Dubioses Inkasso

31. Oktober 2013 10:57; Akt: 31.10.2013 11:38 Print

Wer nicht zahlt, kommt an den Internetpranger

von L. Hausendorf/Ch. Albrecht - Ein Lenzburger Inkasso-Büro hat die Daten angeblich säumiger Zahler ins Internet gestellt mit dem Aufruf, sie zu verpfeifen. Die Betroffenen waren ahnungslos.

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«Das ist eine Sauerei», ruft Roland Schweiger aus. Der 60-jährige Melser fand seinen Namen, mitsamt Anschrift und Telefonnummer auf der Webseite des Lenzburger Inkassobüros Luciani wieder. Dieses hatte dort einen Schulden-Pranger aufgeschaltet, mit den Personalien von 56 scheinbar säumigen Zahlern. Versehen mit dem Aufruf, die Personen zu denunzieren, sollte man sie kennen.

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Einige der Betroffenen wie Roland Schweiger waren völlig ahnungslos. In seinem Fall ging es um eine Forderung, die über zehn Jahre zurückliegt und seines Erachtens völlig unbegründet ist. Streitwert: ein paar hundert Franken.

«Dann zeigen Sie mich doch an»

«Solche schwarzen Listen sind aus unserer Sicht nicht in Ordnung», sagt Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Die Betroffenen können sich juristisch dagegen wehren. «Es ist ein Verstoss gegen das Datenschutzgesetz und eine Persönlichkeitsverletzung, gegen die man zivilrechtlich klagen kann», erklärt Schmid.

Schweiger und auch ein weiterer Betroffener, der von 20 Minuten kontaktiert wurde, erwägen rechtliche Schritte gegen das Inkasso-Büro zu veranlassen. «Solche Leute muss man aus dem Verkehr ziehen.»

Dem Inkasso-Unternehmer Lino Luciani ist das egal: «Dann zeigen Sie mich doch an», sagt er, als ihn 20 Minuten mit den Vorwürfen konfrontiert. Er habe deswegen noch nie Probleme gehabt. Er gibt aber zu, nie abgeklärt zu haben, ob sein Pranger rechtlich problematisch sei. Eine Stunde nach dem Telefonat hat er die schwarze Liste aber von seiner Webseite entfernt.

Praxis schädigt Ruf der Branche

Inkasso-Firmen stehen in der Schweiz wegen umstrittener Praktiken im Umgang mit Schuldnern regelmässig in der Kritik. Fehlbare Unternehmer wie Luciani erweisen der Branche damit einen Bärendienst. Beim Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute ist der Unmut über das schwarze Schaf aus Lenzburg gross. «So geht es nicht. Das sind ja Methoden wie im Mittelalter», empört sich Verbandsgeschäftsführer Robert Simmen. Das Lenzburger Büro sei nicht Mitglied im Verband, betont er. «Firmen mit solchen Praktiken würden nie in den Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute VSI aufgenommen.»

Pranger und andere justiziable Methoden sind aber kein Einzelfall in der Branche. Das weiss auch Simmen. Das Problem sei, dass Inkasso-Firmen keiner Aufsicht unterstehen. Jeder kann ins Geschäft einsteigen und sich Inkasso-Spezialist nennen. «Das passt uns gar nicht, aber wir können als Verband gegen Nicht-Mitglieder nichts unternehmen.» Der VSI verlange darum schon länger, dass ein Zulassungsverfahren eingeführt und die Berufsbezeichnung geschützt werde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jurist am 31.10.2013 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Vorgehen

    Ganz einfach: Wegen Persönlichkeitsverletzung klagen und vorsorglich verlangen, dass die Daten umgehend zu löschen seien. Des weiteren Strafantrag wegen Nötigung stellen. Evtl. sind noch weitere Straftatbestände erfüllt.

    einklappen einklappen
  • David am 31.10.2013 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Inkasso schreiben

    Ich habe letzthin ein Inkass Schreiben erhalten, über eine Forderung von 200.- CHF + 150.- CHF Bearbeitungsgebühr! Die Forderung lief nicht mal auf mich sondern auf meine Grossmutter, die vor über 2 Jarhen verstorben ist..... Als möglicher Erbe, müsse ich das Zahlen..... Diese Inkasso Unternehmen sind einfach nur Gauner, mehr nicht....

  • Fred85 am 31.10.2013 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja..

    ... und nun wir das Inkassobüro auf 20min geprangert... So schnell kanns gehen :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Bieri am 31.10.2013 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pranger? JA!

    Wer seine Rechnungen nicht zahlt soll von mir aus an den Pranger! Unternehmen geht viel Geld verloren weil einige wenigen Ihre Schulden nicht zahlen. Wer seine Rechnungen zahlt, muss sich auch nicht fürchten. Ich kann dem Inkasso-Unternehmer Lino Luciani nur gratulieren das sie solche Missetäter an den Pranger stellt.

  • Chef am 31.10.2013 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Wir haben auch eine schwarze Liste für säumige Kunden di im Firmenprofil für jeden zugänglich ist.Finde das eine super Idee selber Schuld wen jemand über seine verhältnisse lebt.

  • Kiki van Haaren am 31.10.2013 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Das geht überhaupt nicht, wie unprofessionell! Mit der moderne Technologie ist leider wohl die direkte Kommunikation ausgestorben.

  • matt am 31.10.2013 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rechtschutz

    das ist juristisch nucht vertretbar,und wenn mein Name dort stehen würde dann würde ich klagen ganz einfach..

  • clochard am 31.10.2013 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    nur wer eh schon nichts hat

    wer grundsätzlich nicht am existenz minum herum nagt und nicht zahlt .....ja warum nicht an den pranger....

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