Ständige Beschäftigung ist ungesund

09. Februar 2018 05:42; Akt: 09.02.2018 05:42 Print

Warum wir uns öfter langweilen sollten

von Jennifer Furer - Sich langweilen ist gesund. Doch laut Experten passiert das heutzutage viel zu wenig. Warum wir das Nichtstun wieder lernen müssen.

«Bei Langeweile kriegt man doch harte Depressionen»: Das sagen Passanten zum Thema Nichtstun. (Video: jen/duf)
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Beim Warten auf den Bus das Handy zücken, nach einem harten Arbeitstag den TV einschalten oder vor dem Einschlafen noch Social-Media checken: In kaum einer Situation schaffen wir es, unbeschäftigt zu sein. Dabei ist es laut Experten äusserst wichtig, sich einfach mal zu langweilen und nichts zu tun.

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Langweilen Sie sich ab und zu?

Professor Claas-Hinrich Lammers von der Asklepios-Klinik Ochsenzoll in Hamburg sagt zum Fernsehsender RTL: «Wenn wir unsere Gedanken schweifen lassen, werden in unserem Gehirn vier Areale aktiviert, die weit auseinanderliegen und sonst nur selten zusammenarbeiten.» Durch bewusste Auszeiten würden die besten Bedingungen für Kreativität geschafft. Zudem diene es dem inneren Kompass: Wer nichts tue, sei unterfordert und orientiere sich neu. Langeweile sei auch wichtig für die Erholungsphase im Gehirn. Geschehe das nicht, riskiere man ein Burn-out.

«Langeweile ist in unserer Kultur nicht mehr verankert»

Jakob Scherrer, Psychologe und Psychotherapeut aus Winterthur, stimmt dem zu: «Es ist erstrebenswert, dass wir wieder lernen, nichts zu machen.» In der heutigen Zeit gehe das insbesondere durch Smartphones zunehmend verloren. «Die Geräte sind so verführerisch, immer exklusiver und unverzichtbarer», so Scherrer. Schaue man sich beispielsweise im Zug um, sehe man mehrheitlich Leute, die am Handy hängen. Für die Erholung sei es aber unerlässlich, dieses auch einmal wegzulegen.

Nicht nur das Handy sei schuld, dass wir uns nicht mehr langweilen. «In unserer Kultur ist es schlicht nicht mehr verankert», sagt Scherrer. Er würde es begrüssen, wenn die Gesellschaft dieses Talent wieder gewinnen würde.

Anfangen sollte man bei der Sprache. «Der Begriff ‹Langeweile› ist negativ konnotiert. Besser wir würden das Nichtstun als relaxen, ruhig oder locker sein bezeichnen», sagt Scherrer. Seinem Hirn eine Auszeit von Gedanken zu gönnen, sei schwierig. Aber der Psychologe meint, dass es mit ein wenig Training einfach erlernbar sei. Was beachtet werden muss, um sich richtig zu langweilen, lesen Sie in der Box.

Gibt es noch Situationen, in denen Sie sich langweilen? Welche sind das? Und was machen Sie, um die Langeweile zu vertreiben?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swiss ship yard am 09.02.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das Gleiche

    Sorry, aber Langeweile hat überhaupt nichts mit nichts tun zu gemeinsam. Ich sitze oft am Kaminfeuer oder am Wasser und lasse einfach los. Dabei langweile ich mich nicht. Nach einer Weile denke ich nicht mal mehr, sondern lasse einfach gehen. Versucht es mal! Es tut so gut!

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  • Duda am 09.02.2018 05:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fast hätte ich nichts getan

    ..aber jetzt schreibe ich diesen Kommentar. Verd..

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  • dentisto am 09.02.2018 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts

    Das Nichtstun wird schon länger als"chillen" bezeichnet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicht Lustig am 10.02.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber..Nicht die gleiche Generation

    @Swiss ship yard. Jaaaa man sinkt wie ein Schiff..... Nur blöde war bei mir, das wenn ich mir das in meiner Kindheit und Jugend erlaubt hätte, hätte mir man bestimmt wider Ritalin oder Concerta verabreicht mit ner tracht Prügel inkl.

  • gogg am 10.02.2018 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich auch bemerkt

    Hier gilt klar: Weniger ist mehr. Statt das Wochenende mit Aktivitäten zu füllen und sich Abends so lange zu beschäftigen, bis man nur noch knapp 6h kriegt lässts mir nicht besser gehn. Nen Gang runterschalten, am Wochenende mit der Sonne aufstehen und einfach zu relaxen hat bei mir den Stress stark reduziert. Unter der Woche mindestens 7h, besser 8h Schlaf und das Aufstehen ist keine Quälerei mehr.

  • Genug gespielt! am 10.02.2018 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich huh!

    Habe gern Langeweile. Wenigstens weiss ich,dass ich ich selbst bin,langeweile gibt mir Stabilität, Sicherheit,V ertrauen und Halt.Dagegen immer unkonstante,unstabile sowie verdramatisierte Etwas ist mir persönlich zu wider. Deshalb keep your heads up Folks,langweilig ist cool wie hier gelesen.

  • guter menschenverstand reicht völlig! am 10.02.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht Psychologen ?

    Ach ihr seht das alles zu dramatisch.Ich meine der Spruch hat schon was,dass wir die Seele baumeln lassen sollten ist nicht ohne. Richtig ist auch das die Menschen viel zu wenig Zeit für Sachen die sie gern tun,tuen stattdessen viel zu viel Energie und Aufmerksamkeit sowie Fleiß auf Sachen geben die unwichtig ist sowie Belanglos..Deshalb wird dir alles zu viel dann geh spazieren, fahr herum oder gammel einfach rum,denn wir,du und ich haben ein Recht darauf!Wie es ja die Studie uns vorzeigt.

  • John Hunki am 10.02.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Rat an ......

    Dieser Schärrer sollte das den Polizisten sagen, welche Geschwindigkeit Kontrolle machen, einfach gedankenlos ins Leere schauen , statt auf das Gerät. Es dürfen auch mehr als 5 min sein. ;-) )