Schweiz-Fan Tammy Baldwin

08. November 2012 15:42; Akt: 08.11.2012 17:34 Print

Unsere Frau im US-Senat

von Jessica Pfister - Sie ist links, lesbisch und liebt die Schweiz: Tammy Baldwin aus Wisconsin. Ihre Wahl in den US-Senat lässt Schweizer Politiker auf einen besseren Draht zu den USA hoffen.

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«Mein ganzes Leben haben mir die Neinsager erzählt, ich könne keine Wahl gewinnen – weil ich links bin, weil ich eine Frau bin… und sogar weil ich eine Lesbe bin!» Mit diesen Worten feierte Tammy Baldwin am Mittwoch ihren Einzug in den Senat für Wisconsin. Dass sie dabei einen republikanischen Ex-Gouverneur auf die Plätze verwiesen hat - in einem Bundesstaat, der 2004 die Homoehe mit grosser Mehrheit ablehnte - ist eine kleine Sensation.

Die Wahl der 50-Jährigen Demokratin, die sich vor zwei Jahren von ihrer langjährigen Partnerin getrennt hat, ist aber nicht nur ein grosser Sieg für die homosexuelle Gemeinde, die erstmals in der Geschichte der USA im Senat vertreten wird. Sie ist auch ein kleiner Sieg für die Schweiz. Denn die studierte Juristin und ehemalige Anwältin ist Mitbegründerin und Präsidentin der Gruppe «Freunde der Schweiz» im US-Kongress. Die Gruppe wurde 2003 auf Anfrage des schweizerischen Pendants, der Parlamentarischen Vereinigung Schweiz-USA, ins Leben gerufen. Ziel ist der Gedankenaustausch zwischen den beiden Ländern.

«Sie interessiert sich sehr für die Schweiz»

Im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern der Gruppe «Freunde der Schweiz» hat Tammy Baldwin aber keine Schweizer Wurzeln. Der Bezug zum Land und vor allem den Menschen ist dennoch da. Denn immerhin liegt der Ort New Glarus in ihrem Wahlkreis. Die Gemeinde, die auch Little Switzerland genannt wird, wurde 1845 von 150 Immigranten aus Glarus gegründet und beheimatet auch noch heute viele Doppelbürger. Hinzu kommt, dass mehrere Schweizer Firmen wichtige Arbeitgeber in Wisconsin sind - einige von ihnen haben die 50-Jährige auch in ihrem Wahlkampf unterstützt, wie beispielsweise Novartis.

«Tammy Baldwin interessiert sich sehr für die Schweiz, sie ist fasziniert, wie wir unsere öffentlichen Finanzen im Griff haben, bewundert unsere starke Wirtschaftspräsenz und den Umgang mit der Mehrsprachigkeit», sagt FDP-Nationalrätin Christa MarkwalderChrista
Markwalder

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. Die Präsidentin der Vereinigung Schweiz - USA hat die US-Politikerin bereits drei Mal getroffen. Das letzte Mal im Mai dieses Jahres, zusammen mit einer Delegation der Vereinigung in Baldwins Büro im Kapitol in Washington. Rund eine Stunde hätten sie sich ausgetauscht. «Sie ist sehr offen, aber dennoch überlegt und im Gegensatz zu anderen US-Politikerinnen nicht so überkandidelt.»

«Die linkste Vertreterin»

Diese «Echtheit» gepaart mit ihrer rund 14-jährigen Erfahrung im Repräsentantenhaus, sind wohl zwei der Gründe, warum sich die 50-Jährige gegen ihren Republikanischen Gegenspieler Tommy Thompson durchsetzen konnte. Im Gegensatz zu Baldwin, die sich das Thema Homosexualität in ihrem Wahlkampf nicht auf die Fahne geschrieben hatte, warnten Gegner wie etwa der «Washington Times»-Kolummnist Jeffrey Kuhner vor ihrer sexuellen Orientierung. Der lesbische Lebensstil würde Kindsmisshandlungen und einen höheren Drogen- und Alkoholkonsum mit sich bringen, so Kuhner.

Kontrahend Thompson führte die politische Orientierung von Baldwin ins Feld und bezeichnete sie als «ultra-links». «Sie ist so extrem, dass Nancy Pelosi sich nach links drehen muss, um mit ihr zu reden», sagte Thompson. Tatsächlich gehörte Baldwin zu den linksten Vertreter des Repräsentantenhauses. Im jährlichen links-rechts Ranking des «National Journals» landete sie bei 435 Mitglieder auf Rang 21. Baldwin, die sich als Vertreterin der Mittelklasse sieht, steht für alles, was die Tea Party verschmäht. So unterstützte sie nicht nur die Gesundheitsreform Obamas, sie schrieb auch gleich einen Teil davon. 2009 stimmte sie für ein Gesetz zur Klimaveränderung, 2002 war sie gegen einen Einsatz im Irak.

Markwalder ist optimistisch

Im Senat will sich die 50-Jährige neben Gesundheits- und Energiethemen vor allem für mehr Jobs für Mittelklasse-Familien einsetzen. Bleibt da überhaupt noch Zeit für die Kontaktpflege zur Schweiz? «Wir sind sehr optimistisch, dass Baldwin auch im Senat die Interessen der Schweiz einbringen wird», sagt Markwalder. Gerade was das Doppelbesteuerungsabkommen und den Bankenstreit angeht, hofft die FDP-Politikerin auf die Vermittlung der 50-Jährigen. Damit Baldwin sich die Schweizer in guter Erinnerung behält, ist nun bereits ein Gratulationsschreiben auf dem Weg nach Washington.


Ein Auszug aus Baldwins Rede nach Ihrer Wahl.
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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vito am 09.11.2012 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach nö

    Bei "Links" habe ich aufgehört zu lesen.

  • jo tell am 09.11.2012 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    linke

    die linken in den USA sind etwa so weit rechts wie die SVP, was die Tea Party betrifft werden deren Ziele falsch interpretiert, oder man will es so.

  • Ernst Kappeler am 09.11.2012 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Frau im US-Senat??!! Hähh?

    Wie bitte? Wer hat diese Frau gewählt? Wir Schweizer? Wem gegenüber ist resp. wäre diese Frau in diesem Amt verpflichtet? Was würden wohl Amerikaner meinen, wenn man der Meinung wäre, dass diese Frau Schweizer Interessen vertreten sollte/müsste?! Oder habe ich evtl. etwas verpasst, ist die CH den USA beigetreten worden?! Fazit: Hört endlich auf zu träumen! In der Politik gibt's keine Freunde, sondern nur Interessen! Kein vernünftiger Mensch würde wohl meinen, dass hier Schweizer Interessen irgendeine Rolle spielen. Dies wäre zu Recht auch ganz einfach ein Verrat gegenüb. den eigenen Stimmb.

  • Peter Baur am 08.11.2012 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Networking for the win!

    Herrjeh, da scheinen die meisten Kommentatoren keinen Plan von Politik zu haben und die Tragweite dieser Mitteilung nicht im Ansatz zu erkennen. Es geht um simples Networking bzw. Lobbying. Kennt man mindestens eine Person in einem bestimmten Kreis, so können über diese wichtige Kontakte (z.B. in einen bestimmten Senatsausschuss) geschmiedet werden gerade im angelsächsischen Raum Gang und Gäbe und meist unkompliziert. Ansonsten ergeht es einem wie damals am Kindergeburtstag, als das Kind das keiner kannte alleine im Sandkasten sass!

  • Daria B. am 08.11.2012 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    herrlich

    link, lesbisch und liebt die Schweiz - super! schön, wenn die Medien nicht nur schlechtes, sonder auch mal witziges verkünden! Danke dem Autor / der Autorin für die Aufmunterung!

    • Brigitte am 09.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Nur Vorteiele für ZH

      Da freut sich unsere Stadtpräsidentin. (gut vernetzt)

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