Starke Zunahme

20. April 2016 08:54; Akt: 20.04.2016 11:26 Print

Tausende Schweizer mit illegalen Waffen erwischt

von Annette Hirschberg - Wurfsterne, Schmetterlingsmesser oder Elektroschocker: Grenzwächter beschlagnahmen immer mehr Waffen, die in der Schweiz verboten sind.

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Die Zahl der Vergehen gegen das Waffengesetz hat sich seit 2009 praktisch verdoppelt. Registrierte das Bundesamt für Statistik vor sieben Jahren noch 2531 Straftaten, waren es 2015 bereits 4524. Zugenommen haben vor allem die Fälle bei den Zollbehörden: 2011 beschlagnahmten die Grenzwächter bei Kontrollen insgesamt 1308 Waffen. Vergangenes Jahr wurden schon 2243 verbotene Waffen gefunden.

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Laut David Marquis, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, sind dies vor allem Schmetterlingsmesser, Schlagringe, Schlagstöcke, Tränengas-Sprays und Softairguns. Nur ganz wenige Fälle betrafen Schusswaffen – im vergangenen Jahr waren es insgesamt 76 Stück. Ob die vielen Funde verbotener Waffen im Zusammenhang mit vermehrten Kontrollen stehen, will man beim Zoll «aus einsatztaktischen Gründen» nicht sagen.

Junge werden besonders oft erwischt

Eine Vermutung stellt Marquis aber an: «Die Unkenntnis der Bestimmungen könnte die Hauptursache für die Zunahme sein.» Die Personen würden die Waffen bewusst oder unbewusst beim Grenzübertritt mitführen. Gerade Schmetterlingsmesser würden oft im Ausland erworben. Die Käufer seien sich aber nicht bewusst, dass einhändig bedienbare Messer mit automatischem Mechanismus in der Schweiz verboten seien. Ähnlich verhalte es sich bei den Tränengas-Sprays, die man in der Schweiz nur mit einer Erlaubnis zum Waffentragen auf sich führen dürfe, während Pfeffersprays erlaubt seien.

Interessant ist, dass vor allem Männern zwischen 15 und 30 Jahren mit verbotenen Waffen erwischt werden. Verfahren gegen sie machen rund die Hälfte aller Fälle aus. Das ist offenbar die Klientel, die gern Schmetterlingsmesser, Wurfsterne oder Schlagringe besitzt. Kriminologe Martin Killias geht davon aus, dass es sich bei den Beschuldigten um eine Teilgruppe der Bevölkerung handelt, die Gewalt verherrlicht und eine Affinität zu Waffen hat. «Sie fliegen durch die verstärkten Kontrollen nun auf.»

Immer mehr Frauen mit verbotenen Waffen

Stark zugenommen haben auch Verfahren gegen Frauen. Sie machen zwar weniger als 10 Prozent der Beschuldigten aus, die Strafverfahren gegen sie haben sich seit 2009 aber mehr als verdreifacht. Schuld daran könnten Tränengas-Sprays und Elektroschocker sein. Solche verbotenen Waffen stellte der Zoll vermehrt sicher.

«Grundsätzlich ist es die Pflicht des Bürgers, sich darüber zu informieren, ob eine Waffe erlaubt oder verboten ist», sagt Alexander Rechsteiner, Sprecher des Bundesamts für Polizei (Fedpol). Das Fedpol informiere im Internet und gebe eine Broschüre heraus, die man auch bestellen könne. «Darin sind alle Fragen des Waffengesetzes erläutert.» Auskunft gäben zudem die Zentralstelle Waffen des Bundes oder die Waffenbüros der Kantone.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oli Dee am 20.04.2016 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitung

    Ein Zeichen: Diese Menschen bereiten sich auf das kommende Chaos vor.

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  • Michi am 20.04.2016 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wunderts

    Da der Staat immer weniger in der Lage ist, seine Bürger zu schützen, schützen die sich halt selbst. Ehrlich gesagt habe ich es mir auch schon überlegt, eine Waffe für die Selbstverteidigung zuzulegen!

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  • The Spectator am 20.04.2016 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War klar

    Gibt auch immer mehr Verbote und Bevormundung...wundert mich nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PWAx am 20.04.2016 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handwaffen legalisieren auf Profissionele art...

    Legalisiert endlich kleine Waffen wie Pistolen... Klar sollte nicht jeder einfach in ein Laden laufen und sich eine Glock kaufen aber man soll tests einführen wie Psyche Tests, Vergangenheit der Person etc. etc.... Wir müssen uns schützen können...

  • René B. am 20.04.2016 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Entwicklung?

    Laut einer Statistik hat ja die Kriminalität stark abgenommen, dies ist wohl auf den vermehrten Waffenbesitz der Bevölkerung zurückzuführen. ;-)

  • Melina am 20.04.2016 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Träger ist das Problem

    Das einzige gefährliche an einer Waffe ist der Träger selbst... ich hab auch ein paar verbotene Messe und Dolche da ich Messer und Dolche auch sammle aber alles in einer abgeschlossenen Vitrine aufbewahrt!

    • Realist am 20.04.2016 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Melina

      Sehr richtig! Dasselbe gilt für Schusswaffen. Ich besitze einige davon, vom 22-er bis zum 44-er Magnum. Alle sind jedoch in einem Safe aufbewahrt. Zudem sollte man eine richtige Ausbildung besitzen (z. B. Schützenmeister in meinem Fall). Unkenntnis und falsche Manipulation mit der Waffen ist die größte Gefahr.

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  • Mark am 20.04.2016 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schlagring-Handyhülle fehlt

    ...da war doch noch diese Plastik-Handyhülle mit den Finger-Grifflöchern, die aussah, wie ein Schlagring, deren unbedarfte Besitzerin man vor Gericht geschleppt hat. Also, Vorsicht auch bei Handyhüllen! Manche sind Waffen, manche keine - wie bei den Messern und Schwertern.

  • Der Aufklärer am 20.04.2016 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn erstaunts

    Kein Wunder bei den vielen neuen Gesetzen die jedes Jahr von der Bürokratie neu generiert werden. Da hat keiner mehr den Überblick was noch erlaubt ist, oder auch nicht mehr. So gibt's wenigstens genügend Bussgelder in die Staatskasse.