«Intensität überrascht»

07. Mai 2015 16:26; Akt: 07.05.2015 17:14 Print

Viele Deutsche fühlen sich hier nicht willkommen

Wie fühlen sich Deutsche in der Schweiz? Eine neue Studie gibt Aufschluss darüber. Der Studienautor wurde von der Emotionalität des Themas überrascht.

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Jeder fünfte Deutsche wurde in der Schweiz bei der Miete schon einmal wegen seiner Nationalität benachteiligt.

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Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen hat das Befinden der Deutschen in der Schweiz untersucht. Etwa 1000 in der Schweiz arbeitende Deutsche beantworteten dafür 2014 online eine ganze Reihe von Fragen.

Studienautor Thomas Köllen sagt zu 20 Minuten: «Ich war überrascht von der Intensität des Themas, das habe ich so noch nie erlebt.» Er habe viele Rückmeldungen erhalten von Deutschen, die sich gefreut hätten, das Thema zu behandeln. «Einige Teilnehmer hätten noch lieber über ihre Erfahrungen im Alltag gesprochen, aber als Wirtschafts-Uni haben wir uns stark auf die Arbeitswelt konzentriert.»

Benachteiligungen wegen der Nationalität

Je nach Thema gaben 13 bis 24 Prozent der befragten Deutschen an, in der Schweiz wegen ihrer Nationalität benachteiligt zu werden: 21 Prozent hatten diesen Eindruck beispielsweise beim Kauf oder der Miete einer Wohnung oder eines Hauses. 15 Prozent gaben an, ihnen sei eine Anstellung verweigert worden, weil sie Deutsche seien.

Befragungen zu Themen wie Service im Restaurant, zu Respekt und Höflichkeit zeigten, «dass verschiedene Arten von Zurücksetzung oder Ungleichbehandlung im Schweizer Alltag in unterschiedlicher Intensität erlebt werden», folgerten die Verfasser aus den Umfrageergebnissen.

Antideutsche Grundstimmung

Eine antideutsche Grundstimmung in der Schweiz werde von vielen Deutschen wahrgenommen, heisst es. Dies wirke sich vor allem auch am Arbeitsplatz aus. Einige der Zuzüger versuchten, durch bewusst gesteuertes Verhalten Geringschätzungen zu entgehen: So gaben 23 Prozent der Befragten an, «manchmal weniger oder gar nicht zu reden, damit sie aufgrund ihrer Aussprache nicht als Deutsche identifiziert werden».

Die Befragten mussten sich für die Studie auch zu folgender These äussern: «In die Schweiz kommt man nicht als Deutscher, sondern man wird in der Schweiz erst zum Deutschen gemacht.» 15 Prozent stimmten dieser Aussage «voll zu», 34 Prozent kreuzten das Kästchen «stimme eher zu» an. 19 Prozent entschieden sich für «weder noch», die übrigen 32 Prozent der Befragten lehnten die These «eher» oder «ganz» ab.

Viele fühlen sich nicht willkommen

Eine der Schlussfolgerungen aus der Studie: Etwa 30 Prozent der in der Schweiz lebenden Deutschen fühlten sich «nicht willkommen und nicht dazugehörig». Weitere 30 Prozent teilten diese Empfindung zumindest teilweise.

Fritz Burkhalter vom Swiss German Club sagt zu 20 Minuten: «Einige Deutsche schaffen es nicht, sich in der Schweiz heimisch zu fühlen.» Das liege an fehlenden Freunden, an der Arbeit, am Staat, am Umfeld – aber laut Burkhalter müssen sich Deutsche auch an der eigenen Nase nehmen: «Man muss sich engagieren, in Vereine gehen, einen Schritt auf die Schweizer zumachen.»

Burkhalter erinnert an das Jahr 2008, als eine Zuwanderungswelle aus Deutschland in die Schweiz kam – und damit auch die entsprechenden Diskussionen. «Meiner Meinung nach klappt es nun auch mit der Integration besser. Aber es gibt natürlich Einzelfälle, die sich hier nicht wohlfühlen.»

(num/sda/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Deutscher am 07.05.2015 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Also ich wohne seit 5 Jahren in der Schweiz, ich habe noch nie derartige Erfahrungen gemacht. Zum Thema reden, also ich kann mich auch ganz gut über den Schweizerdialekt lustig machen, da lachen sogar meine Schweizerkollegen drüber. Ich denke die 30 % gehören zu den nicht integrationsfähigen die immer davon reden "also in Deutschland machen wir das anders", die waren vermutlich auch in DE Aussenseiter...

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  • Schweiz muss Schweiz bleiben am 07.05.2015 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Dialekt lernen

    Ich sage nur eins: Wenn ich nach Deutschland gehe, schalte ich auf Hochdeutsch um. Deshalb regt es mich fürchterlich auf, wenn einige Deutschen auch nach zehn Jahren in der Schweiz immer noch verlangen, dass ich Mitten in Zürich Hochdeutsch spreche. Nein, will ich nicht!

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  • student am 07.05.2015 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Studien...

    Gerne würde ich einmal eine Studie sehen die zeigt, wieviele sinnlose Studien jedes Jahr gemachtwerden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter R am 08.05.2015 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Ich kenne viele Deutsche, ich hatte nie Probleme mit ihnen. Ich denke, die in der Schweiz lebenden Deutschen, die sich in der Schweiz «nicht willkommen und nicht dazugehörig» fühlen, sollten sich einmal Gedanken darüber machen, ob es nicht an ihnen selbst und an ihrem Verhalten liegt. Sie dürfen natürlich nicht erwarten dass sich die Schweizer ihnen anpassen, sondern schon ein gewisses Mass an Integration erwarten. Es ist klar, dass jemand nicht von einem Tag auf den anderen Schweizerdeutsch lernen kann, das verlangt auch niemand. Aber es kann doch nicht so schwer sein, zu begreifen, dass zum Beispiel jemand einen guten Appetit wünschen auf Schweizerdeutsch heisst: «en Guete» oder «en Guete mitenand» und nicht «Mahlzeit»

  • KULT-Urbanause am 08.05.2015 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fühle mich wohl

    Ich bin 10 Jahre in der Schweiz und stosse nur selten auf unfreundliche oder rassistische Schweizer. Natürlich gibt es diese.. .aber Idioten gibt es in jeder Nation überall auf der Welt. Ein wenig genervt bin ich lediglich davon, dass es eine wachsende Gruppe gibt die "uns" und andere Ausländer fürs alles Elend in der Schweiz verantwortlich machen will. Ich kenne genug Leute die so denken... das betrifft aber immer die annonyme Masse und nie welche die man persönlich kennt. Auch damit sind die Schweizer nicht allein auf der Welt.

  • Sam Sam am 08.05.2015 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten

    Es kommt auf das Verhalten an. Wenn sich ein Deutscher nicht voll daneben benimmt, wird er sicher auch anständig behandelt. Ich in zwischen Zeit viele kennen gelernt und kann sagen, dass ich mich mit ihnen gut verstehe. Klar, gibt es welche die sich daneben benehmen, aber es gibt auch solche Schweizer... Die die sich nicht heimisch fühlen, können ja zurück gehen. Oder überwiegt der Lohn diesen Schritt?

  • Ca Mau am 08.05.2015 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nunja....

    Es gibt Deutsche und Deutsche, genauso wie es Schweizer und Schweizer gibt, aber wenn man halt die Wirtschaftliche Entwicklung hier beobachtet, dann verstehe ich schon, dass man einen dicken Hals bekommt und alle in den gleichen Topf wirft und wer das Gefühl hat, WIR müssen uns anpassen, soll doch bittschön wieder zurück gehen.

  • italiener am 08.05.2015 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    deutschen

    hab selber viel mit deutschen zu tun. mit ausnahme von meinem 2nd level manager, ganz einen klugen mann, muss sagen, hab mit ihnen selber muhe, viel mehr als mit schweizer. fast alle deutsche die ich kenne, sind ähnlich: verstehen keine humor, zu serios, besserwisser, locker ist fremdwort. mein mitbewohner an meine frage "wie gehts" nach ein paar mals sagte "ich weiss nicht wieso du mir das fragst" O_O war in april in WB in deutschland, meist leute waren gleich wie oben beschrieben. ich hab mich hier angepasst, wieso machen sie auch nicht das??