Konsumentenschutz

18. April 2014 15:44; Akt: 18.04.2014 16:34 Print

Telekom-Anbieter sollen Werbeanrufe unterbinden

Der Bundesrat will die Qualität von Internet und Telefonie verbessern. Kundenschützern reicht das nicht – Swisscom und Co. sollen Kunden auch vor Werbeanrufen schützen.

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Dem Schutz vor unerwünschten Werbeanrufen tragen die Verordnungsänderungen in den Augen der Konsumentenschützer zu wenig Rechnung. (Bild: Keystone/AP/j pat Carter)

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Vorschläge des Bundesrates, um den Konsumentenschutz im Internet und beim Telefonieren zu verbessern, stossen bei Konsumentenorganisationen auf Anklang. Mehrheitlich ablehnend äussern sich in der Anhörung die Telekom-Anbieter Swisscom, Sunrise und Orange.

Damit Konsumentinnen und Konsumenten wissen, was sie für wie viel Geld bekommen, müssen Preise für im Internet bestellte Leistungen dort angezeigt werden, wo geklickt werden muss, um das Angebot anzunehmen. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) begrüsst diesen Vorschlag.

Klare Preisangabe für Anrufe bei Mehrwertdiensten

Weiter sollen Telekom-Anbieter für Anrufe bei Mehrwertdiensten über die angegebenen Preise hinaus keine Zusatzkosten mehr verrechnen dürfen. Ziel ist, dass Anrufe auf 0800er-Nummern tatsächlich kostenlos sind, ob nun von einem Handy oder vom Festnetz aus angerufen wird. Ebenso sollen Kunden den Preis des Anrufs auf Mehrwert-Nummern wie 090x, 084x oder 0878 vorab kennen.

Für Sunrise greift die vorgeschlagene Regelung für die Mehrwertdienste zu weit. Das Unternehmen gibt auch zu bedenken, dass ein erheblicher Teil der Kunden, die Mehrwertdienste konsumieren, nicht davon ausgehen würden, dass der Netzbetreiber den Dienst gratis erbringe. Häufig würden Mehrwertdienste von Dritten betrieben.

Für Orange würde eine solche Regelung einen staatlichen Eingriff in die Wirtschafts- und Eigentumsfreiheit darstellen, für den die genügende gesetzliche Grundlage fehle. Der Vorteil für die Kundschaft sei nur vordergründig, denn die wegfallenden Entgelte gehörten zum Geschäftsmodell der Fernmeldedienst-Anbieter.

Preisansagepflicht nicht verschärfen

Swisscom wendet gegen die Ausdehnung der mündlichen Preisansagepflicht ein, dass dies oft nicht konsumentenfreundlich sei. Sie verweist auf Anrufe bei Auskunftsdiensten, bei denen eine Preisansage eine schnelle Vermittlung unnötig verzögern würde.

Orange möchte es bei der geltenden Regelung bewenden lassen, wonach Preisansagen bei Mehrwertdiensten obligatorisch sind, die mehr als zwei Franken in der Minute kosten. Auch Sunrise findet, die geltenden Regeln genügten und verweist auf freiwillig getroffene, eigene Massnahmen zum Schutz der Kunden.

Die SKS und auch die Westschweizer Konsumentenorganisation FRC dagegen begrüssen die Vorschläge. Zu versteckten Gebühren für Anrufe auf Mehrwertdienst-Nummern gebe es eine grosse Anzahl Beschwerden, schreibt die SKS. Sie begrüsst auch die strengere Preisansagepflicht.

Zu wenig Schutz vor Werbeanrufen

Dem Schutz vor unerwünschten Werbeanrufen tragen die Verordnungsänderungen in den Augen der Konsumentenschützer zu wenig Rechnung. Da Call Center zunehmend ins Ausland verlegt würden und VoiP (Voice over IP) eingesetzt werde, könnten Private und auch KMU-Betriebe ungewünschte Anrufe zunehmen schlecht abwehren.

Selbst der Sternchen-Eintrag im Telefonbuch bewirke nichts gegen diese Anrufe. Auch die Swisscom findet, dass Telekom-Anbieter solche Anrufe im Interesse der Kundschaft unterdrücken können sollten.

Schliesslich soll die Swisscom die Internet-Geschwindigkeit verdoppeln müssen. Sie ist einverstanden mit der Forderung, die Donwload-Rate von 1000 kbit/s und die Upload-Rate von 100 kbit/s auf 2000/200 kbit/s zu erhöhen. Verrechnen darf die Swisscom dafür wie bisher höchstens 55 Franken pro Monat plus Mehrwertsteuer.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hmm am 18.04.2014 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sunrise Abo

    Hatte mal bei Sunrise ein ABO abgeschlossen, habe die Nummer niemanden gegeben und plötzlich bekomm ich so Werbeanrufe... Kann sein das die Anbieter mit denen zusammenarbeiten ?!

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  • Alain am 18.04.2014 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Die Telekom Unternehmen ruinieren sich

    ihren Ruf. Die haben kein Interesse das zu unterbinden, denn offensichtlich verdienen sie zu viel Geld damit. Sobald andere und günstigere Techniken zur Verfügung stehen, werden sie hoffentlich die Quittung erhalten...

  • Felix Senn am 18.04.2014 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lahme Richter

    Ich bin bei meiner Fritzbox fleissig am Nummern in die Sperrliste kopieren und die trotz Stern im Telefonbuch... Leider sind die Hürden für eine Verzeigung immer noch zu gross und das Handeln der Richter immer noch viel zu träge und zu milde und darum werden sich die Callcenter auch weiterhin in's Fäustchen lachen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Hürlimann am 20.04.2014 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Das wird aber auch allerhöchste Zeit

  • Schweizerin am 19.04.2014 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Volk abzocken wo es geht. Wenn Telekom Unternehmen nichts dagegen unternehmen verdienen die sicher auch was davon. Nur wir, wie so oft sind dann die dummen. Und Zuhause, diese andauernden Anrufe auch am Samstag morgen gehen so auf den wecker. Wenn ich die nummer nicht kenn lass ich den Anrufbeantworter laufen - auf Arabisch auch wenn ich dies nicht selber verstehe.

  • Pizzajola am 19.04.2014 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Studentenjob

    Ich mach kurzen Prozess bei Werbeanrufen. Ich hänge auf. Punkt. Dennoch - es ist recht ekelhaft und unhöflich, wenn Nachts um 20:30 oder Mittags um 12:30 solche Anrufe kommen. Doch was soll's - diese Jobs werden oft von Studenten gemacht, die sich für's Studium etwas dazu verdienen wollen.

  • Alpha07 am 19.04.2014 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach ...

    ... mit einem All IP Anschluss von der Swisscom: Im Kundencenter z.B. einfach den ganzen Rufnummernblock direkt aus der Anrufliste in die Sperrliste aufnehmen. Zumindest wird dann kein weiterer Anruf aus dem gleichen Callcenter mehr signalisiert. Ähnlich wie bei der Fritzbox. Genial.

  • Meise Kohl am 19.04.2014 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Marktwirtschaft

    Deutlicher als Orange kann man es nicht mehr sagen: Es gehört zum Geschäftsmodell der Anbieter, dass Kunden durch nicht eindeutige Angaben von sog. "Mehrwertdiensten" hereingelegt werden.