Radio und TV

05. Januar 2018 11:37; Akt: 05.01.2018 14:22 Print

Warum fällt SRF-TV bei den Jungen durch?

von D. Pomper - 18- bis 34-Jährige konsumieren deutlich seltener SRG-Angebote als ältere Semester. Die SRG kämpft mit neuen Formaten um ihre Gunst.

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43 Prozent aller Befragten geben an, mindestens täglich Angebote der SRG zu konsumieren. Das Konsumverhalten unterscheidet sich allerdings je nach Altersklasse signifikant. Bei den 18- bis 34-Jährigen teilen sogar drei Viertel diese Meinung. Insbesondere Männer (72%) und 18- bis 34-Jährige (69%) könnten gut darauf verzichten. Ein grosser Teil von ihnen findet die Sendung zu teuer oder peinlich. 29 Prozent stellen sich hinter die Sendung. , 32 Prozent sind unzufrieden. Aber auch Sendungen in den Bereichen Sport (44%), Unterhaltung und Film (41%) sowie Kultur, Gesellschaft und Bildung (40%) erfahren grossen Zuspruch. 35 % finden, dass SRF insgesamt eine linke Agenda verfolgt. 3% meinen, SRF verfolge eine rechte Agenda. Je besser ausgebildet die Befragten, desto eher sind sie von einer neutralen und ausgewogenen Berichterstattung überzeugt. 45 Prozent wünschen sich eine SRG in einer schlankeren Form mit einem kleineren Angebot. 34 Prozent wollen eine SRG, die gleich gross ist wie bisher, 8 Prozent wollen eine SRG mit einem grösseren Angebot. 16 Prozent sind dagegen, 5 Prozent haben keine klare Meinung dazu. Sparen würden die Sparbefürworter am liebsten bei Unterhaltungsshows und teuren Eigenproduktionen. Neu beträgt die jährliche Billag-Gebühr 365 Franken. 37 Prozent finden das einen angemessenen Betrag oder wären gar bereit, mehr dafür zu bezahlen. 63 Prozent dagegen würden höchstens 200 Franken pro Jahr oder weniger bezahlen. 53 Prozent glauben nicht, dass eine Annahme der No-Billag-Initiative das Ende der SRG bedeuten würde. Genau davor aber warnen die Gegner der Initiative. Im Bild: Laura Zimmermann, Co-Präsidentin Operation Libero.

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Morgens die Nachrichten auf Radio SRF 1 hören und abends «Glanz & Gloria» schauen: 43 Prozent aller Befragten geben an, mindestens täglich Angebote der SRG zu konsumieren. Das zeigt eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten (siehe Box).

Das Konsumverhalten unterscheidet sich allerdings je nach Altersklasse stark. Die über 65-Jährigen konsumieren am häufigsten täglich die Radio- und TV-Angebote von SRG (66%), 18- bis 34-Jährige am seltensten (27%). In dieser Altersgruppe schaut jeder Dritte mehrmals pro Woche ins Programm, jeder Fünfte weniger als einmal pro Woche und 12 Prozent weniger als einmal pro Monat. 8 Prozent geben an, nie SRG-Angebote zu konsumieren.

Lieber Netflix als SRF

Warum nutzen junge Menschen das SRG-Angebot weniger? An mangelnder Zufriedenheit kann es nicht liegen, denn die Umfrage zeigt auch: 18- bis 34-Jährige sind ebenso zufrieden mit dem SRF-Programm wie ältere Semester. Von allen Befragten ist eine relative Mehrheit von 43 Prozent mit dem Angebot zufrieden.

So sagt denn auch Andreas Fahr, Professor für empirische Kommunikationsforschung am Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Universität Freiburg: «Die Reichweitenunterschiede haben nichts mit unterschiedlicher Qualitätseinschätzung zu tun. Junge finden das SRG-Angebot nicht schlechter als ältere Menschen.» Stattdessen hätten ältere Leute oft mehr Zeit zur Verfügung, da sie nicht mehr oder dann weniger arbeiteten. Und: «Wir beobachten, dass Menschen derjenigen Mediennutzung treu bleiben, mit der sie aufgewachsen sind.» Das sei bei den über 50-Jährigen nun mal der klassische Fernsehkonsum. Junge dagegen wüchsen mit verschiedenen Multimedia-Angeboten auf, nutzten Apps oder schauten Serien auf Netflix.

«Information wird erst mit dem Alter wichtig»

«Es gab immer schon einen negativen Zusammenhang zwischen Alter und traditioneller Mediennutzung», sagt SRG-Sprecher Daniel Steiner. Je jünger eine Gruppe von Menschen sei, desto seltener würden im Schnitt TV und Radio eingeschaltet. Ausserdem stehe bei einem erheblichen Anteil der jungen Altersgruppe die Unterhaltung im Vordergrund: «Private TV- und Radiosender mit den Schwerpunkten «Unterhaltung» und «People» werden bevorzugt genutzt», sagt Steiner. Das Mediennutzungsmotiv «Information» gewinne erst mit zunehmendem Alter an Bedeutung.

Soll die SRG also einfach darauf vertrauen, dass die junge Zielgruppe mit dem Alter ihren Medienkonsum zugunsten der SRG verändern wird? Das sei nicht zu empfehlen, sagt Medienwissenschafter Fahr. «Die Frau kehrt schliesslich auch selten zu dem Mann zurück, den sie einmal verlassen hat.» Zwar werde die Mediennutzung mit der Eheschliessung und Familiengründung traditioneller, wovon die SRG sicher profitiere.

«Mutige, freche Formate»

Fahr empfiehlt neue, innovative Angebote: «Es würde sich für die SRG auszahlen, wenn sie mehr auf mutige, freche, lebhafte Formate setzen würde.» Als Beispiel nennt der Professor die Sendung «Neo Magazin Royale» mit Jan Böhmermann auf dem Sender ZDFneo. «Dieses Programm ist zwar dem politischen Establishment sauer aufgestossen. Bei der jungen Zielgruppe aber ist es sehr gut angekommen.» Die SRG müsse einen Weg finden, das Interesse der jüngeren Generation zu wecken, ohne aber ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen oder anbiedernd zu wirken. Ausserdem reiche es nicht, einfach auf Facebook oder Snapchat präsent zu sein. «Die Inhalte müssen entsprechend angepasst werden.»

15 neue Jugendformate

Die SRG ist sich durchaus bewusst, dass sie sich um die junge Zielgruppe bemühen muss. «Die SRG verfolgt das Ziel, die Gruppe der Jungen mit spezifischen und vielfältigen Angeboten zu bedienen», sagt Sprecher Steiner. Im März 2016 hat SRF deshalb den Bereich«Junge Zielgruppe» ins Leben gerufen. Seit November 2016 wurden 15 neue Formate entwickelt, die sich explizit an unter 35-Jährige richten. Die Reihe «True Talk» hat sich zur erfolgreichsten Webserie von SRF entwickelt. Die ersten drei Staffeln verzeichneten auf Facebook über 6,6 Millionen Videostarts. Auch die Sendung «S.O.S – Sick of Silence»ist laut Steiner beim jungen Deutschschweizer Publikum beliebt. Die Informationsvideos zu aktuellen Themen unter dem Namen «Nuovo» seien ebenfalls erfolgreich. Im Schnitt schauen pro Monat 2,3 Millionen Personen die Videos, die speziell für Facebook, Twitter und Instagram konzipiert sind. Auch Radio SRF Virus befasse sich mit Themen, die für den Alltag junger Menschen zentral seien.

Die tiefsten Altersdurchschnitte erzielen auf den klassischen Kanälen Spielfilme und Serien auf SRF 2. Einige Dok-Formate, etwa «Auf und Davon», sowie Eigenproduktionen aus dem Bereich Fiktion («Der Bestatter» auf SRF 1) werden laut Steiner von vielen jüngeren Menschen geschaut. Auch das Finale des Eurovision Song Contest auf SRF 1 sowie Live-Fussballübertragungen auf SRF (WM-Quali und Champions League) zögen ein junges Publikum an.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michel am 05.01.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Werden wir jetzt bis zur Abstimmung täglich etwas über SRG lesen müssen?

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  • Dante Veritas am 05.01.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Messer am Hals

    Kaum droht die Kappung der nie versiegenden Geldquelle, heuchelt SRF Interesse und Veränderungsbereitschaft. Das ist nicht mehr als eine perfide Heuchelei. Sobald die Initiative abgelehnt wurde, kennt das SRF kein einziges seiner Versprechen mehr.

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  • flobo am 05.01.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Ich finde es schlimm, dass die SRG nicht selber auf die Idee kommt, solche Umfragen zu erstellen und Feedback einholt. Warum müssen das die Medien machen? Schade, dass die SRG gar keinen Anreiz hat, irgend etwas zu verändern. Ich denke, aus Sicht der SRG wird also alles in Ordnung sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brom am 12.01.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wir schreiben das Jahr 2018.

    Die Pro-Billag Argumente sind ziemlich egoistisch. Aber das zeichnet unsere Gesellschaft, vorallem die älteren Semester halt aus. Zuerst schaut man für sich selber und was für einen selbst am besten ist. Und wenn Leute wie ich, die den SRF nicht brauchen euch das mitfinanzieren, dann geniesst ihr das regelrecht. Wenn wirklich 50% den SRF so toll finden, warum sind den diese Menschen nicht bereit auch alleine dafür zu bezahlen? Egoismus. Mehr braucht man dazu echt nicht zu sagen.

  • Open Eye Warrior am 07.01.2018 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Und Tschüss!

    giert - und sorgt dafür, dass sich die Umverteilung von unten nach oben beschleunigt. Demokratie ade!

  • feuerstein am 07.01.2018 04:47 Report Diesen Beitrag melden

    ein papa

    viele Jugendliche zahlen keine Billag, die Eltern bezahlen,so lange sie noch zuhause wohnen,ausserdem haben sie ihr Handy,ob sie da SRG schauen?

  • Meier am 06.01.2018 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dicht machen

    Da können Sie die Lampen ruhig ausmachen man, wegen den 2-3 Rentner wo da noch reinhören ;-)man muss mit der Zeit gehen oder ?

    • Oldie am 08.01.2018 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Meier

      Als 58 jähriger und quasi Fast Rentner schaue ich vielleicht noch 1 Mal im Monat eine Sendung von SRG. Das Fernsehen ist ein Auslaufmodell und die Billaggebühren helfen diesem Modell dabei noch künstlich am Leben zu bleiben.

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  • Veritas04 am 06.01.2018 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    SRG für Gruftys

    Die jungen TV-Konsumenten haben andere Vorstellungen vom Fernsehen: Sie wollen fetten Sound und echt geile Sitcoms. Aber keine Folklore und keinen "Tatort".

    • Morgan S. am 07.01.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      Ich will keine doofen Sitcoms !

      Ich bin jung und hörsehbehindert . Und ich mag keinen fetten Sound, sondern will anständiges Fernsehen, wie es SRF leistet. Dazu gehört auch die Untertitelung, und der Gebärdendolmetscher, denn darauf bin ich angewiesen. Ich mag kein Netflix, keine doofen Sitcoms.

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