Konsum tödlich enden. Ein Experte pflichtet bei.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit der Kampagne «Sicher geniessen» rief Anfang Mai bereits das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zu einer verstärkten Hygiene beim Grillieren auf. Jährlich gebe es bis zu 10'000 Fälle von Erkrankungen, die durch Lebensmittel verursacht würden – etwa weil rohes Poulet und bereits Gekochtes nicht getrennt würden.

Umfrage
Essen Sie Poulet-Fleisch?

Noch eindringlicher vor dem Geflügelkonsum warnt nun die Kampagne «Huhngesund» der Vegetarier- und Veganer-Organisation Swissveg. Der Grund: Drei von vier Schweizer Poulet-Erzeugnissen würden Antibiotika-resistente ESBL-Keime enthalten. «Sie stellen ein grosses Risiko für die Gesundheit dar», sagt Swissveg-Präsident Renato Pichler. Bei einer Erkrankung könne die Behandlung aufgrund der Antibiotika-Resistenz massiv erschwert werden. «Selbst kleine Infektionen können so tödlich enden.»

Bakterien von Generation zu Generation weitergegeben

ESBL-Bakterien seien in den letzten Jahren zunehmend auch bei gesunden Nutztieren und insbesondere bei Geflügel nachgewiesen worden. «Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Keime durch den Fleischkonsum und die Fleischzubereitung vom Tier auf den Menschen übertragen werden», erklärt Pichler.

Oft seien die Poulet-Erzeugnisse mit Keimen kontaminiert, obwohl das Tier nie mit Antibiotika in Berührung kam. «Die Hühner übertragen die Bakterien via Brutei auf ihre Küken», sagt Pichler. Einmal in der Mastherde angekommen, verbreiteten sich die resistenten Bakterien unter den Tieren rasch durch das Picken von Kot.

Da die Resistenzen bereits im Ausland entstehen und zu uns importiert würden, könnten die besten Schweizer Tierschutzgesetze nichts gegen sie ausrichten, sagt Pichler. «Man müsste zusätzlich ganz zuoberst in der Geflügelproduktions-Pyramide intervenieren, indem kein Antibiotika mehr zum Einsatz kommt.» Ganz zuoberst stehen die internationalen Zuchtbetriebe, die die Hybridzucht von Masttieren kontrollieren.

Dass sich dort so schnell etwas ändert, bezweifelt Pichler jedoch. Deshalb gibt es für ihn nur eine Lösung: «Poulet ist ein hochgefährliches Lebensmittel und hat in Schweizer Küchen nichts verloren. Es muss vom Markt verbannt werden.»

Durchbraten, Geschirr trennen, Hände waschen

Laut Joachim Frey, emeritierter Professor für Veterinärbakteriologie an der Universität Bern, machen die Antibiotika-resistenten Bakterien nicht direkt krank. «Sie können aber lebensbedrohlich werden, wenn sie zum Beispiel nach einer Operation in die Blutbahn gelangen», erklärt Frey. Solche Blutvergiftungen liessen sich zum Teil nicht mehr mit Antibiotika behandeln.

Der Entwicklung der ESBL-Bakterien sieht Frey besorgt entgegen: «Multiresistente Keime in Geflügelerzeugnissen haben in den vergangenen zehn Jahren um ein Zehnfaches zugenommen.» Der Vorstellung, dass Herr und Frau Schweizer den Kauf von Geflügel boykottierten, kann Frey durchaus etwas abgewinnen: «Dann kämen die Züchter immerhin unter Druck und würden vielleicht endlich auf den Einsatz von Antibiotika verzichten.»

Poulet-Fleisch müsse stets gut durchgebraten oder gekocht sein, damit sämtliche Keime abgetötet werden. Zudem empfiehlt Frey den Konsumenten, separates Geschirr für die Zubereitung von Fleisch und von Kaltspeisen wie Salat zu verwenden. Nach dem Kontakt mit dem Poulet solle man die Hände gut waschen, bevor andere Speisen berührt werden. «Vor allem in Süssspeisen können sich die Bakterien schnell vermehren», erklärt Frey. Er räumt aber ein: «Beim Grillieren im Sommer kann man nicht so hygienisch arbeiten wie in einem Spital.»

(sul)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simi am 23.06.2018 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Achtung

    Das Leben könnte Tödlich sein.

  • Peter M am 23.06.2018 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sage nur

    EHEC. Gemüse kann bei schlechter Küchenhygiene ebenfalls tödlich enden. Oder die neuen Schnecken in Spanien welche Lebensmittel mit Parasiten versuchen.

    einklappen einklappen
  • BeefEater am 23.06.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ideologie

    Uiiii, jetzt haben die Veganer ein neues Totschlägerargument gefunden. Denen geht es doch gar nicht um die Volksgesundheit sondern einzig und allein darum, dass sie uns ihre Ideologie aufdrücken wollen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alter Sack am 25.06.2018 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reine Angstmache

    Alle Lebensmittel sind ungesund und gefährlich.... komisch ... wir werden doch immer älter trotz permanenter Vergiftung

  • W202 am 24.06.2018 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bleibt realistish

    Reine Angst macherlei und Verschwörung von den veganern und vegetarischen. Im Gemüse hat es Pestizide!!! esst nurnoch fleilsch.

  • Manu ela am 24.06.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt mal runter

    Das eine gewisse Vorsicht beim Zubereiten diverser Speisen nötig ist, wissen wir alle. Jedenfalls hab ich das noch von Mama so gelernt. Aber jetzt hier auf Panikmachen ist übertrieben. Das Leben endet nun Mal tödlich

  • Amd62 am 24.06.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unselige Polemik

    Lieber Herr Pichler, Ich respektiere die vegetarische und vegane Lebenseinstellung, und ich versuche nie andere von meiner Lebensphilosophie zu überzeugen. Die vegane Lebensweise kenne ich schon einiges länger als Sie und Bramanen und die Mehrheit der Hindus sind strenger vegan als Sie es leben. Ausserdem wird auf dem Subkontinent mit 1,3 Mia Bewohnern fast aussschliesslich Pouletfleisch und sehr viel seltener Lamm- und Ziegenfleisch konsumiert. Also bitte lassen Sie diese unselige Polemik von ... Hände weg vom Pouletfleisch... etc - das verursacht nur unnötigen Ärger - von allen Seiten.

  • Seppli am 24.06.2018 01:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eier?

    Öhh und was ist mit den Eiern? Sind die nicht genauso verseucht?