Untervermietung

03. Oktober 2017 07:28; Akt: 03.10.2017 07:28 Print

Verwaltungen jagen fehlbare Mieter auf Airbnb

von Silvana Schreier - Wer seine Wohnung auf Airbnb vermieten will, muss dies mit seinem Vermieter absprechen. Sonst droht die Kündigung.

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Das Zürcher Mietgericht fällte im Februar ein vielbeachtetes Urteil: Es sprach einen Mieter schuldig, der seine Bleibe ohne Einverständnis des Vermieters über die Buchungsplattform Airbnb angeboten hatte – zu einem überhöhten Mietzins. Laut dem Gericht verstiess er damit gegen das Mietrecht. Er musste dem Vermieter gemäss des Urteils einen Teil des erwirtschafteten Gewinns abgeben und darf keine Wohnungen mehr vermieten.

Nun reagieren Immobilien-Verwaltungen auf das Urteil. Die Zürcher Kornhaus Verwaltungs AG etwa weist die Mieter ihrer Liegenschaften in einem Schreiben darauf hin, dass man «systematisch» die Wohnungsinserate auf Plattformen wie Airbnb überwache. «Sollte festgestellt werden, dass Wohnungen ohne Zustimmung der Vermieterschaft untervermietet werden, werden Kündigungen der Mietverhältnisse der fehlbaren Mieter konsequent durchgesetzt», heisst es im Brief weiter.

Fehlbare Mieter bekommen Abmahnung

«Pro Kontrolle wird im Schnitt ein Mieter bei der illegalen Untervermietung seiner Wohnung erwischt», sagt Christian Müller, Leiter der Bewirtschaftung bei der Kornhaus Verwaltungs AG. Man schaue ein- bis zweimal pro Monat «grob die Plattform Airbnb durch». Fehlbare Mieter erhielten eine Abmahnung, falls diese keine Wirkung zeige, folge die Kündigung des Mietverhältnisses.

Ähnlich geht das Immobilienunternehmen Allreal vor: «Wir weisen unsere Verwaltungen an, sporadisch zu überprüfen, ob Wohnungen auf Airbnb angeboten werden», sagt Sprecher Matthias Meier. Bei den drei für Touristen attraktivsten Liegenschaften in Zürich-West würden diese Kontrollen alle vier Wochen durchgeführt. «Stossen wir auf einen Mieter, der seine Wohnung unabgesprochen untervermietet, informieren wir ihn, dass er die Untervermietung der Verwaltung melden muss.»

Auch die schweizweit tätige Livit AG macht Stichproben, um missbräuchliche Untervermietungen aufzudecken. «Wenn Mieter ihre Räume untervermieten, ohne dies vorgängig abgesprochen zu haben, suchen wir das Gespräch und verweisen auf den Mietvertrag», sagt Sprecherin Marietta Hersche. Falls die «Spielregeln» dennoch nicht eingehalten würden, käme eine Kündigung des Mietverhältnisses infrage.

Untermietvertrag macht Airbnb legal

Katja Stieghorst, Juristin beim Hauseigentümerverband (HEV) stellt fest, dass es «immer mehr Streitigkeiten wegen Untervermietungen» gibt: «Oftmals beschweren sich Nachbarn über Fremde, die im Wohnhaus ein- und ausgehen.» Der HEV hilft Vermietern, die nicht sicher sind, ob ihre Wohnung unerlaubt untervermietet wird: «Wir raten ihnen dazu, Plattformen wie Airbnb zu durchforsten», sagt die Juristin. Den Mietern, die ein Zimmer oder die ganze Wohnung untervermieten möchten, empfiehlt Stieghorst, «offen und präventiv» vorzugehen. Man solle die Untervermietung frühzeitig anmelden und offenlegen, wie lange, an wen und für welchen Mietpreis die Räumlichkeiten vermietet würden.

Für Michael Töngi, Generalsekretär des Mieterverbands (MV), ist das Einhalten solcher Regeln bei Airbnb-Vermietungen schwierig: «Es ist unrealistisch, dass man jeden Gast neu beim Vermieter anmelden muss», sagt Töngi. Allgemeine, globale Einwilligungen müssten deshalb möglich sein. Wichtig sei, dass «kein Geschäftsmodell aus dem Vermieten der eigenen Wohnung gemacht wird und die Mieter keine missbräuchlichen Preise verlangen».

Eine solche Regelung könnte ein Untermietvertrag sein. «Das ist quasi eine Lizenz zum Untervermieten – sei es für kurze Zeit oder langfristig», so Meier von Allreal, die den Mietern solche Verträge ausstellt. Die Bedingungen sind darin klar geregelt: Beispielsweise darf die Untermiete höchstens 20 Prozent höher sein als die Nettomiete und auch die maximale Anzahl Gäste ist begrenzt. Zudem muss die Hausordnung der Liegenschaft eingehalten werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Utop am 03.10.2017 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich richtig

    Es kann ja nicht sein dass ein Mieter Profit gegenüber dem Vermieter rausschlagen kann. Sonst müsste der Vermieter den Mietzins erhöhen, was ja dann gewissen Kreisen auch nicht gefallen wird.

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  • Fred vom Jupiter am 03.10.2017 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Knebelverträge

    Genau deshalb, weil die Mietveträge in keinem Verhältnis stehen von Mitzins mit den Vertragsdetails (untervermietung, Kündigungsfristen,...) wohne ich im Eigentum, einem Wohnmobil, ist klein aber mein und vom gesparten Geld arbeite ich reduziert. Noch nie war ich do zufrieden wie seit ich das tue!

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  • Utop am 03.10.2017 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich richtig

    es kann ja nicht sein dass ein Mieter auf Kosten des Vermieters Profit machen kann. Sonst müsste ja der Vermieter den Mietzins erhöhen, was ja auch nicht im Interesse des Mieters sein wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chl am 03.10.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle ist gut

    Ich finde es ok, dass kontrolliert und dann sanktionieret wird. Die Bestimmungen sind klar für alle Mieter. Und auch zum Schutz der Nachbarn.

  • Pit M. am 03.10.2017 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eines der Hauptprobleme

    Es können auch ganz schräge Vögel reisen, oder sogar Kriminelle, die bei einem Hotel auffliegen würden. Das ist für mich einer der wenigen Gründe, weshalb man da einen Weg finden muss. Evtl. nur Namen von Pass in Datenbanken eingeben. Gleich wie Bitcoin, hilft den Verbrechern, dass gehört abgestellt. Es wird doch sonst alles unnötige Reguliert.

  • Andy am 03.10.2017 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    Hauptsache Vermieterbashing, der Mieterverband sollte sich klar positionieren, entscheidend ist jedoch der Eigentümer Institut Untermiete ist kaum für Airbnb konstruiert

  • phil am 03.10.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fairness Vermieter?

    Schliesslich schlagen die Vermieter - vorallem in Grossstädten - keinen Gewinn aus überrissenen Mieten.... (wer's glaubt).... Wieviel wird aktuell beispielsweise für eine 1.5 Zimmerwohnung in Bern verlangt? Fr. 1950.-.... hmhm....

  • Fritz Weber am 03.10.2017 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Den Vermietern nur Geld anbieten, das ist das einzige woran sie interessiert sind.