Büsi-Koch-Video

15. Februar 2016 09:54; Akt: 15.02.2016 14:41 Print

Vegetarier schocken die Welt mit Silikon-Katze

Nun ist bekannt, wer hinter dem angeblichen Restaurant La Table Suisse steckt: Es sind drei Vegi-Organisationen, eine davon aus der Schweiz.

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Hunderttausende aus aller Welt schauen zu, wie dieser angebliche Schweizer Koch in seinem Restaurant Katzen zubereitet. Der Zorn ist gross: Es gibt diverse Petitionen und Aufrufe gegen die «kranke Tradition», die «jetzt enden muss». Doch wer steckt wirklich hinter dem mysteriösen Restaurant «La Table Suisse»? Der Mail-Header bringt Klarheit: Obwohl die Macher ihre Spuren gut verwischten, haben sie hier nicht gut aufgepasst. Mails vom angeblichen Restaurant werden über den Server der Werbeagentur Scholz & Friends in Deutschland versandt. Eine Viral-Kampagne. Es ist eine Kampagne, die so ernst genommen wird, dass es sogar zu Aufforderungen zu Mord kommt: «Bitte entfernt diese Plage barbarischen menschlichen Abfalls von dieser Erde». Es gibt verschiedene Petitionen - einige gehören wohl gar zur Kampagne dazu. Szene aus dem berüchtigten Video, das bereits weltweit berühmt-berüchtigt ist: Der Schweizer Koch «Moritz Brunner» (in Wirklichkeit ein Techniker im Filmbusiness) kocht «Büsirücken». Man nimmt es tierernst: «Unzivilisiert» sei die Schweiz. Wer dort essen gehe, möge - nun, lesen Sie selbst. «Wie wärs mit einem Papagei zur Vorspeise?» «... na ratet mal, wo ich sicher nie hingehen werde!!!» Mehrheitlich nicht übersetzbar. An einer Stelle heisst es, die Schweizer seien gleich «barbarisch» wie die Chinesen. Es sei «irreführend», diese Küche als Schweizer Kultur zu bezeichnen. Ein anderer User fragt - dafür gibt es 8 Likes -, warum man nicht Menschenfleisch esse. Das Menü vom Januar ... ... und das vom Februar von La Table Suisse.

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Die Katze ist aus dem Sack: Beim Schock-Video mit dem Schweizer Restaurant, das angeblich auch Katzen und Hunde zum Verzehr anbietet, handelt es sich um eine Aktion von drei verschiedenen Vegi-Organisationen: Swissveg, Vegetarierbund Deutschland (Vebu) sowie Beyond Carnism aus den USA. Swissveg und Vebu bekennen sich in einer Medienmitteilung zum Video und schreiben: «Über zehn Millionen Menschen wurden zum Nachdenken angeregt und haben Tausende von Kommentaren hinterlassen.» Die Reaktionen hätten «von Verständnis für dieses aussergewöhnliche Konzept über Empörung bis hin zu zahlreichen Beschimpfungen und Drohungen» gereicht.

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Doch was wollte man mit dem Video erreichen? «Der Grund dafür ist Karnismus», schreiben die Verantwortlichen: «Der Begriff bezeichnet ein unsichtbares System aus Überzeugungen, das Menschen darauf konditioniert, nur bestimmte Tierarten zu essen und andere nicht.» Renato Pichler von Swissveg sagt zu 20 Minuten: «Es ist eine künstliche Unterscheidung: In Indien isst man keine Kühe, in China werden Hunde auf dem Markt verkauft – das wäre bei uns undenkbar. Aber im Restaurant isst man andere Tiere, ohne nachzudenken.» Dabei sei das Essen von Tieren, genau wie der Vegetarismus, eine Entscheidung, so Pichler – eben Karnismus. «Diese Seite wird nie angeschaut, und das möchten wir den Leuten bewusst machen.»

Die Katze im Video ist weder Katze noch Hase

Gefragt, ob es nicht vielleicht etwas unglücklich ist, dass die Schweiz nun als Land von Katzenfressern dasteht, entgegnet Pichler: «Das zeigt nur, wie eingefleischt diese Glaubensmechanismen sind: Hätte man das gleiche Koch-Video mit Lämmchen und Kälbchen gemacht, hätte sich kaum jemand aufgeregt. Es geht darum, genau diesen Widerspruch aufzuzeigen.» Ausserdem betont Pichler, dass bei den Dreharbeiten keine Tiere zu schaden gekommen seien: Sämtliche Fleisschstücke seien Attrappen – auch die gehäutete Katze sei nicht echt. Pichler: «Das sind alles Silikonpräparate, kein echtes Fleisch».

Der Shitstorm war gewaltig: Neben viel Zustimmung gab es auch massive Drohungen und Aufforderungen zu Gewalt. Das habe die Macher der Kampagne nicht erstaunt, so Pichler: «Wenn gewisse Menschen in ihrem Glaubenssystem getroffen werden, dann kann das Aggressivität auslösen. Dass man Haustiere auf keinen Fall essen darf, das ist kulturell stark anerzogen.» Umgekehrt reiche es bei Veganern manchmal schon, zu sagen, man esse kein Fleisch – und schon würden Fleischesser aggressiv, so Pichler.

Filmidee nur geklaut?

Ein Schweizer Filmemacher hat gesagt, man habe ihm die Idee von der Büsi-Beiz für die Kampagne geklaut. Pichler sagt, man habe den Film nicht gekannt, und die Idee sei «naheliegend»: «Büsi und Hunde will man in unserem Kulturkreis nicht essen – das bietet sich an für einen Film, der zum Nachdenken über Karnismus anregen soll.»

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • james mc'neil am 15.02.2016 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anmassend

    Wieso nehmen sich Vegetarier dauernd das Recht vor andere ihre Lebensweise aufzuzwingen? Einerseits machen sie sich so selber wesentlich unbeliebter. Andererseits ist es anmassend darüber zu befinden wie sich andere ernähren. Schliesslich ist Vegetarismus ein Luxusproblem, da ohne die heutige moderne Lebensmittel-Herstellung dies gar nicht möglich wäre. Die Jagt gehört seit ewigkeiten zum Mensch. Fressen und gefressen werden ist der Kreislauf der Natur.

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  • Pasha am 15.02.2016 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    imageschaden

    Und wer kommt für den imageschaden an der Schweiz auf, die diese Vegis angerichtet haben?

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  • Michael.dot am 15.02.2016 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt verloren

    Bis zu dieser Aktion hatte ich großen Respekt vor jedem Vegetarier.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Man in Helvetica am 15.02.2016 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbeagentur

    Viel fragwürdiger finde ich das Konzept der Werbeagentur, welche den Imageschaden bewusst in Kauf genommen hat.

  • karma am 15.02.2016 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Mich stört an dieser Aktion nicht die Tatsache, dass eine gewisse Doppelmoral herrscht diesbezüglich (also ein Häsli zu töten um es zu essen ist ok, eine Katze jedoch nicht),entweder man ist Fleischesser oder nicht! Was mich aber ganz extrem stört ist die Frechheit, die Schweiz nun dermassen in ein schlechtes Licht gestellt zu haben, denn dies entspricht ganz einfach nicht der Wahrheit! Hätten sie als Beispiel Deutschland oder Italien genommen, wäre der Aufschrei ebenso gross gewesen, also warum die CH?

  • Minütli am 15.02.2016 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Deutsche-Vegetarierbund 

    Da hat sich ja der Deutsche-Vegetarierbund so richtig ins Zeug gelegt..?! Einfach nur peinlich, so auf sich aufmerksam machen zu müssen. Das ihr ausgerechnet wieder (im Wissen des Schweizer-Gesetzt) mal die Schweiz ausgesucht habt, es möge euch verziehen sein.

  • kotlett am 15.02.2016 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und sie fragen sich noch warum

    genau wegen solchen Aktionen haben die Vegetarier so einen schlechten Ruf!

  • Der Kommentar am 15.02.2016 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch

    Auch wenn dieses Video ein "Fake" war, in der Schweiz ist es LEGAL deine eigene Katze/Hund zu essen! Fleisch ist Fleisch aber ich denke der Mensch hat eine Stärkere Verbinsung zu Katze und Hund, als zu Huhn und Kuh! Man muss sich vorstellen dass Katzen und Hunden schon seit über 500 Jahren als "Haustiere" gehalten werden.