Nationalratswahlen

02. September 2015 19:07; Akt: 03.09.2015 12:31 Print

WOZ greift Sitz von «Weltwoche»-Autor an

Peter Keller (SVP) musste in Nidwalden nicht um seine Wiederwahl bangen – er war der einzige Kandidat. Doch jetzt schickt auch die WOZ einen Redaktor ins Rennen.

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Peter Keller hatte seinen Sitz im Nationalrat so gut wie verteidigt – noch bevor ein einziger Wahlzettel abgeschickt war. Denn bis kurz vor Ablauf der Meldefrist war der SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Autor der einzige Kandidat, der sich im Kanton Nidwalden für die Wahlen kandidiert hatte. Keller wäre damit in «stiller Wahl» bestätigt worden.

Im letzten Moment erhält der Solo-Kandidat jetzt aber doch noch Konkurrenz. In der Befürchtung, dass Nidwaldens Demokratie «zur Farce verkommt», schickt die Wochenzeitung WOZ ihren Redaktor Andreas Fagetti ins Rennen. Der 55-Jährige ist gebürtiger Rheintaler und kandidiert unter der Listenbezeichnung «Demokratie ermöglichen».

Bei Wahl hängt WOZ-Redaktor Job an den Nagel

In ihrer Pressemitteilung betont die Zeitung, dass sie die Gewaltentrennung zwischen Politik und Journalismus ernst nimmt. Während des Wahlkampfs sei Andreas Fagetti von seiner redaktionellen Tätigkeit bei der WOZ freigestellt, präzisiert die WOZ. Weiter stellt sie klar: «Sollte Andreas Fagetti am 18. Oktober gewählt werden, wird er mit Amtsantritt aus der Redaktion ausscheiden.»

Die Zeitung ist überzeugt, dass Fagetti der bessere Nationalrat für Nidwalden wäre. «Seine Kandidatur garantiert, dass in Nidwalden die Demokratie nicht zur Tyrannei der abnickenden Mehrheit verkommt.» In einem Porträt sagt Fagetti über sich: «Ich verstehe mich als Vertreter der kleinen Leute.» Er wisse, was es heisse, mit wenig Geld auskommen zu müssen. Einsetzen will sich der WOZ-Redaktor gegen die Tiefsteuerpolitik, die mittlerweile viele Kantone in eine Sackgasse geführt habe.

Keller bleibt gelassen

Der neue Konkurrent bringt Peter Keller nicht aus der Ruhe. «Ich habe nicht darauf spekuliert, ohne Gegenkandidat anzutreten», sagt er. Als Pluspunkt bezeichnet er seine regionale Verankerung. «In einem kleinen Kanton wie Nidwalden spielt das eine grosse Rolle.» Er sei in Nidwalden aufgewachsen, im Verein tätig, sein Bruder habe ein Geschäft und schon sein Vater sei politisch aktiv gewesen.

Der Rheintaler Andreas Fagetti würde im Falle einer Wahl nach Nidwalden ziehen. Gegenüber der WOZ sagte er: «Ich würde ja die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner vertreten. Also müsste ich nahe an ihrem Alltag sein.»

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TomAte am 02.09.2015 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie ermöglichen

    Bemerkenswert, wie immer alle die Demokratie propagieren, gleichzeitig aber keine anderen Meinungen zulassen...

  • Noldi nid dem Wald am 02.09.2015 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für die Mehrkosten

    Lieber Zürcher Kandidat, ist es wirklich nötig unsere Staatskasse dank ihrem Grössenwahn zu belasten? Die stille Wahl wäre gratis gewesen und der Peter Keller wird ganz sicher wiedergewählt. Schade, dass die Linken nicht vor die Nase denken!!!

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  • wählerin am 02.09.2015 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leere Versprechungen

    Oh, wie schön wäre es, wenn all die gewählten Damen und Herren jeweils ihre Versprechungen halten würden. Aber wenn es schon Obama nicht gelingt (KK, Guantanamo), wie soll es erst bei uns klappen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg Grunder am 03.09.2015 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalratswahl

    Gibt es Nidwalden keine anderen geeigneten Kandidaten?

  • Röufu am 03.09.2015 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und wenn er gewinnt?

    Der SVPler ist einziger Kandidat gewesen bisher. Das geht gar nicht!!!! Und hier schreien alle "Demokratie" und "unabhängiger Journalismus" ohne sich auch nur etwas die Augen zu reiben, dass Nidwalden so ein Ein-Parteien-System hat wie Kuba...

  • Silver am 03.09.2015 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist das Schöne in der Schweiz

    Die Demokratie. Jeder kann sich aufstellen und wählen lassen. Und das ist gut so. Wenn er gute Argumente hat, einen Leistungsausweis und die Mehrheit der Bevölkerung sich mit ihm solidarisieren kann, dann kann er gewählt werden. In diesem speziellen Falle kommt es mir eher wie ein Witz vor. Oder es ist einfach nur eine PR Gag um die WOZ wieder einmal erwähnt zu sehen.

  • Bünzli am 03.09.2015 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoppla

    Halte sonst wenig von der WOZ, aber wenn sie das tatsächlich unterstützt dann hat das Stil! Vielleicht keimt auch im WOZ Lager ein bisschen Akzeptanz für den Volkswillen dadurch (ohne wenn und aber) - hoffen wirs

  • Nötzli am 03.09.2015 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    120'000 für 50% Job ? Cool !

    120'000 für Teilzeit Job ? Sicher besser bezahlt als bei der WOZ. Und der Herr vom ultralinken Blättchen muss sich dann auch nicht über zu viel Arbeitszeit beklagen. Das gibt doch maximal 50% Stelle als Nationalrat. Zu den 120'000 kommt ja noch das GA etc etc etc und zb 115 CHF Mahlzeitenentschädigung pro Sitzungstag. Auch sehr grosszügig.

    • Stolperstein am 03.09.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn schon,dann schon

      Vorschlag. Für 50 Prozent gibt's gut 60 000.- Franken. Fragen sie mal Herr Keller was er davon hält.

    • Ton Ton am 03.09.2015 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Hans was Heiri

      Der saftige Lohn wird wohl auch ein Grund sein, dass der Weltwoche-Autor den Politikerjob haben möchte. Die von der Weltwoche zahlen wahrscheinlich auch nicht so gut. Aber das interessiert ja keinen von der rechten Seite...

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