Medikamentenskandal

14. Januar 2018 06:55; Akt: 14.01.2018 09:02 Print

Verfallsdatum bei Krebsmittel gefälscht

In der Schweiz und in Frankreich ist es zu einem Skandal um abgelaufene Krebsmedikamente gekommen. Im Mittelpunkt: eine Firma aus dem Wallis.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zwischen 2007 und 2011 wurden in der Schweiz über 100'000 Ampullen mit abgelaufenen Medikamenten an Schweizer und französische Patienten verabreicht, berichten die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche».

Die Firma Alkopharma aus Martigny VS fälschte die Verfallsdaten, um die Medikamente länger verkaufen zu können. Eigentlich waren sie nur 18 Monate haltbar, teils wurden sie nach sieben Jahren noch verkauft. Die abgelaufenen Dosen entfalteten nur noch eine reduzierte Wirkung.

Der Fall betrifft die meisten grossen Schweizer Spitäler. Insgesamt verkaufte Alkopharma 98'820 Flaschen in Frankreich für mehr als 3,2 Millionen Euro und 2119 Flaschen in der Schweiz für mehr als 207'500 Franken.

Ein Walliser Gericht verurteilte im Jahr 2016 die Verantwortlichen zu Geldstrafen und sagte, es habe für Patienten kein Risiko bestanden.

Auch Kinder waren betroffen

Laut der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic, die fünf Jahre ermittelte in dem Fall, waren die Patienten aber einem klaren Risiko ausgesetzt, weil die Ärzte von einer falschen Dosis ausgegangen waren bei ihren Behandlungen.

Swissmedic hat den Fall deshalb an die nächste Instanz gezogen. Das Inselspital hat inzwischen 23 Patienten identifiziert, die mit dem Medikament behandelt wurden – 15 davon sind Kinder. Sie litten teils an Nierenkrebs und Gehirntumoren.

Auch das Universitätsspital Basel und die Kantonsapotheke Zürich erhielten das Medikament – aber in geringen Mengen. Swissmedic hat im Zuge der Ermittlungen bei verschiedenen Stichproben in der ganzen Schweiz Medikamente mit reduzierter Wirksamkeit gefunden. «Diese Affäre ist in ihrer Grössenordnung bisher einzigartig für die Schweiz», sagt Swissmedic.

(roy/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 14.01.2018 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnsteigerung um jeden Preis

    Mit dem Leid anderer Geld zu verdienen finde ich schon nicht ganz unproblematisch. So lange dabe aber das Wohl und die Gesundheit der Patienten im Fokus stehen, finden wir es legitim. Aber auf so hinterlistige Art und Weise seine Profit (welche auf Krebsmedikamenten ansich schon hoch sind) noch weiter "optimieren" zu wollen, grenzt für mich ans nicht mehr beschreibliche. Wo ist da noch der Unterschied zu Mord?

    einklappen einklappen
  • Anneli am 14.01.2018 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedingt? - gehts's noch?!

    Hier kann ich das Urteil überhaupt nicht nachvollziehen.

    einklappen einklappen
  • Phipu am 14.01.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitskosten

    interessant finde ich, dass die Einheit in Frankreich etwa nur ein Drittes des Preises in der Schweiz beträgt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erklar von Bern am 15.01.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Was, tatsächlich

    Und an den Schlüsselpositionen alles Fachkräfte?

  • Bartli am 15.01.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut übel

    Mir fehlen die rechten Worte und Skandal ist noch eine gemässigte Bezeichnung zu diesem Fall, zu diesem Tun. Aber der Hammer ist, dass wer so was tut auch noch frei herumläufen kann. Es wird einem übel, wenn man so was liest. Möge die Strafe hierbei wirklich gerecht ausfallen.

  • Maris Kälin am 15.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Die oberste Verantwortung trägt der Gesundheitsminister. Er hat auf der ganzen Linie versagt und ist jetzt abgetaucht.

  • Rudolfo am 15.01.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    flpp

    Es gibt schon noch sehr gute Aerzte,mein Mann hat in Oberuzwil der beste Hausarzt,

  • U. Jocher am 15.01.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Widerwärtig Angelegenheit

    Nach meinen Erachten ist dies ein unsäglicher Skandal ohne gleichen. Es geht hier um Menschenleben, um das Vertrauen in die Medizin als ganzes. Wie soll man heute einen Arzt vertrauen? Er selbst weis ja heute nicht was in der Verpackung wirklich ist. Noch weniger kann es seine Krankenschwester wissen welche das Zeug verabreicht. Der Skandal, mit ganz bitterem Nachgeschmack, erschüttert die ganze Welt der schweizer Medizinbranche. Das Vertrauen zwischen Patient und Pfleger wird so völlig zu Grabe getragen. Narkotisch, wie sich die Politik verhält, kann dies nur noch zur Nekrose führen.