Rumänische Hunde

09. September 2013 21:00; Akt: 09.09.2013 23:32 Print

Tierschützer wollen Massaker verhindern

Weil ein Vierjähriger in Rumänien von streundenden Hunden totgebissen wurde, fordert Rumäniens Präsident die Tötung von Strassenhunden. Schweizer Tierschützer kämpfen dagegen.

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Am 2. September 2013 wurde der vierjährige Ionut Anghel in der rumänischen Hauptstadt Bukarest von Hunden zu Tode gebissen. Er hatte den Spielplatz in einem Park verlassen und hatte ein benachbartes, leerstehendes Gelände betreten. Dort hatten ihn Wachhunde attackiert. Zuvor hatte es geheissen, streunende Hunde hätten den Jungen zu Tode gebissen. Darauf forderte Rumäniens Präsident Trajan Baescu das Parlament auf, ein Gesetz zur Tötung von Strassenhunden zu verabschieden Das neue Gesetz soll ein schnelleres Töten von eingefangenen Strassenhunden ermöglichen. Dagegen wehrten sich Tierschützer. Ende September 2013 stufte das Verfassungsgericht das neue Gesetz als rechtens ein. Dieses wurde vom Verfassungsgericht als rechtens eingestuft. Für Tierschützer ein Verbrechen. Zuvor durften herrenlosen Hunde nur dann eingeschläfert werden, wenn sie nachweislich unheilbar krank oder aggressiv sind. Solche streundenden Strassenhunde waren für den Tod des vierjährigen Ionut verantwortlich gemacht worden. Allein in der rumänischen Hauptstadt Bukarest sollen etwa 65'000 herrenlose Hunde leben. Jährlich werden Tausende Menschen in ganz Rumänien von Streunern gebissen. Gemäss dem neuen Gesetz sollen streundende nach 14 Tagen in einem Tierheim eingeschläfert werden können. Eine Verpflichtung zum Töten besteht nicht - die Kommunen dürfen die Hunde weiter versorgen, falls deren Tierheime Kapazitäten haben. Anders als etwa in der Schweiz kastrieren rumänische Hundehalter ihre Vierbeiner in der Regel nicht. Um deren Nachwuchs kümmern sie sich oft nicht, häufig setzen sie ihn irgendwo aus. Um die Strassenhunde kümmert sich auch die Schweizer Tierschutzorganisation Netap - in Zusammenarbeit mit lokalen Tierschützern. Statt Tötungen sei eine Kastrationspflicht die Lösung für das Problem mit den streundenden Hunden, findet man bei Netap und hofft, dass das rumänische Parlament es ebenso sieht. Die Zustände in den rumänischen Tierheimen sind laut Tierschützern teilweise schockierend. Seit dem Tod des Kindes soll es vermehrt zu tödlichen Angriffen auf Strassenhunde kommen, berichten Tierschützer.

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Die Tragödie erschüttert Rumänien: Der vierjährige Ionut wurde am 2. September von streundenden Hunden totgebissen, als er in einem Park in Bukarest spielte. Sein sechsjähriger Bruder kam mit einem Biss ins Bein davon. Als Reaktion auf den traurigen Vorfall forderte Rumäniens Präsident Traian Basescu das Parlament auf, möglichst rasch ein Gesetz zur Einschläferung streuender Hunde zu verabschieden. «Menschen sind wichtiger als Tiere», so Basescu. Am Montag hat das Parlament mit der Beratung begonnen. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden gemäss Angaben der Behörden in der rumänischen Hauptstadt 1100 Menschen von Hunden gebissen.

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Tierschützer lancierten Petition an Rumäniens Behörden

Dass bald Zehntausende Strassenhunde in Rumänien sterben könnten, hat jedoch bei Tierschützern weltweit Empörung ausgelöst. Auch zahlreiche Schweizer Organisationen kämpfen gegen das drohende «Hunde-Massaker» – sie haben auf ihren Homepages Musterbriefe aufgeschaltet, die an die rumänischen Behörden geschickt werden sollen. Die Zürcher Tierschützerin Esther Geisser arbeitet mit ihrer Organisation Network for Animal Protection (Netap) unter anderem mit der rumänischen Tierschutzorganisation Free Amely zusammen. «Wir finanzieren dort die Kastrationen von Hunden, denn diese sind die Lösung», sagt sie. Dieses Engagement vor Ort werde man nun verstärken. Dass Rumänien ein Problem mit streunenden Hunden habe, liege vor allem daran, dass Private ihre Vierbeiner nicht kastrieren und den Nachwuchs häufig aussetzen würden.

Seit dem Tod des Buben herrsche in Rumänien eine «hundefeindliche Hysterie», so Geisser. «Das ist vergleichbar mit der Stimmung, die in der Schweiz herrschte, nachdem der sechsjährige Süleyman von Pitbulls totgebissen wurde.» Sie habe Berichte erhalten, dass Hunde seit dem tödlichen Vorfall in Rumänien gezielt vergiftet oder überfahren würden. Gelder, die der rumänische Staat zur Kastration und tiergerechten Unterbringung von Hunden budgetiert habe, würden häufig in den Taschen von Politikern und Behörden verschwinden. Die Zustände in rumänischen Tierheimen, die meist der örtlichen Müllabfuhr unterstellt sind, seien teilweise schockierend.

Tierschützerin per Mail übel beschimpft

Die Lösung des Problems der streunenden Hunde ist für Geisser die Einführung einer Kastrationspflicht für Hunde. «Ich hoffe, dass das rumänische Parlament sich dafür entscheidet und nicht für die Massentötung.» Massenkastrationen schlägt auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten vor.

Mit ihrem Engagement hat sich Geisser in Rumänien nicht nur Freude gemacht: «Ich habe E-Mails erhalten, in denen ich übel beschimpft wurde und in denen es hiess, ich solle mich nicht in rumänische Angelegenheiten einmischen», bestätigt sie einen Bericht von Tele Züri. Für Rumäniens Hunde setzt sich auch die Stiftung für Tierschutz von Susy Utzinger ein: «Tausende von Hunden wurden bereits durch unsere Stiftung kastriert, unzählige Gespräche und Verhandlungen mit rumänischen Behörden und Politikern geführt - und wir werden diese Projekte auch weiterhin mit voller Kraft verfolgen», sagt Utzinger, die ebenfalls dazu aufruft, bei den rumänischen Behörden schriftlich zu protestieren.

Nur kranke und aggressive Hunde dürfen derzeit getötet werden

Gemäss dem aktuellen Gesetz dürfen Hunde in Rumänien nur eingeschläfert werden, wenn sie krank oder aggressiv sind. Ein Gesetz, das die Einschläferung von Strassenhunden generell erlaubt hätte, hat das rumänische Verfassungsgericht 2012 gekippt. Die Tierschützer berufen sich mit ihrer Forderung, Massenkastrationen durchzuführen, auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Diese schlägt Kastrationen zwar vor – hält aber fest, dass es zudem geboten sei, die Bewegungsfreiheit dieser Tiere einzuschränken.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton German am 09.09.2013 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Tierliebe ohne Sinn und Verstand

    Ich gratuliere rrumänisens Regierung zu dieser klugen Entscheidung! Fehlgeleitete Tierliebe rettet kein Tier sondern verlängert und verstärkt das Leid von Mensch und Tier.

    einklappen einklappen
  • Malena am 09.09.2013 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    streunende Hunde - ein unhaltbarer Zustand!

    Den Tierschützern sind diese Strassenköter wichtiger als kleine Kinder...! Echt tragisch! Setzt eure Gelder und Energien doch für wichtige Dinge ein! Übertrieben, dieser Hunde- und Katzenfanatismus

  • Michelle am 09.09.2013 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja klar

    Ein kind stirbt (wahrscheinlich hat die mutter nicht auf das kind aufgepasst) und nun müssen soviele tiere dran glauben. Den menschen ist ja wirklich nicht mehr zu helfen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman Bachmair am 10.09.2013 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Welches ist die beste Lösung?

    Die einen in der Schweiz reisen in die Nachbarländer, um sich einen Hund zu beschaffen, in Bukarest wären sie zum abholen bereit. Auch wenn der Tod des kleinen Jungen nach Sühne schreit, sind die Hunde gewiss nicht allein schuld daran. Wenn ich da so in die treuen Hundeaugen sehe, ich könnte keinen umbringen. Auf jeden Fall muss die Regierung sicher etwas unternehmen, dass sind ja so keine Zustände, weder für die Menschen noch für die Hunde. Sind wir einmal gespannt, was da passieren wird.

  • J. Meyer am 10.09.2013 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    @Sandra Teil II

    In der Tat, die Art u Weise wie man sich dieser Hunde entledigen will, gleicht einem billigen Horrorfilm u ist absolut nicht zu tolerieren. In dieser Hinsicht stimme ich dir u anderen Usern zu. Das geht so nicht u sollte geächtet werden. Aber in so einem korrupten Land wundert mich vieles nicht mehr, doch unsere Ohnmacht u Abscheu kommentieren wir nur in solchen Foren, was den armen Tieren auch nicht weiter hilft. Und der Politik ist sowas ja eh egal, da gibt es vielleicht eine sanfte Rüge an den rumän. Botschafter u fertig ist es.

  • J. Meyer am 10.09.2013 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    @Sandra

    Liebe Sandra, manchmal gibt es Notwendigkeiten, die so bitter sind wie nur was. Doch bedenke auch, das in solchen Ländern der Tierschutz u auch die Tierliebe nicht so ausgeprägt ist wie hierzulande. Diese Leute haben es ja erst zugelassen, das soviele Strassenhunde die Szenen bevölkerten. Auch ich hätte lieber eine andere Alternative bevorzugt, doch kein Tierheim, auch nicht alle zusammen, hätten diese Anzahl bewältigen können. Solange auch Alternativen kosten, redet man viel, doch aktive Hilfe mag keiner. Wiviele Hunde hättest du u deine Freunde retten wollen? Und der Rest?

  • René Klemensberger am 10.09.2013 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Rehkids werden in der Schweiz erschossen

    Dass in der Schweiz 18 Rehkids wegen falschen Halsbändern elendiglich Ersicken müssen kann nur in ausländischen Medien gelesen werden. Nach Bild.de müssen 18 Rehkids geschossen weil die Sesselfurtzer Halsbänder mit Sendern angebracht haben, die sich nicht Dehnen lassen. Da sollte protestiert werden.

  • sandra am 10.09.2013 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach schrecklich ! sind alle verrückt

    also der Entsscheid ist gefallen, gratuliere den 40% die JA gestimmt haben, ohne überhaupt im Bilde zu sein, was dies auslösen konnte. Hunde werden aus Tierheimen geholt und lebendig an Raubtiere in Zoos verfüttert - es ist einfach nur BESTIALISCH, was in diesem Land gerade abgeht!!! !!!!!!!