Pilze

04. August 2016 14:58; Akt: 04.08.2016 14:58 Print

Weizenernte für Bauern katastrophal

Der nasse Frühling und Krankheiten haben den Bauern das Geschäft vermiest. Besonders gelitten hat der Weizen. Die Ernte ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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Die Weizenernte fällt in diesem Jahr besonders mager aus. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Pilze und das Regenwetter haben den Getreidefeldern in diesem Jahr stark zugesetzt. Bereits im Frühling warnte die Branche davor, dass etwa die Gemüseernte herbe Verluste erleiden könnte. Jetzt wird das Ausmass der Wetterkapriolen im Frühling ersichtlich. «Es ist nicht mehr normal», sagt etwa Friedrich Schütz, Bauer aus Stadel, zur NZZ.

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Ihm macht nicht nur das Wetter zu schaffen. Wer vom Bund und von IP Suisse Beiträge erhalten will, darf keine Fungizide verwenden – im Kampf gegen Pilze ein herber Rückschlag. Die Folge: «Viele Bauern lieferten an den Sammelstellen Ware ab, mit der man sich früher nicht hätte zeigen dürfen», sagt Stadel. Teilweise sei der Weizen nicht einmal als Tierfutter geeignet.

Auch Martin Haab, Vorstandsmitglied im Zürcher Bauernverband, kritisiert die Fungizid-Bedingungen von Bund und IP Suisse. Vor 150 Jahren hätte eine solche Missernte ein Hungerjahr bedeutet, sagt er zur Zeitung. Unterstützt wird Haab von Fritz Glauser, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands: «Wenn eine Kuh krank ist, darf man ihr auch Medikamente geben.» Er schätzt, dass der Rückgang beim Brotgetreide rund 15 bis 20 Prozent beträgt.

Nicht einmal 50 Prozent der Vorjahresmenge

Die schlechte Ernte scheint Bauern in vielen Regionen zu betreffen: «Es ist ein Rekord-Minus-Jahr», sagt Heinz Denzler aus Warth zur «Thurgauer Zeitung». Sein Vater habe in den vergangenen 50 Jahren noch nie eine solch schlechte Ernte gesehen.

«Für viele Bauern, die seit Jahren Getreide anbauen, ist es eines der schlechtesten Jahre überhaupt», bestätigt Oswald Perler, Geschäftsleiter der Saatzucht Düdingen den «Freiburger Nachrichten». Ebenso geht es den Solothurner Bauern. Urs Braun, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi BippGäu-Thal AG, sagt zur «Solothurner Zeitung»: «Bei uns in der Sammelstelle fehlen 20 bis 25 Prozent der Gerstenmenge. Beim Brotgetreide sieht es noch schlimmer aus, wir werden nicht einmal 50 Prozent der Vorjahresmenge erreichen.»

IP Suisse sucht Lösung

Doch auch Spritzmittel gegen Pilze helfen nicht immer, wie der Fall von Bauer Charles Zamofing aus Schmitten zeigt. Er konnte nicht einmal halb so viel ernten wie in anderen Jahren, sagt er zu den «Freiburger Nachrichten». Und das trotz Spritzmittel. Zamofing rechnet mit einer Ertragseinbusse von 25'000 bis 30'000 Franken.

Alexandre Bardet, Verantwortlicher für den Getreidehandel bei IP Suisse, betont, dass jeder Bauer selbst entscheiden könne, wie er anbauen wolle, schreibt die NZZ. Der Vergleich mit der kranken Kuh sei zudem falsch, da ein Fungizideinsatz nach dem Pilzbefall bereits zu spät sei. IP Suisse setzt auch daran, eine Lösung für die Missernte zu finden. So suche man etwa nach einem neuen Mahlverfahren, durch das auch Weizen zur Brotproduktion zugelassen werden könnte, das in der Regel zu Tierfutter verarbeitet werden müsste.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alphonse Bärentswiler am 04.08.2016 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer auf die Bauern einschlagen

    Alle tun so, als wären alle Bauern reich und würden sich zu unrecht beklagrn. Ich lebe selber auf einem Bauernhof und weiss, wie hart die arbeit ist. Da liegen kaum Ferien drinn und Bürozeiten gibt es auch nicht. Also bitte hört auf die Bauern anzuprangern und überlegt euch, wer euer Essen mühsam anplanzt!

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  • Dani G am 04.08.2016 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unser täglich Brot

    in der EU werden die Bauern auch Subventioniert das heißt wenn wir Schweizer die Nahrung Importieren zahlen wir die Subventionen halt im Ausland. Andersrum warum wird die Landwirtschaft Subventioniert das Wir für Unser Essen wenig bezahlen müssen und mehr Geld in die Freizeit investieren können man könnte es auch wechseln und die Freizeit Angebote so verbilligen und den Rest aus der Staatskasse berappen und für die Ernährung den Preis verlangen was es kostet und nicht was es der Gesellschaft wert ist.

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  • Alphonse Bärentswiler am 04.08.2016 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Bio-Ideologie

    Fungizide sind überhaupt nicht schlimm in der Dosis, in dem sie Bauern in der Schweiz verwenden dürfen. Importprodukte hingegen sind viel schlimmer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Himmeltruurig am 06.08.2016 00:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit den Kartoffeln

    ist es auch nicht besser. Sie haben nur spärlich bis gar nicht geblüht, und die Grösse gleicht der einer Baumnuss, mit oder ohne Mist. Zweifel Chips wird verzweifeln mit denä " Gagglä"

  • Denk mal am 05.08.2016 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es jährt sich zum 200 hundertsten

    mal. 1816 schickte der Zar von Russland ohne Entgeld Weizen in die Schweiz. Damals war allerdings der Vulkan Tambora in Indonesien der Grund, welcher für einen dunklen kalten Sommer verantwortlich war. Das es genau 200 Jahre her ist, mag ein Zufall sein, und trotzdem sollte uns bewusst sein, das wir abhängig sind vom Ausland. Heute kein Problem mehr mit den Freihandelsabkommen und der Mobilität. Die Schweiz besteht aus Flachland und Bergen, und wenn die Niederschläge sind wie 2016 ersaufen unsere Böden im sauren Regen, Weizen braucht Sonne und Wind, sonst gibts Pilzkrankheiten, das ist Fakt.

    • Gretel am 05.08.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denk mal

      Da haben Sie recht. Kein Witz, in der Geschichte steht geschrieben, dass sich die Apenzeller damals mit den Kühen auf der Weide von Gras ernährten.

    • L G ausdemsarganserland am 05.08.2016 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gretel

      schön zu lesen, dass sich jemand damit befasst. Ich stelle mir oft vor, wie es diesen Menschen ergangen ist, kein Strom, niedrige Holzhäuser, oft viele Kinder, "welche weideten wie die Schafe, und kriechend nach Würmern suchten."Das Appenzell und das Vorarlberg hat es ganz schlimm getroffen. Sie verkauften ihre Sensen, Heugabeln um noch irgendwo Nahrungsmittel zu erlangen, es genügte nicht übers Jahr hinaus, sie waren ja alle Selbstversorger.Diese Hungersnot kostete vielen das Leben.

    • Gretel am 05.08.2016 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @L G ausdemsarganserland

      Wer würde heute helfen? Der Zar ist gestorben und die Kornkammer Russland mit seiner Absetzung geplündert. Gehört nicht zum Thema: Diktatur muss nicht immer schlecht sein.

    • LG Denk mal am 05.08.2016 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gretel

      liebe Gretel, ich hoffe einfach, wir kommen nie in eine solche Situation. Es ist könnte schneller passieren als man denkt. Ein Atomarer Unfall ist in unserer Zeit jederzeit möglich, aber dann nützt uns auch kein Weizen mehr. Der Zar war übrigens ein guter Mensch, nebst Weizen schickte er auch Rubel in die Schweiz. Nachzulesen unter" das Jahr ohne Sommer".

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  • Mal Y Pense am 05.08.2016 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hony soit qui

    85 % der ernte in baden würtemberg sind o.k. Gestern radioreportage auf swr1. Was stimmt nun? 20 kilometer unterschied? Oder berufs jammeris von der bauernlobby?

    • bessere Böden am 05.08.2016 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mal Y Pense

      es ist noch ein See dazwischen. Das Wetter oder und bessere Lagen( Hanglage, Schräglage) sind der Grund. Zum Beispiel sind im St. Galler Oberland die Kirschen am Baum verfault, hingegen die Bodenseekirschen waren 1A Qualität und Quantität auch.

    • Ulrich Thomet am 05.08.2016 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mal Y Pense

      Sicher haben sie die Niederschlagsstatistiken der Anbauregionen in BW und der CH verglichen. BW geht bis nach Mannheim, von den Niederschlägen war aber vor allem die Schwarzwaldregion betroffen. Was bezwecken sie mit diesen fadenscheinigen Unterstellungen? Ein Schelm der da böses denkt.

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  • Lupinienmehl am 05.08.2016 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht weniger dicht

    aussähen, damit mehr Luft zirkulieren kann, oder mal Lupinien pflanzen, damit die Erde von den Wurzen durchdrungen wird, oder Klee als Zwischensaat wie früher, lernen die das heute nicht mehr so in der Landwirtschaftsschule. Klee bringt Stickstoff auf natürliche Weise in den Boden, und dann mal wieder mit Weizen versuchen, glaubt mir, es funktioniert.

    • Papierlischweizer am 05.08.2016 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      Überall häts Pilzli dra

      Von einer fungiziden Wirkung bei Lupinen oder Klee habe ich bislang noch nie was gehört.

    • überalhetspilzlidra am 05.08.2016 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papierlischweizer

      wenn man das so machen würde, gibt es keinen Pilz mehr, dann erübrigt sich auch das Thema Fungizid auf Nahrungsmittel. Schon schlimm genug, was sich alles in den Siloballen befindet und somit im Kuhmagen landet.

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  • überallhetspilzlidra am 05.08.2016 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    manuelle Lösungen

    Jahrelang hat man in der Schweiz nur abgeholt mit Kunstdünger " gedüngt und Gift gespritzt. Dann kam IP, wurde auch Zeit. Jedoch haben wir vielerorts in der CH einen sehr hohen Grundwasserspiegel. Dort wo die Felder trainiert wurden, gedeit auch in extrem nassen Zeiten das erwünschte. Man kann nicht die Würmer und die Mikroben vergiften und erwarten, das der Boden locker und gesund ist.