Vierfachmord von Rupperswil

10. März 2018 12:38; Akt: 10.03.2018 13:58 Print

Thomas N. sitzt nicht in Einzelhaft

Der Killer von Rupperswil wird im Gruppenvollzug inhaftiert. Dies ist für pädosexuelle Straftäter unüblich.

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Im Gruppenvollzug kann sich Thomas N. normal mit anderen Häftligen in einer Gruppe bewegen. Auch isst und arbeitet er mit ihnen. Die 5000-Seelen-Gemeinde Rupperswil wurde am 21. Dezember 2015 durch den Vierfachmord erschüttert. Heute erinnert fast nichts mehr daran, dass hier eines der grausamsten und unverständlichsten Verbrechen der Schweiz stattgefunden hat. Nur noch eine blaue Kerze in einem Topf vor einem der Fenster, das mit blauen Rollladen verdunkelt ist, erinnert vor dem Haus der Opfer an die Tat. Dass wenig an die Tragödie erinnert, heisst nicht, dass die Rupperswiler sie verdrängen oder vergessen wollen. Es ist ein Versuch, in die Normalität zurückzukehren und damit zu leben, dass jemand aus der eigenen Mitte die Leben von Carla S., Davin, Dion und seiner Freundin Simona F. auf grausame Art beendet hat. Besonders im Quartier, wo sich das Drama zugetragen hat, wird spürbar, dass die Tat immer noch in den Köpfen der Menschen ist, aber die Anwohner versuchen, das Thema nicht mehr so nah an sich heranzulassen. Anwohner haben Schilder angebracht, auf denen «Privatweg» steht, damit der Zugang zu ihren Haustüren etwa für neugierige Journalisten erschwert ist. Ein solches Schild steht auch vor dem ehemaligen Haus des Täters (hier im Bild), dem 33-jährigen Rupperswiler Thomas N., das nur wenige hundert Meter vom Tatort liegt. Auch die Orte, die mit dem Verbrechen in Verbindung stehen, lassen sich nicht einfach entfernen und erinnern an die brutale Tat. Man müsse lernen, mit dem umzugehen, sagt die Rupperswilerin V.R*. Sie wird besonders an das Verbrechen erinnert, wenn sie im Dorfzentrum an der Hypothekarbank vorbeigeht. R. begegnete dort Carla S. am Tag der Tat und schaute ihr in die Augen. «Ich wusste nicht, dass sie in Gefahr ist. Als ich im Nachhinein erfuhr, was passiert war, war ich schockiert. Es tut mir unendlich leid für sie.» Thomas N. tötete am 21. Dezember 2015 in Rupperswil AG vier Personen. Am 7. September 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gegen N. Anklage – wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Freiheitsberaubung, mehrfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, Brandstiftung und weiterer Delikte. Am 13. März 2018 muss sich N. vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten. Hinter diesen Mauern sitzt Thomas N. seit Februar 2017: Die JVA Pöschwies in Regensdorf ZH. Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn. Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region. Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger. Der Täter ist gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim AG über den Vierfachmord von Rupperswil (13. Mai 2016). Hauptmann Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei, und Barbara Loppacher (13. Mai 2016). Vertreter der Polizei und der Staatsanwaltschaft an der Medienkonferenz. In einem Rucksack, den die Polizei bei der Hausdurchsuchung fand, waren eine Pistole, Fesseln und Klebeband (13. Mai 2016). Die Spannung war gross vor der Medienkonferenz zu einem der grausamsten Verbrechen in den letzten Jahren: Mikrofone stehen bereit in Schafisheim (13. Mai 2016). Der Vierfachmord von Rupperswil gehört zu den grössten Fällen der Schweizer Kriminalgeschichte: Polizisten am Tatort (21. Dezember 2015). Die Tat: Am 21. Dezember 2015 werden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre zwei jugendlichen Söhne und die Freundin des älteren Sohnes brutal ermordet. Ein Brand soll die Spuren der Tat verwischen. Ein Kriminaltechniker am Tatort. Spurensuche: Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt. Hier sind sie im Gespräch mit Anwohnern. (24. Dezember 2015) Zeugen gesucht: Die Polizei veröffentlichte ein Bild des 48-jährigen Opfers Carla S., das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. (24. Dezember 2015) In der Kirche in Rupperswil wurde der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vierfachmordes abgehalten. (8. Januar 2016) Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1-Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei. Ernüchterung: Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken. Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016) Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitet den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016) Die Tat schockiert die Gemeinde Rupperswil: Bewohner gedenken der Opfer mit Kerzen. (24. Dezember 2015)

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Thomas N.* (34) schockierte die Schweiz. Am 21. Dezember 2015 ermordete er in Rupperswil AG Carla S.* (48), deren zwei Söhne Davin und (13) Dion (19) sowie Dions Freundin Simona F. (21). Den jüngsten Sohn hatte er zuvor sexuell missbraucht. Zurzeit wartet N. in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH auf den Prozess, der am 13. März am Bezirksgericht Lenzburg startet.

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Laut «Blick»-Recherchen sitzt N. in der Pöschwies jedoch nicht wie erwartet in Einzelhaft, sondern im Gruppenvollzug. Dies, obwohl eine Einzelhaft bei pädosexuellen Straftätern häufig angeordnet wird – aus Angst, sie könnten von Mithäftlingen attackiert werden.

Gegenseitige Besuche sind möglich

Im Gruppenvollzug kann sich N. normal mit anderen Häftligen in einer Gruppe bewegen. Auch isst und arbeitet er mit ihnen. Gegenseitig können sich die Männer in ihren Zellen besuchen. Von 20 Uhr bis morgens ums sechs Uhr werden die Insassen eingesperrt.

Thomas N. verhält sich in der Pöschwies unauffällig. Zu körperlichen Angriffen auf den «prominenten» Häftling sei es noch nicht gekommen, berichtet die Zeitung. Das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich wollte sich nicht zum aktuellen Fall äussern. Durch seinen unauffälligen Lebensstil blieb Thomas N.’s Tat lange unentdeckt. Diese Anpassungsfähigkeit könnte ihm im Gefängnis helfen.

Strenge Hausordnung

Im Gefängnis muss sich N. einer strengen Hausordnung fügen. Die Zellenordnung hält fest, dass jeder Gefangene seine Zelle sauber zu halten hat und für die Einhaltung der Ordnung in der Zelle sowie den sachgerechten Gebrauch des Inventars verantwortlich ist. «Darstellungen oder Gegenstände, die Sitte oder Anstand verletzen, werden entfernt.»

Unter Insassen ist es verboten, Gegenstände zu kaufen, zu tauschen, auszuleihen oder zu schenken. Auch verboten ist die Gewährung von Darlehen. Im Falle eines Verstosses gegen die Hausordnung, drohen strenge Sanktionen. Der Insasse wird etwa von Veranstaltungen, Freizeitkursen und Sport bis zu sechs Monaten ausgeschlossen. Auch möglich ist der Entzug elektronischer Medien wie TV und Video.

Sollte Thomas N. auch noch im Rentneralter hinter Gittern sitzen, wird er weiterhin etwa Tüten kleben müssen. Denn Häftlinge haben kein Recht auf Pensionierung.


*Namen der Redaktion bekannt.

(bz)