Die Welt rätselt

19. September 2017 18:54; Akt: 19.09.2017 18:54 Print

Warum landen 100'000 Euro in einem Genfer WC?

Die mit Banknoten verstopften Toiletten in Genf sorgen weltweit für Aufsehen. Noch ist das Motiv dahinter unklar – war es ein Racheakt?

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500-Euro-Noten im Wert von rund 100'000 Euro wurden in Genf an einer ungewöhnlichen Stelle entdeckt. In der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie in Genf lagen die Noten zerstückelt in einem verstopften WC beim Tresorraum. Auch in der Pizzeria Molino an der Place du Molard, die sich nicht weit von der Bankfiliale entfernt befindet, verstopften Banknoten die WCs. Im gleich daneben einquartierten Café du Centre fand man weitere zerstückelte Noten. Ein WC ist tatsächlich ein ungewöhnliches Depot. Die Nachricht geht um die Welt. Die Frage der «New York Post» ist wohl berechtigt (auf Deutsch: Wer zur Hölle stopft Geld in Toiletten?). «Jemand hat wortwörtlich einen Haufen Geld Schweizer Toiletten hinuntergespült», schreibt die «Huffington Post». Die britische «Daily Mail» nimmt den Fall ebenfalls auf. Die «Washington Times» schreibt ebenfalls über den Fall. In Deutschland rätselt man ebenfalls: Hier Spiegel.de. «Wer wirft denn da sein Geld weg?» Auch die Frage von Stern.de ist berechtigt. Auch die «BZ Berlin» berichtet über das Mysterium. Auch die «Hamburger Morgenpost» findet treffende Worte. Die «Welt» titelt nicht ganz korrekt. In Mexiko kann man es kaum glauben, dass jemand Geld in die Toiletten stopft. 1-Dollar-Noten waren es allerdings nicht. Selbst in Peru wird über die unglaubliche Geschichte berichtet. «Geld stinkt nicht?» In diesem Fall dürfte es wohl doch so sein. Selbst in Russland wird über das Geld in den Genfer Toiletten berichtet. «Wer verstopft WCs mit Euronoten?», fragt die niederländische NOS. Auch in China ist der Fall bereits bekannt. Die italienische «Repubblica» schreibt auch über das Geld in den WCs.

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In Genf hatten im Juni gleich mehrere Restaurantbetreiber und eine UBS-Filiale verstopfte WCs. Als Sanitäre sich der Sache annahmen, fanden sie in den WC-Schüsseln, Lavabos und Leitungsrohren zerstückelte 500-Euro-Noten. Offenbar wurden sie im WC beim Tresorraum der Bank entsorgt. Weshalb, ist noch unklar. Während die Staatsanwaltschaft ermittelt, geht die aussergewöhnliche Nachricht um die Welt – selbst in den USA und in Australien wird über den Fall berichtet.

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Fest steht, dass das Geld von einem Schliessfach stammt, das zwei spanischen Frauen gehört. Ihr Anwalt wollte sich gegenüber den Ermittlern nicht äussern. Laut Vincent Derouand, Sprecher der Genfer Staatsanwaltschaft, dürften die Noten wahrscheinlich mit Scheren zerstückelt worden sein, wie er der Nachrichtenagentur AFP sagt. Nun werde untersucht, ob das Geld mit illegalen Aktivitäten zusammenhänge.

War es Absicht oder Rache?

Bei der UBS will man sich nicht zum Fall äussern, wie es auf Anfrage von AFP heisst. Doch weshalb will jemand rund 100'000 Euro einfach so die Toilette hinunterspülen? «Echtes Geld wird nur dann entsorgt, wenn seine Anwesenheit für den Eigentümer ein grösseres Problem darstellt als seine Vernichtung», sagt der Zürcher Rechtsanwalt David Zollinger. Geldwäsche schliesst er jedoch aus. Eine andere Option sei, dass das Geld nicht der Person gehörte, die es entsorgt hat. «Es könnte sich letztlich um eine Art Racheaktion gegenüber den tatsächlich berechtigten Personen handeln.» Der Täter müsste allerdings Zugriff auf das Schliessfach haben.

Dass die Noten in der Banktoilette entsorgt worden sind, deute auf die zeitliche Dringlichkeit hin. Zudem könnten weitere Dokumente mit dem Geld entsorgt worden sein, da die Besitzerinnen ja identifiziert worden sind. Aber, so Zollinger: «Die Bank wird sich wegen des Bankgeheimnisses nicht dazu äussern.»

Der Fiskus würde davon erfahren

«Das ist für alle ein Rätsel», sagt auch der Zürcher Steuerexperte Lukas Strittmatter über den Fall. Dass das Geld vor dem spanischen Fiskus verheimlicht werden sollte, glaubt er nicht. «Das macht keinen Sinn.» Denn das Gesetz über den automatischen Austausch von Steuerdaten zwischen der Schweiz und 28 EU-Staaten sei schon seit dem 1. Januar 2017 in Kraft. Die Informationen würden zwar erst ab dem 1. Januar 2018 weitergegeben, doch Konten, die im Jahr 2017 noch bestehen, können nur mit einer straflosen Selbstanzeige legalisiert werden.

Baldiges Aus für 500-Euro-Noten

Gemäss der «Tribune de Genève» war das Geld ohnehin in einem Schliessfach gelagert worden. Das sähen Banken nicht gern, sagt Strittmatter. «Wird Bargeld in einem Bankschliessfach deponiert, kann das gegen die Gesetzgebung gegen Geldwäscherei verstossen.» Wolle man es legalisieren, helfe nur eine Selbst-Anzeige. «Oder man braucht es halt auf», so der Steuerexperte. Das erklärt zwar nicht, weshalb jemand zerstückelte Noten die Toilette hinunterspült, aber, so Strittmatter: «Man darf Geld loswerden.»

500-Euro-Noten wird es nicht mehr allzu lange geben. Im Laufe des nächsten Jahres soll ihre Ausgabe eingestellt werden, wie die Europäische Zentralbank 2016 bekannt gegeben hatte. Mit der Abschaffung will man gegen Terrorfinanzierung, Geldwäsche und Schwarzarbeit vorgehen.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trackmaniac am 19.09.2017 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung

    Hätte es auch genommen, was für eine Verschwendung.

  • Sheep am 19.09.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Leute gibt's

    Hach... würde ich doch mal soviel Geld irgendwo finden was einer nimmer will... Könnte es gebrauchen

  • Peka am 19.09.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Man konnte das Geld auch an die Armen geben die hätten es sehr gut gebrauchen können....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bames Jond am 20.09.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    In den Spühlkasten

    nicht ins WC! Mit Slang und Kraftausdrücken kann das schon mal passieren. Ich glaube nicht, dass sich die Situation mit einem beiläufigen "sorry" lösen lässt. (Aber in Wirklichkeit ist alles ganz anders)

  • Toilette Papier fabrikant am 19.09.2017 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    immer gut putzen

    Die Lösung des Falls ist klar, es gab kein toillete Papier den Rest kennt ihr schon :-)

  • Logo am 19.09.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da dachte einer

    Ohne EU geht es mir besser.

  • Herr Max Bünzlig am 19.09.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    wo sollen sie sonst landen, die alten Euro Noten

  • Tim am 19.09.2017 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Weil es eigentlich gar kein wert hat. Darum aber ja, lasen wir es sein?)