Hochwasser

12. Juli 2014 09:17; Akt: 14.07.2014 02:49 Print

Weiterer Regen erwartet – Lage bleibt prekär

In Bern gilt für die Aare derzeit eine «erhebliche Hochwassergefahr». Eine Besserung ist nicht in Sicht: Es soll noch bis Montagabend regnen.

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Sonntag, 13. Juli, 17 Uhr: Blick von der Kirchenfeldbrücke in Bern. Das ist eigentlich kein See, sondern ein Fussballplatz in Oberwinterthur. «Orkan über dem Hallwilersee?», fragt sich ein Leserreporter. Bei den verschütteten Gleisen in Törishaus waren am Sonntag den ganzen Tag Arbeiten zur Hangsicherung im Gang. Ein Helikopter lieferte Stahlelemente. Um die Sicherheitselemente einbauen zu können, sei auch ein kleines Waldstück gerodet worden, berichtet ein Leser-Reporter. Roman Niederhäuser (22) und Freundin Nadine Bernhard (20) vor Niederhäusers Elternhaus. Ihnen wurde angeboten, in einer Zivilschutzanlage zu übernachten. Anwohner Roman Niederhäuser (22) vor der weggespülten Zufahrtsstrasse zum Haus seiner Eltern in «im Grabe» bei Niederscherli BE. Ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Köniz blieb im Schlamm stecken. An dieser Stelle in Thörishaus BE wurde am späten Abend eine 82-jährige Frau leblos in einem Bach aufgefunden. Heftige Regenfälle haben in der Nacht auf Sonntag, 13.7.2014, in weiten Teilen der Schweiz für Feuerwehreinsätze gesorgt. Die Linie zwischen Bern und Freiburg wurde durch einen Erdrutsch unterbrochen. Adliswil: Strassen stehen am Sonntag unter Wasser. In Rickenbach ZH ist die Lage besonders prekär. Keller und Garagen wurden überflutet. «So schlimm war es das letzte Mal vor 20 Jahren», sagt der Leser-Reporter. Seine Garage steht zur Hälfte unter Wasser. So sieht die Garage von innen aus... Die Strassen stehen in Rickenbach unter Wasser, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Der Reitplatz in Rickenbach wurde durch die Wassermassen zu einem See. Kinder machten sich einen Spass daraus und nutzten den «kurzfristigen» See zum Boot fahren. Der Schaden am Kulturland kann zurzeit noch nicht beziffert werden. In der Gemeinde Köniz BE hat der starke Regen einen Erdrutsch verursacht. Geröll, Erde und Bäume wurden dabei mitgerissen. In Köniz BE blieb ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr im Schlamm stecken. In Toffen BE, ist die Gürbe übers Ufer getreten und hat die Oldtimer-Galerie unter Wasser gesetzt.« Das passiert hier alle zwei bis drei Jahre, aber so schlimm war es schon lange nicht mehr», sagt der Leser-Reporter. In Uttigen BE hat sich ein Garten in ein schlammiges Wasserbecken verwandelt. «So schlimm war es noch nie. Der ganze Garten steht unter Wasser», so der Leser-Reporter. Ein überfluteter Keller in Wiesendangen ZH. «Es ist alles voller Schlamm», sagt der Leser-Reporter. Auch die Waschmaschine steht unter Wasser. «Die Kleider sind wohl alle dahin.» Es gibt in diesen Tagen wohl gemütlichere Orte als der Campingplatz. Hier in Interlaken. Eine Tiefgarage in Islikon TG, unweit der Zürcher Gemeinden Wiesendangen und Bertschikon, ist voll Wasser gelaufen. Auch in Dinhard ZH steht das Wasser in der Nacht auf Sonntag, 13. Juli 2014, in den Strassen. Heftige Regenfälle haben bereits am Samstagabend, 12. Juli 2014, an vielen Orten die Bäche über die Ufer treten lassen. So auch in Mittelhäusern BE, wo die Wassermassen das halbe Dorf, das zur Gemeinde Köniz BE gehört, in einen See verwandelten. Sorgar die Gleise der Lötschbergbahn in Mittelhäusern standen unter Wasser. Der Zugverkehr musste aber offenbar nicht unterbrochen werden. Auf einigen Strassen in Mittelhäusern war das Durchkommen massiv erschwert - besonders für die Fussgänger. In Laupen BE kam das Wasser gar wie ein reissender Fluss den Hang hinunter und überschwemmte eine Strasse. Ein ähnliches Bild in Flamatt FR - überschwemmte Strassen, die das Durchkommen auch für die Autos erschweren. Das Wasser blieb sogar auf der Normalspur der Autobahn stehen - hier bei der Ausfahrt Flamatt - so dass die Autos auf die Überholspur ausweichen mussten. Bis zum Rand voll ist die Aare nach den heftigen Regenfällen. Die Feuerwehr hat Sperren entlang der Aare-Ufer aufgebaut. Dazu gehören auch orange, mit Wasser gefüllte sogenannte Beaver-Schläuche. Passanten mussten Geschick beweisen und über die Schläuche klettern. Der Blick von der Kirchenfeldbrücke in Bern. In der Nacht auf Samstag war die Region Freiburg von heftigen Regenfällen heimgesucht worden. Die Aergera sah danach aus wie ein Ungetüm. Doch nicht nur rund um die Hauptstadt Bern traten Bäche über die Ufer. Auch in Neuheim ZG wurden Strassen zu Bächen ... ... und Hänge zu gurgelndem braunen Brei. In Heldswil TG lief ein Keller voll Wasser. In Grabs SG wurde aus einer Alp eine riesige Wasserrutschbahn. Und am Goldbrunnenplatz in Zürch sprudelte das viele Wasser wieder aus der Kanalisation heraus, weil diese es nicht mehr fassen konnte. Bereits in der Nacht auf Samstag waren Teile der Schweiz überschwemmt worden. Geröll und Schlamm haben etwa in Schänis SG Strassen und Kulturland überschwemmt. Einsatz in Schänis: Erste Meldungen über Hochwasser und Schlamm erreichten die Kantonale Notrufzentrale in St.Gallen am Freitag, 11.7.2014, kurz nach Mitternacht. Überall Wasser, Schlamm und Geröll. Überflutete Geleise im Einfahrtbereich des Bahnhofes Ziegelbrücke führten zwischen 4.15 und 6.15 Uhr zu einem Bahnunterbruch. In Schänis steht die Feuerwehr mit 40 Angehörigen im Einsatz. Hochwasser auf einer Kreuzung zwischen Zihlschlacht und Kradolf im Thurgau. In Schachen LU kam es am Freitagabend zu Überschwemmungen: Ein Traktor (links) blieb im Schlamm stecken, gemäss Leserreporter sind auch mehrere Bäume umgestürzt. Überflutete Unterführung in Schachen LU. Ein überschwemmter Platz in Regensdorf ZH. Das Wasser sei innert kürzester Zeit auf Kniehöhe gestiegen, berichtet ein Leser-Reporter aus Sempach-Station LU. Viel Wasser in Menziken AG. In der Region Bern ist die Hochwassergefahr derzeit erheblich. (Stand 13.07.3014, 14 Uhr)

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Die heftigen Regenfälle von letzter Nacht haben ein Todesopfer gefordert: Eine 82-jährige Frau wurde in Thörishaus BE in einem Bach tot aufgefunden. Nachbarn des Opfers sind geschockt: «Es ist tragisch. Wir wissen nicht, was die Frau draussen gemacht hat. Aber wahrscheinlich wurde sie mitgerissen», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minuten. «Das Wasser kam mit einer unglaublichen Gewalt den Hügel hinunter. Und jetzt ist es wieder so ein Bächlein», so die Anwohnerin weiter.

Fünf Menschen mit Helikopter evakuiert

Thörishaus gehört teilweise zur Gemeinde Köniz. Diese wurde von den Unwettern besonders heftig getroffen. Die Feuerwehr leistete in der Nacht einen Grosseinsatz. Nach den heftigen und langanhaltenden Niederschlägen traten in der Region mehrere Bäche über die Ufer und einzelne Hänge kamen ins Rutschen. Mehrere Personen mussten in Sicherheit gebracht werden: «Wir mussten in der Nacht auf Sonntag fünf Menschen zusammen mit ihren Hunden in der Grabenmühle aus ihren Häusern evakuieren. Weil ein Teil der Leute nicht mehr gut zu Fuss ist, wurde auch ein Helikopter eingesetzt», sagt Ueli Studer, Gemeindepräsident von Köniz.

Im «Grabe» wohnt auch Roman Niederhäuser (22). «Gestern Abend wurde der Regen heftiger, dann kam die Feuerwehr und hat uns angeboten, in der Zivilschutzanlage zu übernachten. Wir blieben aber daheim.» Arjan Maring aus Holland macht derzeit Ferien bei der Familie Niederhäuser. «Alles was lose war, wurde weggeschwemmt. Ich versuchte noch, eine Maschine festzuhalten, musste aber loslassen, sonst hätte es mich auch mitgerissen.»

Die Lage in Köniz ist auch am Sonntag noch prekär: «Die Hänge sind voll, es verträgt nicht mehr viel», sagt Gemeindepräsident Ueli Studer. Auch in der Stadt Bern bleibt die Lage prekär.

Diverse Bahnstrecken unterbrochen

Die heftigen Niederschläge haben auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Die Linie Bern–Freiburg ist wegen eines Erdrutsches unterbrochen, Züge verkehren frühstens ab Montag wieder, sagt ein SBB-Sprecher zu 20 Minuten. Sowohl die Fern- als auch die Regionalverkehrszüge fallen zwischen Bern und Freiburg aus.

Wegen Hochwasser fallen zwischen Belp und Toffen die Züge aus, es verkehren Bahnersatzbusse. In Mittelhäusern haben die Regenfälle die Geleise der S-Bahn-Linie 6 weggespült. Die Strecke bleibt bis voraussichtlich Mittwoch gesperrt. Auch die Linie durchs Gürbertal war unterbrochen, konnte aber am Sonntagvormittag wieder geöffnet werden.

Auch der Strassenverkehr war von den heftigen Regenfällen betroffen. Diverse Strassen mussten gesperrt werden.

77 Liter pro Quadratmeter in Wiesendangen

In Wiesendangen ZH fiel fast so viel Regen wie bei Flamatt. In der Zürcher Gemeinde drohte offenbar der Dorfbach über die Ufer zu treten. Leser meldeten, die Feuerwehr habe Alarm geschlagen und es mangle im Dorf und der benachbarten Gemeinde Bertschikon an Sandsäcken. Im nahe gelegenen Gundetswil habe man zudem die Hauptstrasse sperren müssen. Auch in Dinhard ZH und Rickenbach ZH standen Keller unter Wasser.

Die Lage bleibt angespannt: Für heute Sonntag werden in der ganzen Schweiz Regenfälle und teilweise Gewitter erwartet. Das nasse Wetter hält bis Montagabend an, wie Meteo News auf Anfrage von 20 Minuten sagt.

(nc/tok/pat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Dankbare am 13.07.2014 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Statt uns über das Wetter zu unterhalten - herzlichen Dank an alle Feuerwehrleute, die für uns diese Nacht und wohl die kommenden Tage im Einsatz stehen!

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  • Ich am 13.07.2014 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retourkutsche

    Die Natur holt sich das zurück, was ihr gehört.....baut fleissig weiter und überfüllt unser Land.... Intelligenz lässt Grüssen

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  • Coni am 13.07.2014 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Natur lässt grüssen

    Tja stellt noch mehr Häuser/Blöck auf, macht noch mehr Strassen. Lasst alle Wiesen zu betonieren dass ja der Regen nicht mehr weitläufig absickern kann und nur noch bei der begrenzten Feldern wo der Bauer unsere Nahrung anpflanzt überfluten. Wir machen uns mit einem jojo Effekt zugrunde...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Müller am 13.07.2014 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Aare

    Die Aare war früher zwischen Bern und Thun 500 Meter breit, heute nur noch 50 Meter...zudem baut man Flughäfen und Autobahnen im ursprünglichen Einzugsgebiet und jammert dann wegen den Überschwemmungen. Reagiert wird trotzdem nicht sondern immer mehr verbaut. Schade...

    • Jura Aare am 13.07.2014 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      Glashaus

      da war aber Klein Markus noch sehr, sehr jung. Damals floss die Kander auch noch hinter Thun (Kandergrien) in die Aare, was zu regelmässigen Überschwemmungen führte. Ebenfalls wurde auch das Kulturland zwischen Thun und Bern , das Seeland, die Linthebene und weitere Gegenden der Schweiz überschwemmt, mit all den damit verbundenen Konsequenzen. Zu Glück wurden dann in echten Kraftakten diese Gewässer korrigiert. Ansonsten könnten wir heute vielerorts gar nicht wohnen und Landwirtschaft betreiben. Dies an alle "lassen wir doch die Natur walten."

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  • soldat katahi ber ver 104 am 13.07.2014 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die armee solls richten

    kaum giebt es überschwemmungen und schon soll die armee ausrücken. die armee hat eigens für katastrophen eine eigene einheit geschafen. das katahi ber ver 104. das aus durchdinern und zeitmiliter besteht. um diese einheit einzusetzten muss aber zuerst die zievielen mittel überlastet sein. erst dann kann das militär eingesetzt werden. ich möchte allen helfern der feuerwehr und zivielschutz danke für ihr sehr wertvolle hilfe danken und die nicht betroffenen helft den betroffenen. gemeinsam schafen wir das

  • T.B. am 13.07.2014 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Süde

    Im Tessin können gut die 3-4 Fache Niederschlagsmenge runterkommen ohne dass es überschwemmungen gibt. Wie machen die das?

    • Beobachter am 13.07.2014 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja, was Sie nicht sagen.....

      Hochwasser 1993: Intensive, lang anhaltende Niederschläge vom 22. bis 24.September 1993 in den südlichen Seitentälern des Oberwallis und im Tessin waren der Auftakt zu einer Reihe von Hochwassern mit zum Teil verheerenden Schäden. Im Wallis waren vor allem die Stadt Brig und das Saastal betroffen. Mit weiteren ergiebigen Regenfällen bis Mitte Oktober wurden im Tessin die Siedlungen rund um den Lago Maggiore überflutet und in vielen Seitentälern, insbesondere im Bleniotal, wurden grössere Schäden angerichtet.

    • peter schmailzl am 13.07.2014 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Anderes Klima, dadurch angepasst.

      Dies ist so, hat aber auch seine Gründe: Da bei uns die Niederschläge schon normalerweise viel stärker sind, sind auch die Bäche breiter und ohne Regen fast trocken (Trifft auch für den Fluss Maggia zu) daher können sie mehr Wasser abführen. Niederschläge, wie si bei uns häuffig sind, wären in Bern schon aussergewöhnlich. Andererseits wären die relativ geringen Niederschläge bei Euch für unsere Landwirtschaft ein Problem, unsere Böden sind durchlässig und halten das Wasser kaum. Zudem haben wir weniger Ebenen und Hänge stehen selten unter Wasser.

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  • Will Sommer am 13.07.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    So sieht es halt aus

    Es gab ja genug Leue, die immer gesagt haben, bloss keine Sonne im Sommer. Hoffentlich ist es kalt und nass. So sieht es dann halt aus

  • Frau am 13.07.2014 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonne

    Willkommen im sonnigen Unterengadin!!