Transmenschen in Haft

16. April 2018 21:57; Akt: 16.04.2018 21:57 Print

«Das Personal nahm ihnen die Schminke weg»

von B. Zanni - Manche Transmenschen in Haft dürfen laut einem Rechtsberater ihr Geschlecht nicht leben und werden attackiert. Das ruft die Politik auf den Plan.

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Viele Transmenschen lebten in ständiger Angst, sagt Alecs Recher, Leiter der Rechtsberatung vom Transgender Network Switzerland. «Manche werden von anderen Häftlingen verspottet oder sogar tätlich angegriffen.» Alecs Recher, Leiter der Rechtsberatung von Transgender Network Switzerland, fordert in den Haftanstalten klare Richtlinien für den Umgang mit Transmenschen und eine Betrachtung jedes Einzelfalles. Auch sollten Transmenschen in Einzelzellen statt in Mehrfachzellen untergebracht werden können. Grünen-Nationalrätin Lisa Mazzone fordert nun die Politik zum Handeln auf. In ihrem Vorstoss beurteilt sie Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intersexuelle und Queers als besonders verletzlich. Insbesondere Transmenschen seien Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt. Laut Mazzone ist das gesetzeswidrig. Schliesslich schreibt das Strafgesetz vor, die Menschenwürde des Gefangenen oder des Eingewiesenen zu achten. Weiter ist den geschlechtsspezifischen Anliegen und Bedürfnissen der Gefangenen Rechnung zu tragen. In einem Vorstoss beauftragt Mazzone deshalb den Bundesrat mit einem Bericht über die Situation von in der Schweiz Inhaftierten LGBTIQ-Personen. Die Zahl der Transsexuellen ist in den Schweizer Gefängnissen verschwindend klein», sagt Claudio Zanetti, SVP-Nationalrat und Mitglied der Kommission für Rechtsfragen. Deswegen Anpassungen vorzunehmen, sei übertrieben. «Zudem haben wir in unseren Gefängnissen bereits hervorragende Fachleute, die bei Konflikten pragmatische Lösungen finden.»

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Für Transgender kann der Gefängnisalltag zur Hölle werden. «Uns sind mehrere Fälle rechtswidriger Behandlungen gegenüber Transmenschen bekannt», sagt Alecs Recher, Leiter der Rechtsberatung vom Transgender Network Switzerland. Das Gefängnispersonal habe dabei vor allem deren Geschlechtsidentität nicht anerkannt.

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Sollten Haftanstalten für Transmenschen bessere Bedingungen schaffen?

Laut Recher wurden die Häftlinge meist nach dem amtlichen Geschlecht und ohne Rücksicht auf das gelebte inhaftiert und angesprochen. «Zum Teil nahm das Personal Transfrauen auch Kleider und Schminke weg und zwang sie in Männerkleidung.» In einigen Fällen hätten die Verantwortlichen den Zugang zu Medikamenten oder medizinischen Eingriffen für die Geschlechtsangleichung explizit verweigert.

Spott und Attacken

Viele Transmenschen leben laut Recher in ständiger Angst. «Manche werden von anderen Häftlingen verspottet oder sogar tätlich angegriffen.» Das hat Folgen: «Wir begleiteten schon Menschen, die schwer traumatisiert aus der Haft entlassen wurden.» Peter Zimmermann, Präsident von Reform 91, der Selbsthilfeorganisation für Strafgefangene, bestätigt: «Der schweizerische Strafvollzug befindet sich zum Teil immer noch im Mittelalter.» Selbst für Homosexuelle hätten sich die Bedingungen nicht verbessert. «Kein Gefangener will zugeben, dass er schwul ist – zu gross ist die Angst vor einer Attacke.»

Grünen-Nationalrätin Lisa Mazzone fordert die Politik zum Handeln auf. «Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intersexuelle und Queers» beurteilt sie als besonders verletzlich. Die Behörden beachteten nicht oder vernachlässigten deren spezielles Schutzbedürfnis. Insbesondere Transmenschen seien Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt.

Verstoss gegen das Gesetz

Laut Mazzone ist das gesetzeswidrig. Schliesslich schreibt das Strafgesetz vor, die Menschenwürde des Gefangenen oder des Eingewiesenen zu achten. Weiter ist den geschlechtsspezifischen Anliegen und Bedürfnissen der Gefangenen Rechnung zu tragen. In einem Vorstoss beauftragt Mazzone deshalb den Bundesrat mit einem Bericht über die Situation von in der Schweiz inhaftierten LGBTIQ-Personen. Gegenüber 20 Minuten fordert sie zudem: «Damit die Grundrechte der LGBTIQ respektiert werden, braucht das Personal eine spezielle Schulung.»

Alecs Recher erwartet klare Richtlinien für den Umgang mit Transmenschen und individuelle Betrachtungen. Auch sollten sie in Einzelzellen anstatt Mehrfachzellen untergebracht werden können. «Und es braucht abschliessbare Toiletten und Duschen. Fehlt das, sind Transmenschen am eigenen Leib gefährdet.»

«Damit würde man Sonderrechte schaffen»

Laut Alain Broccard, Präsident des Haftanstaltenvereins Freiheitsentzug Schweiz (FES), ist das Gefängnispersonal sehr selten mit Transmenschen konfrontiert. «Ist dies aber der Fall, legt es Wert auf bestmögliche Bedingungen.» Eine komplette Isolation von den anderen Inhaftierten sei zu vermeiden. «Ansonsten werden sie noch mehr stigmatisiert.» Das Schweizerische Kompetenzzentrum für den Justizvollzug schult laut Broccard zudem in der Basisausbildung den Umgang mit Transmenschen.

Auch SVP-Nationalrat Claudio Zanetti sieht kein akutes Problem: Angesichts der verschwindend kleinen Zahl inhaftierter Transmenschen seien Anpassungen übertrieben. «Zudem haben wir in unseren Gefängnissen hervorragende Fachleute, die bei Konflikten pragmatische Lösungen finden», so Zanetti. Abgeschlossene Bereiche seien jedoch problematisch. «Damit würde man für Transsexuelle Sonderrechte schaffen und etwa den Drogenhandel erleichtern.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • _123 am 16.04.2018 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Was erwartet man in einem Gefängis?

    Und als nächstes kommen noch Trans-Ager, Trans-Racists, Trans-??? ...und für alle eine Extrawurst. Mir gefällt auch nicht alles im Leben; werde ich deshalb mit Samtpfoten behandelt? und so ganz nebenbei ist ein Gefängnis keine Wohlfühloase, auch wenn das gerne ein paar Linke so hätten.

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  • Nicht Vergessen am 16.04.2018 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Straftäter

    Egal was für eine Ausrichtung jemand hat, in der Regel gibt es einen guten Grund warum man im Gefängnis sitzt. Und den kann man ganz einfach vermeiden. Problem gelöst.

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  • wianve am 17.04.2018 01:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss ja niemand kriminell werden

    Noch besser, man kommt erst gar nicht ins Gefängnis. Verübt keine Straftaten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 17.04.2018 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptanz

    Durch die (noch) weitgehend fehlende gesellschaftliche Akzeptanz werden Transmenschen oftmals in Halbweltjobs abgedrängt, wo sie wesentlich mehr gefährdet sind, mit Drogen oder anderen kriminellen Machenschaften in Berührung zu kommen. Dass sie dann im Gefängnis mehr leiden sollen als andere Häftlinge ist ganz einfach unethisch.

  • Feline X am 17.04.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz

    Ich verstehe, dass dies ein Problem ist. Man muss Mensch in Haft schützen und ihre Sicherheit gewährleisten.

  • John Hunki am 17.04.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Was nun das wieder

    Würden diese Personen sich nichts zu Schulden lassen, dann müssten sie auch nicht in den Knast und ihr Problem ist gelöst. Nun der Knast ist nun mal kein Ponyhof und soll auch so bleiben. Verbrecher werden in der Schweiz im Knast eh schon genug verwöhnt.

  • Verena am 17.04.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ernsthaft?

    Oh nein... wird einem verurteilten Verbrecher die Schminke weggenommen, das ist ja dann doch Strafe zuviel... Wo kämen wir denn hin, wenn ein Gefängnisaufenthalt so wäre, dass man danach schauen würde, dass man da nie wieder hin will...

    • Clair am 17.04.2018 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Verena

      Genau, dies sind unsere Steuergelder, zuerst überlegen was man macht und nicht nachher rumzicken.

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  • prolltrash am 17.04.2018 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich aber ch

    ich arbeite viel und kriege überhaupt keine sonderbehandlung. ihr vergeigt das leben anderer und macht euch strafbar, hockt auf unsere kosten ab... und habt kein schlechtes gewissen noch mehr einzufordern.