Initiative zustande gekommen

28. Juni 2018 16:24; Akt: 28.06.2018 16:24 Print

Volk darf über Pestizid-Verbot abstimmen

Die Initiative, die ein Verbot von Pestiziden fordert, ist zustande gekommen. 121'307 gültige Unterschriften sind eingegangen.

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121'620 Personen haben die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» unterschrieben. Sie fordern ein Verbot von Pestiziden. Auch der Import behandelter Lebensmittel soll verboten werden. Gemäss Markus Ritter, dem Präsidenten des Bauernverbands, würde die Initiative zu einer Preiserhöhung bei Lebensmitteln von 20 bis 30 Prozent führen. Die Landwirtschaft reduziere den Verbrauch bereits heute. Bauern setzen bei ihrer Arbeit immer wieder auf die Hilfe von Pflanzenschutzmitteln. Etwa 2200 Tonnen werden jährlich auf den Böden verteilt. 20 Minuten zeigt, in welchen einheimisch produzierten Lebensmitteln Pestizide zurückbleiben können. Auch für die Produktion von Äpfeln werden Pestizide eingesetzt. Gegen den Apfelschorf, der bei den Früchten bräunliche Flecken verursacht, wird Captan gespritzt, ein potenziell krebserregendes Gift. Greenpeace entdeckte bei einer Untersuchung 2015 in vier von acht konventionellen Schweizer Äpfeln Rückstände von Pestiziden, darunter Captan. Die Schweizer Grenzwerte wurden aber eingehalten. Laut der Stiftung Vision Landwirtschaft ist der hohe Pestizid-Einsatz bei Obst darauf zurückzuführen, dass die Händler makellose Ware forderten. Die Hauptquelle für das Schweizer Trinkwasser ist das Grundwasser: 80 Prozent wird aus dem Untergrund gepumpt. An jeder fünften Trinkwasserfassung wird laut der nationalen Grundwasserbeobachtung jedoch der Toleranzwert bei Pestiziden von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. Die Stiftung Vision Landwirtschaft hält in einer Analyse fest, dass «laut einer zunehmenden Anzahl von Studien die permanente Pestizidexposition über Nahrungsmittel einen relevanten Risikofaktor für Krebs, Parkinson, oder Entwicklungsstörungen bei Kindern» darstellt. «Angesichts des sehr verbreiteten Einsatzes von Pestiziden im Weinbau» untersuchte im Juni der Verband der Schweizer Kantonschemiker 156 Schweizer und 99 ausländische Weine. Laut dem Verband verwenden Schweizer Weinbauern häufiger verschiedene Pestizide als ihre ausländischen Kollegen, weil die Reben bereits gegen das Gift resistent geworden sind. Das Fazit der Untersuchung: Nur 20 von 255 Proben waren völlig frei von Pestiziden. Sechs Weine überschritten die Grenzwerte, wobei es sich ausschliesslich um Schweizer Weine handelte. Neonikotinoide sind Nervengifte und gehören zu den effektivsten Mitteln der Schädlingsbekämpfung. Schweizer Bauern verwenden es für die Behandlung von Rüben oder Raps. Laut Bundesrat sind die Rückstände in den essbaren Pflanzenteilen «sehr gering bis nicht nachweisbar». Zu schaffen machen sie den Bienen, die als Bestäuber mit dem Gift in Kontakt kommen. Im Honig sind ist das Mittel für den Menschen in der Regel unbedenklich. Laut Studien könnten Neonikotinoide aber schuld am Bienensterben sein, da die Bienen ihre Orientierung und das Gedächtnis verlieren.

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Die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ist formell zustande gekommen. Die Bundeskanzlei bestätigte am Donnerstag die Gültigkeit von 121'307 Unterschriften.

Das Volksbegehren war vor einem Monat von der Gruppierung «future3.0» aus Neuenburg eingereicht worden. Laut Bundeskanzlei waren 121'620 Unterschriften abgegeben worden.

Initianten sind hoffnungsvoll

Die Initianten wollen synthetische Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege verbieten.

Verboten werden soll auch die Einfuhr von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mit Hilfe solcher Substanzen hergestellt worden sind. Die Initiative müsste innerhalb von zehn Jahren auf Gesetzesebene umgesetzt werden.

In den Augen der Initianten ist es «absolut möglich», die Versorgung der Menschen in der Schweiz aus einheimischer Produktion und Import-Lebensmitteln ohne synthetische Pestizide sicherzustellen.

Bauernverband ist gegen Initiative

Auf der Verbotsliste der Initianten stehen auch Produkte wie der umstrittene Unkrautvertilger Glyphosat oder die für Bienen gefährlichen Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Dem Initiativkomitee gehören sieben Personen aus der Region Neuenburg an, die nach eigenen Angaben keiner politischen Partei angehören.

Es ist nicht die einzige Initiative, die sich gegen Pestizide richtet. Das Stimmvolk wird sich auch mit der Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung - Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» befassen. Der Bauernverband (SBV) lehnt beide Initiativen ab.

(sda)