Tamedia-Wahlumfrage

29. Juni 2018 07:37; Akt: 29.06.2018 07:37 Print

Volk ist für Kostenbremse gegen steigende Prämien

SP und CVP treffen mit ihren Krankenkassen-Initiativen einen Nerv: Die steigenden Gesundheitskosten stehen bei den Sorgen der Schweizer an erster Stelle.

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2018 stiegen die Krankenkassenprämien wieder um vier Prozent – eine Entwicklung, die seit mehr als 20 Jahren anhält. Für viele Schweizer ist die Schmerzgrenze erreicht: 70 Prozent sehen in den steigenden Gesundheitskosten ein drängendes Problem, wie die zweite Tamedia-Umfrage vor den Nationalratswahlen im Herbst 2019 zeigt. Damit belegt das Thema im Sorgen-Ranking den ersten Platz.

Lösungen versprechen sowohl SP und CVP – beide Parteien haben fürs Wahljahr eine Volksinitiative im Köcher. Laut der Befragung kommen beim Volk beide Projekte gut an.

Klare Mehrheit für die Kostenbremse

So unterstützen derzeit 71 Prozent eine Kostenbremse, wie sie die CVP verlangt. Nur 21 Prozent würden den Mechanismus ablehnen. Die Initiative der CVP fordert, dass Bund und Kantone Massnahmen zur Kostensenkung ergreifen müssen, wenn die Kostensteigerung im Gesundheitswesen eine bestimmte Schwelle überschreitet.

Die SP will ihrerseits dafür sorgen, dass die Prämienlast bei keinem Haushalt mehr als zehn Prozent des verfügbaren Einkommens überschreitet. Einer solchen Initiative würden derzeit 62 Prozent sicher oder eher zustimmen, 35 Prozent lehnen die Idee ab.

«CVP-Initiative ist nur eine Absichtserklärung»

Für SP-Fraktionschef Roger Nordmann ist klar: «Die Gesundheitskosten werden im Wahlkampf ein dominantes Thema sein – ob es der SVP passt oder nicht.» Dass die Entlastungsinitiative populär ist, überrascht ihn nicht. «Die Prämien sind extrem schmerzhaft für den Mittelstand, vor allem wenn ein Haushalt mehrere bezahlen muss.» Die CVP habe das Problem ebenfalls erkannt, deren Initiative sei aber nur eine Absichtserklärung. «Mit der Plafonierung der Prämien entlasten wir den Mittelstand konkret. Viele Leute würden profitieren.» Zugleich müsse man das Angebot an Privatkliniken und Spezialärzten eindämmen. Und natürlich die Lobbyisten bremsen.

Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister sagt, die Prämienbelastung sei für den Mittelstand unerträglich geworden. «Die CVP nimmt als einzige bürgerliche Partei ihre soziale Verantwortung wahr.» Eine Kostenbremse heisse nicht, dass Leistungen abgebaut werden müssten: «6 Milliarden Franken lassen sich ohne Qualitätsverlust einsparen.» Ziel sei es, das System voller falscher Anreize zu verbessern. Heute hätten die Leistungserbringer keinen Anreiz zu sparen, weil sie alles auf den Prämienzahler abwälzen könnten. Die Initiative der SP sei nicht die Lösung: «Unsere Initiative setzt bei den Kosten an. Die SP dagegen will das Problem mit Steuergeldern kaschieren.»

CVP weiterhin im Formtief

Schwung durch die Volksinitiative käme der CVP gelegen: Wäre am vergangenen Sonntag gewählt worden, käme sie noch auf eine Parteistärke von 10 Prozent – das sind 1,6 Prozent weniger als bei den Wahlen 2015. Die Partei kann den Abwärtstrend aber stoppen: Bei der letzten Tamedia-Wahlumfrage von Anfang Jahr erreichte die Partei einen Wähleranteil von nur 9,1 Prozent.

Auf hohem Niveau stabil ist laut der Umfrage die SVP: Sie kommt auf 29,2 Prozent, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als bei den Nationalratswahlen 2015. Vor Ort treten auch die FDP, die SP und die Grünen, bei denen die Veränderungen nicht im signifikanten Bereich liegen. Gut in Form ist die GLP: Sie kommt laut der Umfrage auf 5,7 Prozent (+ 1,1 Prozentpunkte).

Die Umfrage

14'851 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 21. und 22. Juni online an der Tamedia-Wahlumfrage teilgenommen. Das Wahlbarometer wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibt eshier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaby am 29.06.2018 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Blabla

    Ich habe es satt zu lesen und hören dass die KK zu teuer sind und teurer werden, ich will endlich Taten erleben und in meinem Portemonnaie sehen.

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  • Yousay am 29.06.2018 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ahnungslos

    Kann mir mal jemand erklären, wofür die Prämie immer teurer wird? Irgendwann versinkt ja das Volk, welches nicht genug Geld hat in Schulden und Betreibungen. Muss ehrlich sagen, ich finde meine Prämie jetzt schon zu hoch, dafür das der servic gerade mal genügend ist.

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  • Thunder83 am 29.06.2018 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder

    Die Schwelle ist seit Jahren überschritten! Tut endlich was dagegen und hört mit sollte, könnte, müsste auf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J.F.K. am 01.07.2018 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    es reicht!

    10%? Spinnen sie? das ist viel zu viel!!! Man sollte ein ganz anderes System einführen und zwar so eine wie SUVA- ES funktioniert hervorragend. Auf solche Art soll auch die Gesundheitskassen funktionieren. Und den Namen muss das System auch ändern.

  • Kritiker am 01.07.2018 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    hey, Bundesrat!!!

    Ich hoffe, dass dem BR bewusst ist, dass es nicht mehr viel braucht, dann ziehen die Proteste durch die Strassen

  • Pia am 30.06.2018 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärzte = Geld

    Tja die Ärzte wollen nur noch verdienen. Ich habe Zeit fast ein Jahr eine Entzündung an beide Fersen war 4 mal beim Arzt . Ich bekam Physiotherapie, Einlagen (teure) habe sie nicht geholt und nur wenn es schrecklich weh tat habe ich schmerztabletten genommen die ich selber bezahlt habe. Ging nicht mehr zum Arzt wofür? Damit ich wieder in die teure physio gehen kann? Meine Schwester hat kürzlich eine Entzündung Anden Achillesferse bekommen und ihr Arzt gab ihr eine Salbe und Pflaster gegen die Entzündung, sie gab mir den Name weiter, nach 2 Tagen fast keine Schmerzen mehr

  • Versicherte am 30.06.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    10 Prozent des Einkommens?

    Achso, jetzt wird plötzlich von Prozenten gesprochen! Gute Idee, einfach bei allen in der Schweiz Versicherten 10% des Einkommens einfordern und mal gucken wie schnell dann die KK saniert werden kann. Leider denken die SP und CVP natürlich nur an den Mittelstand - der soll bluten. Die anderen kriegen Prämienverbilligungen, die KK wird sowieso vom Statt bezahlt oder sie sind so reich dass es sie nicht juckt ob sie nun 5'000 oder 10'000 pro Jahr zahlen müssen.

  • Orion66 am 30.06.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kostenbremse

    Wissen Sie noch was SP exBundesrätin Dreyfuss damals für ein Wahlversprechen abgab ? Genau das Gegenteil geschah. Und nun soll man SP nochBundesrat Berset seiner warmen Luft glauben die er verbreitet. Nichts wird geschehen. Nur schöne Worte werden wir hören. Bern hat die Angelegenheit nicht mehr im Griff. Eine Einheitskasse wäre dringend nötig, wenn auch dies nicht das Gelbe vom Ei ist.

    • Logos am 01.07.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

      Verursacherprinzip

      Es sollte das Gesetz her, das die Verursacherprinzip einführt. Dann werden die Politiker 1000 mal besser überlegen bevor sie lügen und vertuschen in eigenem Interesse

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