CVP-Forderung

18. Dezember 2017 05:42; Akt: 18.12.2017 05:42 Print

Verstösst Kopftuchverbot gegen Religionsfreiheit?

von D. Pomper - Die CVP will Schulmädchen das Kopftuch verbieten. Ob das mit der Religionsfreiheit zu vereinbaren ist, ist umstritten.

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Geht es nach der christlichen Volkspartei CVP, sollen muslimische Mädchen kein Kopftuch mehr an der Schule tragen dürfen. «Kleidungsstücke, welche die Unterordnung der Frau unter den Mann symbolisieren, lehnen wir ab», schreibt sie in einem Parteipapier. Das Verbot unterstützt auch Saida Keller Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. «Viele muslimische Mädchen haben keinen Raum sich normal zu entwickeln.Sie dürfen nicht in den Ausgang, dürfen kein Kontakt zu Buben haben, es wird von ihnen erwartet, ein Kopftuch zu tragen.» Der einzige Raum, wo sie die Erfahrung von Gleichberechtigung machen könnten und die Religion keine Rolle spiele, sei die Schule. Regula Rytz, Präsidentin Grüne, in der Sonntagszeitung. Sie sieht mit dem Kopftuchverbot die Religionsfreiheit verletzt. Keller Messahli widerspricht: «Das Kopftuch ist kein religiöses Gebot sondern Ausdruck des politischen Islam, der zeigt: Männer und Frauen sind nicht gleichgestellt. Mit dem Kopftuch werde die geschlechtliche Reife der Mädchen markiert. Kaum hat sie ihre erste Menstruation, wird ihr beigebracht, dass ihr Körper Quelle von Sünde ist und sie sich für ihn schämen und ihn bedecken muss.» Ob ein Kopftuchverbot an Schulen ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit darstellt oder nicht, ist laut dem Staatsrechtler Rainer Schweizer nicht eindeutig zu sagen. Letztich müsse dies das Bundesgericht entscheiden. Dennoch ist Schweizer gegen ein Kopftuchverbot: Die Schweiz habe zuletzt vor 150 Jahren Kleidervorschriften gekannt.

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Geht es nach der christlichen Volkspartei CVP, sollen muslimische Mädchen kein Kopftuch mehr an der Schule tragen dürfen. «Kleidungsstücke, welche die Unterordnung der Frau unter den Mann symbolisieren, lehnen wir ab», schreibt sie laut der «Sonntagszeitung» in einem Parteipapier zu «Werten und Rechtsstaat», das die Grundlage für einen Religionsartikel bilden sol. Alle Kinder müssten das Recht auf eine gleichgestellte Entwicklung erhalten, unabhängig vom Geschlecht.

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Soll Mädchen verboten werden, an der Schule ein Kopftuch zu tragen?

Das Verbot unterstützt Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. «Viele muslimische Mädchen haben keinen Raum sich normal zu entwickeln. Ihre Familie kontrolliert ihr Leben. Sie dürfen nicht in den Ausgang, dürfen keinen Kontakt zu Buben haben, es wird von ihnen erwartet, ein Kopftuch zu tragen.» Der einzige Raum, wo sie die Erfahrung von Gleichberechtigung machen könnten und die Religion keine Rolle spiele, sei die Schule.

«Religionszugehörigkeit mit Kopftuch ausdrücken»

«Hier herrscht kein Patriarch, der ihnen sagt, was halal ist und was haram (erlaubt und verboten, Anm. d. Red.).» Sie kenne viele Mädchen, die das Kopftuch nicht freiwillig trügen. Doch der Gruppendruck und die Erwartungshaltung der Familie bringe sie dazu.

Kritik an der Forderung äusserte Regula Rytz, Präsidentin Grüne, in der «Sonntagszeitung». Sie sieht mit dem Kopftuchverbot die Religionsfreiheit verletzt: «In unserer offenen Gesellschaft muss es möglich sein, dass jemand die Zugehörigkeit zu einer Religion mit dem Kopftuch ausdrückt.»

«Kopftuch ist Ausdruck des politischen Islam»

Keller-Messahli widerspricht: «Das Kopftuch ist kein religiöses Gebot sondern Ausdruck des politischen Islam, der zeigt: Männer und Frauen sind nicht gleichgestellt.» Mit dem Kopftuch werde die geschlechtliche Reife der Mädchen markiert. «Kaum hat sie ihre erste Menstruation, wird ihr beigebracht, dass ihr Körper Quelle von Sünde ist und sie sich für ihn schämen und ihn bedecken muss.» Hier mit der Religionsfreiheit zu argumentieren, sei ein Hohn für alle Betroffenen.

Ob ein Kopftuchverbot an Schulen ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit darstellt oder nicht, ist laut dem emeritierten HSG-Professor und Staatsrechtler Rainer Schweizer nicht eindeutig zu sagen. «Es stellt sich die Frage: Ist das Kopftuch ein Attribut für eine religiöse Handlung bzw. Ausdruck einer religiösen Haltung? Oder aber entspricht es einer gesellschaftlichen Konvention, die innerhalb einer patriarchalen Struktur gilt?» Hier gingen die Meinungen auseinander, doch letztlich müsse das das Bundesgericht entscheiden.

«Staat schreibt Bürgern nicht vor, was sie anziehen»

Dennoch ist Schweizer gegen ein Kopftuchverbot: «Ich finde zwar den Gedanken richtig, islamische Frauen zu unterstützen und sie aus dem Patriarchat zu befreien - aber nicht über ein Verfassungsverbot.» Die Schweiz habe zuletzt vor 150 Jahren Kleidervorschriften gekannt. «In der Zwischenzeit haben wir uns aber in eine offene Gesellschaft gewandelt, in der der Staat seinen Bürgern nicht festschreibt, was sie anziehen.» Ausserdem könne ein solches Verbot fragwürdige Auswirkungen haben.

«Konsequenterweise könnten dann auch jüdische Kippas oder Kreuze an Halsketten aus dem Schulzimmer verbannt werden», sagt Schweizer. «Mit einem Verfassungsverbot macht man aus privaten Vorstellungen über die Kleidung eine grosse öffentliche Streitfrage, was nur weitere Streitigkeiten anheizt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 18.12.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Wer ein Kopftuch tragen will, soll das machen. Einfach in seiner Heimat. Hier in der Schweiz trägt men kwine Kipftücher mehr. Das tat man früher, als man sich die Haare nicht oft waschen konnte. Heute sollte das ja kein Problem mehr sein. Und wenn das Kopftuch was mit Religion zu tun hat, dann ok. Jedoch will ich dann auch die Kreuze im Schulzimmer haben.

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  • Mike Zac am 18.12.2017 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Islam gehört zur Schweiz

    Leute die das behaupten, weigern sich gleichzeitig den islamischen Terrorismus oder Islamismus als Problem des Islams anzuerkennen.

  • Holger am 18.12.2017 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Islam lässt schliesslich auch das Christentum

    Ich war letzte Woche auf den Malediven. Dort ist wie in allen islamischen Ländern das öffentlich Ausleben meines Glaubens, dem Christentum, verboten. Bei meiner Einreise in Saudi-Arabien wurde mir ein Kalender abgenommen, da das Kreuz der Schweizer Flagge und die Riegelfenster als Christliche Symbole verboten seien. Wieso sollten wir dann ausgerechnet den Islam öffentlich tolerieren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DangerRanger am 18.12.2017 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überschrift

    Ja

  • Mike Zac am 18.12.2017 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Islam gehört zur Schweiz

    Leute die das behaupten, weigern sich gleichzeitig den islamischen Terrorismus oder Islamismus als Problem des Islams anzuerkennen.

  • Clife am 18.12.2017 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Definition zu Integration

    Mir persönlich ist es total egal, wer was trägt. Von mir aus kann Mann wie auch Frau im Clownskostüm in die Schule und wo auch immer kommen. Es gibt genügend zivilisierte Menschen in meinem Umfeld. Dabei steht der Charakter wesentlich mehr im Vordergrund als das Aussehen. Wer tatsächlich als Muslime/Muslima wie auch als Schweizer/Schweizerin zusammenleben möchte ist bei mir herzlich willkommen. Wer aber nur mit Seinesgleichen etwas unternimmt soll fern von mir bleiben. So zumindest definiere ich Integration. Darum ist mir ein Kopftuch oder wasauchimmer egal (auch wenn es erzwungen ist).

    • Martin Brändle am 18.12.2017 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Clife

      Finde ich grundsätzlich eine tolle Aussage. Hast sie leider kaputt gemacht mit dem, was Du ganz am Schluss in Klammern geschrieben hast. Schade!

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  • Spaniel am 18.12.2017 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau Keller-Messahli

    Diese Frau sagt es doch - die spricht doch die Wahrheit. Wir brauchen keine Kopftücher. Wir wollen keine Unterdrückung der Frau und Mädchen. Schon gar nicht aus rein politischen Gründen.

  • Mecker Ziege am 18.12.2017 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hüte und Mützen auch verbieten!

    Ich weiss nicht, was ein Kopftücher mit Religion zu tun hat. Ein solches kann man tragen als Schutz gegen Sonne, Wind und Kälte. Auch gegen das Übertragen von Läusen wird es benutzt. Bei uns gibt es auch Trachten mit Kopfbedeckung, die müssen dann auch verboten werden.