Schockbilder aus Hühnerfarmen

11. April 2016 05:53; Akt: 11.04.2016 15:48 Print

Veganer fordern Stallfotos auf Fleisch-Verpackungen

Für Tier-Aktivisten ist die Bezeichnung «besonders tierfreundliche Stallhaltung» irreführend. Sie lancieren darum eine Petition gegen den «Etikettenschwindel».

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Der Verein Tier im Fokus (TIF) hat erneut verdeckte Aufnahmen aus Schweizer Hühnerfarmen ins Internet gestellt. Die Bilder stammen aus einem Bell-Betrieb im Kanton Freiburg und zeigen, wie in einem Stall Tausende Hühner auf engem Raum gehalten werden.

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Braucht es Stallfotos auf der Verpackung?
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Insgesamt 8110 Teilnehmer

«Man sieht verletzte und zusammengebrochene Tiere, die von ihren Artgenossen zertreten werden», sagt TIF-Präsident Tobias Sennhauser. Schon vor gut einem Monat hatte der Verein Schockbilder von einer Hühnerzucht im Berner Seeland veröffentlicht. Im Mist lagen die Überreste zahlreicher toter Tiere.

Stallbilder auf Verpackung?

Besonders stossend ist nach Ansicht der Aktivisten, die eine vegane Lebensweise propagieren, dass die beiden Höfe am Tierwohlprogramm BTS des Bundes teilnehmen. BTS steht für eine «besonders tierfreundliche Stallhaltung». Vorgeschrieben und mit Subventionen belohnt werden Tageslicht, ein Aussenklimabereich (Wintergarten) und erhöhte Sitzgelegenheiten.

Für Sennhauser werden die Konsumenten mit der Bezeichnung in die Irre geführt: «Ich sehe nichts, was an der Haltung besonders tierfreundlich wäre.» Dass Bell im Internet schreibe, ihre Schweizer Hühner hätten es «einfach gut» und deren Wohlbefinden werde «durch die Liebe unserer Bauern» garantiert, sei in Anbetracht der Bilder «purer Etikettenschwindel».

Sennhauser kritisiert, dass «die Werbung und die tatsächliche Tierhaltung immer weiter auseinanderklaffen». Dadurch werde der Konsument getäuscht und eine mündige Wahl an der Fleischtheke verhindert. Die Organisation lanciert nun eine Petition. Diese verlangt, dass wahrheitsgetreue Fotos der Haltungsbedingungen auf den Verpackungen von Fleisch und Fleischerzeugnissen abgedruckt werden.

Produzenten wehren sich

Andreas Gloor von Aviforum, dem Kompetenzzentrum der schweizerischen Geflügelwirtschaft, lässt die Kritik der Irreführung nicht gelten. «Bei BTS handelt es sich um ein klar definiertes Tierwohl-Förderprogramm, das über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgeht.» Es sei richtig, diese «zusätzlichen Investitionen für den Auslauf im Wintergarten und die zusätzlichen Stallstrukturen lobend hervorzuheben». So könne man sich vom Poulet aus ausländischer Produktion abheben, wo die Tiere weniger Platz und meist keinen Auslauf hätten.

Ähnlich klingt es bei Bell: «Die Haltungsform BTS bietet für das Tierwohl einen Mehrwert», sagt Sprecher Davide Elia. Die Betriebe würden regelmässig kontrolliert und allfällige Auffälligkeiten beanstandet. Die Umstellung auf BTS-Haltung bedeute für die Produzenten namhafte Investitionen in verbesserte Haltungsbedingungen und führe zu höheren Produktionskosten.

Zum Video aus dem Freiburger Betrieb heisst es beim Fleischverarbeiter: «Aufgrund der kurzen Filmsequenz und des sehr reduzierten Kamerawinkels ist eine umfassende Beurteilung der Aufnahmen schwierig.» Die Produzenten würden aber sehr nah begleitet. Elia: «Während der bisherigen Zusammenarbeit haben wir keinerlei Mängel festgestellt.»

Diese Aufnahmen veröffentlichte der Veganer-Verein auf Youtube:

(daw)