Selbstbewusste Frauen

10. März 2017 08:16; Akt: 10.03.2017 16:38 Print

Treibt der Feminismus Männer in Porno-Falle?

Der Frauentag wird zelebriert wie noch nie. Das verunsichere junge Männer, sagt Männerexperte Markus Theunert. Viele entschieden sich für Pornos statt Beziehung.

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Kaum eine Chance, sich am Frauentag dem Anlass zu entziehen: Als Frau wurde einem am Mittwoch per Whatsapp «Alles Gute zum Frauentag!» gewünscht. Schweizer Medien berichteten auf allen Kanälen etwa über Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die im Bundeshaus pinke Mützen strickten. Mit den aus den USA bekannten Pussyhats wollten sie ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen.

«Spiegel Online» veröffentlichte im Stundentakt Porträts berühmter Frauen. Und wer abends in der Zürcher Langstrasse unterwegs war, begegnete rund 200 vorwiegend weiblichen Personen, die für mehr Gleichberechtigung demonstrierten – ohne Bewilligung. Die Polizei setzte Reizstoff und Gummischrot ein.

«Der Frauentag wurde zelebriert wie nie zuvor», sagt Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger von der Universität Bern. Das erstaunt, haftete dem Feminismus doch lange Zeit ein verstaubtes Image an. Was hat dazu geführt, dass das Pendel nun in die andere Richtung schwingt?

Trump und Beyoncé bewegen die Frauen

«In jüngster Zeit ist Frauenverachtung und Sexismus wieder salonfähig geworden», sagt Amlinger. Ein Symbol dafür sei Donald Trump, dessen Wahl zeige, dass jemand «trotz übelster Frauenverachtung ins höchste Amt der Welt gelangen kann». Das habe auch viele Frauen, die sich zuvor nicht mit Feminismus beschäftigt hätten, geschockt. Ein solcher Unmut entwickle eine Eigendynamik. Das habe sich am Mittwoch gezeigt.

Neu sei auch, dass sich immer mehr junge Frauen für feministische Themen interessierten. Diese seien zum Teil erst um die zwanzig. «Feminismus ist durch Stars wie Beyoncé oder Emma Watson in der Popwelt und in Hollywood angekommen.» Beide seien für junge Frauen Vorbilder und hätten eine Wirkung auf diese. «Dadurch wird Feminismus plötzlich hip.»

Verunsicherte Männer

Doch der Feminismus hat auch seine Kehrseite. Markus Theunert, Generalsekretär von Männer.ch, dem Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen, begrüsst zwar die erstarkte Frauenbewegung. Er sagt aber auch: «Die jungen Frauen, die sich wieder vermehrt für Gleichberechtigungsfragen interessieren, verunsichern viele junge Männer.» Sie fühlten sich bedroht durch starke Frauen. Gerade in Beziehungs- und Sexualitätsfragen wüssten junge Männer nicht mehr, was sie dürften und was nicht. «Sie verharren hier in einer Art Schockstarre.»

Theunert stellt fest, dass sich ein Teil der jungen Männer zunehmend davon abwendet, eine Beziehung einzugehen. «Der Pornokonsum allein zu Hause scheint ihnen die attraktivere Alternative zu sein.» Viele junge Männer würden in Beziehungs- und Sexualitätsfragen resignieren. «Sich für eine Beziehung einzusetzen, ist ihnen zu anstrengend. Sie bleiben lieber allein.» Diese Entwicklung ist laut Theunert «dramatisch und wird uns alle noch vor massive Probleme stellen».

Dazu kommt laut Theunert, dass sich die Welt verändert hat: «Die Frauen haben aufgeholt. 60 Prozent aller Maturanden sind weiblich, auch bei den Universitätsabschlüssen sind die Frauen bereits in der Mehrheit.» Die Männer würden ihre dominierende Rolle in der Arbeitswelt verlieren. «Und was macht die Politik?», fragt Theunert. «Gar nichts. Sie hat noch kein Bewusstsein für dieses Problem. Sie versagt.»

«Männer müssen selbstbewusster werden»

Was sagt die Politik zu diesem Vorwurf? Der Nationalrat Jonas Fricker (GP, AG), der im Bundeshaus mitgestrickt hat, sagt: «Junge Männer müssen selbstbewusster werden.» Die Politik orientiere sich immer noch am klassischen Rollenbild des starken Mannes. Das müsse sich ändern.

(ak)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BeobachterIn am 10.03.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solange

    sich Frauen es sich leisten können Männer mit beliebigen Aussagen ins Verderben zu stürzen solange frage ich mich weshalb es keinen Männertag gibt. Was soll das Theater? Es ist richtig dass Frauen für Gleiches auch Gleiches erhalten sollen - aber kein per se Bevorzugung. Quotenregelung? Ja, und wenn in allen Belangen. Und nicht nur für Frauen. Solche blöden Forderungen bringen nichts als Missstimmung, Neid und Ablehnung.

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  • Nico am 10.03.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allgemeiner Dienst

    Gut, dann wird ja bald im Namen der Gleichberechtigung ein allgemeiner Dienst eingeführt. Mann und Frau wählen zwischen Zivil- oder Militärdienst. Wäre gar nicht mal so schlecht...

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  • StefanWillibald am 10.03.2017 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schabernack

    Dieser Tag wird in Amerika/Südamerika schon lange gefeiert, Europa und speziell die Schweiz hängt bei diesen Dingen einfach hinterher, das macht den Event nicht wichtiger als er ist, nämlich nicht sonderlich!! Respekt ist seit jeher eine Tugend, und zwar allen Mitmenschen gegenüber!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • MikeMU am 12.03.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt andere Probleme

    Frauen machen Männer femininer und wundern sich dann wieso das die anschliessend auf das gleiche Geschlecht stehen, oder "nicht mehr männlich" sind. "Parlamentarierinnen und ihre männlichen Kollegen", so sehen die auch aus...

  • ein schelm am 11.03.2017 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mhh

    den hab ich dann wohl verpasst.

  • Freddy am 10.03.2017 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Frauentag verstärkt Geschlechtergraben

    Sogenannte Feministinnen und "starke Frauen" sind gemäss meiner Erfahrung meist einfach überdominante, kritikunfähige und beziehungsunfähige Personen, welche ihren Mann pausenlos belehren. Wer hält denn so etwas aus. Männer mögen Frauen, die gleichberechtigt sind und sagen, was sie denken und wollen, doch es muss mit Anstand, Liebe und Respekt erfolgen, wenn die Beziehung halten soll. Ein Frauentag schlägt nur eine weitere Kerbe zwischen die Geschlechter. Meinerseits reicht der Valentinstag vollends.

    • Martial2 am 10.03.2017 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freddy

      Alle diese Tage sind für die Füchse und nutzen rein nichts. Man sollte am richtigen Ort ansetzen, vernünftig und logisch überlegen...Alles Andere ist Mumpitz!

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  • Annamaria am 10.03.2017 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Times are changing

    Wenn die Herren bisher ihr Selbstwertgefühl dadurch hatten, dass sie in einer asymmetrischen Beziehung das Sagen hatten, und anderen ihre Selbstbestimmung und Mitsprache nicht für legitim hielten, tun sie mir leid, aber jetzt sind halt die Zeiten anders. Auch beim Führungsstil bei den Firmen wurde die alte Garde von autoritären, selbstherrlichen Chefs ersetzt durch sozial kompetentere Individuen und es ist Zeit, dass diese Urdinosaurier-Gattung endlich ausstirbt, jetzt halt auf der Beziehungsebene. Nicht jeder ist beziehungsfähig, man kann es auch einfach lassen.

    • Chrisi am 12.03.2017 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Realität

      Das entspricht leider nicht der Realität. Die alte Garde sitzt bis zum ableben im Sattel. Junge moderne Männer können nicht nachrücken, weil man Frauen bevorzugt. Diese Frauen wiederum folgen einem überholten Beuteschema. Der Partner muss einer der "alten Garde" sein. Sonst ist er nicht gut/reich/mächtig genug. Sie erreichen nicht dass was sie wollen Annamaria. Ich hoffe sie passen ihre Denkweise schnell genug der Realität an.

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  • MWDREI am 10.03.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    witz komm raus

    Wir Männer hätten auch einen Tag für uns, leider haben wir das Datum vergessen ;)