Terrorverdacht

09. November 2017 11:43; Akt: 09.11.2017 11:43 Print

Verhafteter Schweizer gibt Radikalisierung zu

In Frankreich und der Schweiz wurden zehn Terrorverdächtige festgenommen. Zwei davon lebten in der Schweiz. Einer hat einem Freund gestanden, dass er sich radikalisiert hat.

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In Zusammenarbeit mit den französischen Behörden hat die Schweizer Bundesanwaltschaft am Dienstag in den Kantonen Waadt und Neuenburg Hausdurchsuchungen durchgeführt und eine 23-jährige Kolumbianerin verhaftet. Sie stand in Kontakt mit einem 27-jährigen Schweizer, der im Rahmen der gleichen Aktion in Frankreich verhaftet wurde. Die beiden waren ein Paar. Sie und acht weitere Verhaftete stehen im Verdacht, einen Anschlag in Nizza geplant zu haben.

Der Schweizer soll Wurzeln in Ex-Jugoslawien haben, berichtet «Le Temps». Er sei in Yverdon aufgewachsen und habe auf dem Bau gearbeitet, meist jedoch temporär. In Yverdon begann dann auch die Radikalisierung: Ab 2014 habe der junge Mann in einer Gruppe von meist südeuropäischen Konvertiten verkehrt, die sich radikalisiert hatten. «Er wirkte nicht gefährlich, aber sehr beeinflussbar», erzählt eine Bekannte der Zeitung.

Aus Koran zitiert und IS verherrlicht

Einem Freund schrieb der Schweizer laut «Le Temps» in dieser Zeit auf Facebook: «Bis 15 war ich Muslim, danach nicht mehr. Seit einem Jahr bin ich es wieder. Radikalisiert.» Auf die Frage, ob er sich in einer Moschee radikalisiert habe, antwortete er: «Nein, ganz allein. Es reicht, zu studieren, Videos zu schauen.»

Schliesslich begann der heute 27-Jährige, auf Social Media auch den Islamischen Staat zu verherrlichen. Er zitierte etwa trotz schlechter Sprachkenntnisse aus dem Koran. Laut der Zeitung pflegte der Mann Kontakt zu einem Waadtländer, der nach Syrien gereist war. Diesen soll er über einen Bekannten aus der Jugendzeit kennen gelernt haben, der für «Lies!» Korane verteilte und in der gleichen Szene verkehrte wie der nun Verhaftete, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Dem Schweizer droht eine Gefängnisstrafe

Der Schweizer und seine 23-jährige Frau haben einen vierjährigen Sohn. «Er sagte mir, sein Sohn halte ihn von Allah fern», erzählt die Bekannte gegenüber «Le Temps». «Er habe ihn davon abgehalten, loszuziehen.» Trotzdem wechselte er den Wohnort: Nach Lausanne, zu seiner Frau. Diese habe sich ebenfalls mitreissen lassen, obwohl er sie nicht davon habe überzeugen können, sich zu verschleiern.

Der Mann sei in letzter Zeit immer häufiger in Frankreich unterwegs gewesen. Dort wurde er auch verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, gegen das Verbot von Gruppierungen wie Al-Qaida, Islamischer Staat oder ähnlichen Organisationen verstossen zu haben. Auch die Unterstützung und Teilnahme an einer kriminellen Organisation wird ihm zur Last gelegt. In Frankreich laufen zudem Ermittlungen wegen der Vorbereitung eines Terroranschlags, schreibt der «Tages-Anzeiger». Sollte er dafür verurteilt werden, droht ihm eine Gefängnisstrafe.


(vro)