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Asylbewerber
08. August 2012 11:29; Akt: 08.08.2012 12:25 Print
Wer bleiben kann, wird kaum kriminell
von Jessica Pfister - Junge Asylbewerber aus Tunesien oder Algerien sind besonders häufig kriminell - das ist bekannt. Doch welche Nationalitäten stehen eigentlich am anderen Ende der Statistik und warum?

Asylsuchende aus Eritrea im Übergangszentrum Atlantis in Zürich. Eritreer gehören zu den Nationalitäten, die nur selten einer kriminellen Tat beschuldigt werden. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)
Sie beherrschen die Schlagzeilen – kriminelle Asylbewerber aus Nordafrika. Während kantonale Behörden mit verstärkten Polizeikontrollen oder Sonderstaatsanwälten das Problem in den Griff bekommen wollen, rufen nationale Politiker nach sofortigen Ausschaffungen oder umzäunten Internierungslagern.
So wurde verglichenUm eine seriöse Aussage über die Kriminilitätsrate der Asylbewerber zu machen, hat 20 Minuten Online die nationale Kriminalstatistik 2011 mit der gleichjährigen Asylstatistik (Bestand Ende Dezember) verglichen. Konkret wurden die Zahl der Asylbewerber, die einer Straftat beschuldigt wurden nach Nationalität mit der Zahl entsprechender Staatsangehöriger im Asylprozess in Bezug gesetzt. Länder mit weniger als 10 Asylbewerbern wurden nicht mitgezählt. Dies ergab pro Nationalität eine Quote.
Kaum öffentliche Beachtung finden hingegen jene Asylbewerber, die sich korrekt verhalten. Wie eine Auswertung von 20 Minuten Online zeigt, wurden im vergangenen Jahr Personen aus China, Eritrea, Sri Lanka, Afghanistan und Syrien am seltensten einer Straftat beschuldigt. Bei allen lag die Kriminalitätsquote unter 10 Prozent. Klar am wenigsten kriminell waren die Chinesen – wobei es sich bei mehr als einem Drittel um Tibeter handelt. Im Vergleich: Bei Nationalitäten wie Algerien oder Marokko lag die Quote im hohen zweistelligen Prozentbereich.
«Motivation, sich gut zu verhalten, ist grösser»
Für Beat Meiner, Generalsekretär der Schweizer Flüchtlingshilfe, ist klar, weshalb sich die oben genannten Nationalitäten im Vergleich so anständig verhalten. «Im Gegensatz zu den jungen Nordafrikanern, die zumeist keine Aussicht auf einen geregelten Aufenthaltsstatus haben, bestehen bei Asylbewerbern aus Tibet oder Eritrea gute Chancen auf eine Aufnahme als Flüchtling.» Dass heisse auch, dass sie legal arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten können.
Die guten Chancen auf eine Aufnahme sieht auch Georg Carl, Asylkoordinator des Kantons Graubünden, als Hauptgrund für die tiefe Kriminalitätsrate dieser Nationalitäten. «Ihre Motivation ist viel grösser, sich gut zu verhalten.» Asylbewerber ohne Aussicht auf Bleiberecht wüssten hingegen, dass ein beschmutzter Leumund keine grossen Konsequenzen mit sich bringe. Einigen könne man vermutlich die Absicht unterstellen, sich hierzulande zu bereichern.
«Land, welches Überleben ermöglicht»
Nicole von Jacobs, Integrationsbeauftragte des Kantons Basel-Stadt, sieht neben den Chancen auf Asyl noch einen anderen Grund für das unterschiedliche Verhalten von Flüchtlingen in der Schweiz. «Ausschlaggebend ist sicher auch die Situation im Heimatland.» Für Asylbewerber aus Kriegsgebieten wie Syrien oder aus Ländern, wo sie wegen Dienstverweigerung politisch verfolgt werden wie Eritrea, sei die Schweiz das Land, welches ihnen das Überleben ermögliche. «Viele dieser Menschen sind traumatisiert und deshalb in erster Linie damit beschäftigt, wieder normal denken und fühlen zu können.»
Im Gegensatz dazu seien die jungen Nordafrikaner äusserst unternehmungslustig. «Das liegt vor allem auch daran, dass die Schweiz meist nicht ihre erste Asylstation ist und sie schon wissen, wie das Umfeld funktioniert», so von Jacobs. Ausserdem seien sie fast immer alleine unterwegs, während andere Asylbewerber mit Partner oder Kindern flüchten würden.
Nicht unbedingt besser integriert
Anzunehmen, die Nationalitäten mit einer geringeren Kriminalitätsrate würden sich später auch besser integrieren, ist laut den Experten jedoch falsch. Gerade bei den Tamilen und den Eritreern gebe es erhebliche Probleme bei der Integration, wie Meiner von der Flüchtlingshilfe anmerkt. Bei den Tamilen würden sich die Konflikte vor allem innerhalb der Familie abspielen. «Die Jungen wollen vermehrt so leben wie die Schweizer Kollegen, was bei ihren Eltern jedoch schlecht ankommt», sagt Meiner. Auch Alkoholprobleme seien verbreitet.
Bei den Eritreern gebe es Spannungen zwischen der Gruppe, die bereits in den 90er-Jahren in die Schweiz geflüchtet ist und jenen, die erst kürzlich gekommen sind, so Meiner. «Während die ältere Gruppe mehrheitlich die Militärdiktatur unterstützt und dieser jährlich 2 Prozent des Einkommens als Steuer abliefert, ist die zweite Generation gerade wegen dieses brutalen Regimes geflüchtet.»
Das sind doch wertvolle News: warum gibt die Schweiz diesen Leuten nicht eine Perspektive in Form einer Ausbildung? Wir haben ein erstklassiges duales Ausbildungssystem, was sie einerseits von der Strasse holt und ihnen gleichzeitig gute Chancen gibt, nach einer Rückkehr in ihrem Heimatland wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Und zudem gibt es viele CH-Rentner mit wertvollem Wissen, die dieses gerne weiter geben würden. Eine entsprechende Institution würde einiges weniger Kosten als all die Kosten, die durch die Kriminalität verursacht werden. – Dani
Zwei Fakten gehen bei diesen Diskussionen gerne vergessen: 1. Migration hat es schon immer gegeben und wird es immer geben, und zwar nicht nur nach Europa, sondern auch in andere Richtungen. 2. Der Reichtum der Industienationen begründet sich historisch stark auf der Ausbeutung der sog. Dritten Welt. Es ist also mehr als gerecht, wenn man etwas davon zurückgibt – Ralph Meier
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Alle 356 Kommentare

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Was soll ich sagen?
1. Ich kenne einen asylanten, der da aufgewachsen ist. Seine eltern haben ja nichts gemacht um sich zu integrieren, er kann aber nicht einmal die sprache seiner herkunftsland! Er ist eingetlich schweizer für mich, dennoc bekommt er keine lehrstelle, weil er asylant ist... Find ich aber auch nicht fair! 2. Ich bin ausländerin und ich zahle auch steuern! Vielleicht mehr als ihr alle, weil ich nichts abziehen kann, mir wird das vom lohn abgezogen, und das schon seit 9 jahren...ich sollte ja mehr motzen als ihr.. Aber ich tue das nicht, wieso? Weil ich menschlich bin.. Was euch fehlt. Wärme..
Immer wieder interessant
Bei solchen Themen kochen die Emotionen. Und was ich immer wieder interessant finde, ist, dass wir ja (als Volk) unsere Regierung wählen und nur mitte-linke Kantonsregierungen haben. Diese "linke Volksstimme" ist aber in solchen Foren eher weniger vertreten. Schnell wird hier ausgerufen, dass die Linken/Rechten **** seien, noch mehr zahlen für Ausländer usw.. Dann frage ich mich, wer wählt eigentlich wen und warum? Wäre es auch mal gesünder, nicht immer gleich die Kanonen hervorzunehmen und aufeinander zu schiessen, anstatt, dass man konstruktiv eine gute Lösung (für beide Seiten) ausarbeitet?
eine Meinung zu diesem Thema
hier kann jedermann schreiben. man muss sich nicht registrieren und kann einfach so drauflosschreiben. ich vermute, dass linke eher Foren bevorzugen, die weniger kundenfreundlich sind, wo man sich mindestens anmelden muss und womöglich für jeden geschriebenen Buchstaben extra zahlt. Rechts stehende parkieren lieber gratis, wollen sich nicht einloggen und schreiben soviel wie ihnen passt.
Schnelle Verfahren
Wir brauchen endlich schnelle Asylverfahren und eine effiziente Wegweisungspraxis für abgewiesene Flüchtlinge.