Abstimmung über Umwandlungssatz

28. Januar 2010 15:04; Akt: 28.01.2010 18:01 Print

Wer ist der grössere Dieb?

von Lukas Mäder - Der Kampf ist in vollem Gange: Die Gewerkschaften sprechen bei der Abstimmung über den Umwandlungssatz von Rentenklau, die Freisinnigen von linken Dieben. Doch im Vorfeld der Abstimmung zeigen sich beide Lager diebisch.

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Die Gegner und Befürworter der Abstimmung vom 7. März schenken sich nichts. Vielmehr wird im Kampf um die Pensionskassenvorlage geklaut – Ideen und Sujets. Von Anfang an setzten die Gewerkschaften in ihrer Kampagne auf das Schlagwort Rentenklau: Die Wirtschaft wolle den Arbeitenden einen Teil der Rente klauen, indem sie den Umwandlungssatz senken. Illustriert ist die Kampagne mit der Hand eines Taschendiebs, der das Portemonnaie aus einer Handtasche zieht. Eine eingängige Darstellung, denn wer lässt sich schon gerne das Geld aus der Tasche klauen. Das haben sich auch die Befürworter gedacht und zugegriffen: Sie klauten das Unia-Sujet kurzerhand und verwendeten es für ihre Zwecke.

Unia glaubt, vom Sujet-Klau zu profitieren

Anfang Januar erschienen in mehreren Zeitungen Inserate des Arbeitgeberverbands, die mit dem Unia-Sujet für ein Ja zur Pensionskassen-Vorlage am 7. März warben. Einziger Unterschied: Unter dem Slogan «Fairness statt Beitragsklau» trägt die Hand des Taschendiebs die Aufschrift «Unia». Für die Unia ist dies eine Verzweiflungstat der Befürworter, wie Sprecher Nico Lutz sagt. «Offenbar haben sie gemerkt, dass ihr Kuchen ungeniessbar ist», spottet er mit Blick auf die Kampagne der Befürworter, die mit einem gedeckten Kuchen für eine gedeckte Altersvorsorge wirbt. Einen Schaden sieht Lutz im Sujet-Klau nicht, im Gegenteil: «Je mehr die Befürworter vom Rentenklau sprechen, umso besser für uns.»

Doch nur positive Reaktionen hat der Sujet-Klau der Befürworter nicht ausgelöst. Prompt bekam der Arbeitgeberverband deswegen Post von einem Anwalt. In der Folge haben die Befürworter das Inserat angepasst und eine eigene Zeichnung des Diebstahls aus der Handtasche verwendet. «Wir haben mit dem Sujet gespielt, wie das heutzutage häufig gemacht wird», sagt Kampagnenleiter Urs Rellstab von der Economiesuisse. Es gebe kein Schutz von Ideen. «Wichtig war es, der falschen Behauptung vom Rentenklau etwas entgegen zu setzen», begründet Rellstab den Sujet-Klau. Angst, damit der Unia zu helfen, hat er keine. Sowieso würden diese Inserate bald abgesetzt.

FDP-Blau geklaut

Doch nicht nur die Befürworter der BVG-Vorlage vom 7. März bedienen sich beim Gegner. Auch die Unia ist für eine Broschüre unter die Langfinger gegangen: Sie hat eine Broschüre verteilt, die im FDP-Layout daherkommt und unter dem Slogan «BVG.Die Kleptomanen» läuft — in Anspielung auf die freisinnige Eigenbezeichnung «FDP.Die Liberalen». «Wir wollen aufzeigen, wie sich die Befürworter selbst widersprechen», sagt Unia-Sprecher Lutz. Deshalb verteilen die Gewerkschafter die Broschüre auch ganz bewusst an FDP-Mitglieder, beispielsweise an der Delegiertenversammlung der Zürcher FDP am 14. oder der Schweizer FDP am 23. Januar.

Die FDP nimmt den Layout-Klau der Unia gelassen. «Die Unia will den zukünftigen Generationen die Renten wegnehmen und jetzt nimmt sie uns das Logo weg», sagt Sprecher Noé Blancpain. Offenbar gingen der Unia bereits die Argumente aus. Die Freisinnigen selbst werden ab dem 8. Februar ihre Plakatkampagne lancieren. Der Slogan — ganz im Trend — lautet «Linke Diebe stoppen!», das Plakat zeigt Panzerknacker der Gewerkschaften und der SP, die einem kleinen Jungen die Rente in Form eines Sparschweins klauen. Damit ist den Stimmbürgern endgültig klar, dass es am 7. März um Diebstahl geht. Doch die Verwirrung, welchen Klau er mit seiner Stimme schliesslich verhindert, bleibt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ché Libertad am 28.01.2010 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die Politiker klauen unser Geld

    Schon dass die PK nicht zu 100% ausgezahlt wird, finde ich frech. Ich zahle ja auch nicht anstatt bsp: CHF 200.00 nur CHF 140.00 weil ich 30% abziehe. Und nun soll ich noch weniger erhalten, weil Politiker das Gefühl haben, ihr Geld reicht nicht aus?NEIN zum Umwandlungssatz. Abzockerei..Leute wehr euch dagegen.

  • Marco Maurer am 28.01.2010 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Rentenklau??

    Ich verstehe das Argument "Rentenklau bei den Jungen" nicht. Die Jungen zahlen auf ihr eigenes Konto bis 65. Die Pensionskasse wird ja nicht wie die AHV solidarisch aufgeteilt. Jeder erhält war er einzahlt. Mit einem Ja schaden sich die Jungen selbst. Oder bin ich jetzt völlig daneben mit meiner Annahme? Klärt mich bitte sachlich auf.

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  • Josef Müller am 29.01.2010 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Umwandlungssatz vs. Rendite

    Übrigens mit 100'000.-- auf der Bank können sie sich bei einem Zinssatz von 0.875% 15 Jahre Fr. 7200.-- p.A auszahlen. Also man sieht auch bei sehr tiefen Zinssätzen braucht es keine Reduktion des Umwandlungssatz! Der Ausdruck "Rentenklau" ist durchaus berechtigt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alain Carl Nydegger am 19.02.2010 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Verdrehte Welt

    Die Abstimmung wird aus meiner Sicht falsch geführt, es geht darum, dass der (erwiesenermassen) zu hohe Umwandlungssatz die künftigen Alterkapitalien der jüngeren Generationen schmälert. Ein kontinuierlicher zu hoher Bezug aus dem Rentenpool ist aus meiner Sicht daher zu korrigieren. Ich begreife nicht genau, wo die Gewerkschaften bei einer Senkung des UWS einen Diebstahl orten können...?

  • figsche am 19.02.2010 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    rentenklau ??

    wie wärs mit staatshilfenklau...? dann hätten wir die sorgen nicht... was passierte wohl mit den billionen an staatshilfe...? also ich hab nen kredit beantragt und nicht fünf rappen erhalten... und was machen trader und banken mit dem geld..? (auf ein jahr..) ICE BRENT CRUDE FUTURES +96.66% ICE WTI CRUDE FUTURES +128.37% Gold + 14% Platin +38.79% DAX +35.09% SMI +32.91% DOW JONES +37.55% NIKKEI +33.95% DJ EURO STOXX 31.15% CRB INDEX + 37.7 % S&P GSCI INDEX SPOT,RTH + 69.03% ROGERS INTERNATIONAL +41.67% wie wärs, wenn man erst den banken verbieten würde, ihr eigenes geld zu erschaffen...

    • figsche nachtrag am 19.02.2010 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      ....

      ...banken und trader klauen geld aus der wirtschaft, welches überall fehlt... oder gibts sonst eine branche, wo geschäfte untereinander waren tauschen und dadurch immer reicher werden..? erste stunde wirtschaft: wo viele kaufen, steigen die preise... bravo banken, bravo trader... ein meisterwerk von volksabzocke... und darum habt ihr auch dicke boni verdient... ;-) denn dafür muss man jahrelang studieren... *hust*

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  • hs.schenk am 19.02.2010 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmung 7. März

    Eine 10% Personalreduktion bei den Pensionskassen, ist indirekt bei einem JA erforderlich! Junge "Betrügen" sich selbst bei einm JA!

  • Thomas am 29.01.2010 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    sachliche diskussion dringend nötig

    1. Es wird nicht über Banken oder Versicherungen und schon gar nicht über Abzocker, sonder über die PK abgestimmt. 2. Renditen sind bei den PK weniger hoch, weil sie das Geld risikoarm anlegen müssen. 3. In der zweiten Säule soll jeder bekommen was er selbst einbezahlt hat. Schade, dass dieses sachliche Thema so emotional diskutiert wird. Ich werde XX stimmen

  • Josef Müller am 29.01.2010 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Umwandlungssatz vs. Rendite

    Übrigens mit 100'000.-- auf der Bank können sie sich bei einem Zinssatz von 0.875% 15 Jahre Fr. 7200.-- p.A auszahlen. Also man sieht auch bei sehr tiefen Zinssätzen braucht es keine Reduktion des Umwandlungssatz! Der Ausdruck "Rentenklau" ist durchaus berechtigt

    • Pascal am 04.02.2010 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Pensionskasse ist kein Bankkonto

      Und was bleibt von den 100.000 auf dem Bankkonto nach 20 Jahren, wenn man während 15 Jahren 7200 p.A. ausbezahlt hat? Schulden und Alterarmut. Durchschnittliche Lebenserwartung bedeutet manche drunter, manche drüber. Eine PK erwirtschaftet nicht nur simple Rendite wie eine Bankm sondern sichert die länger Lebenden ab, indem die Rendite aller geschmälert wird.

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