Schweizer Armee

10. Dezember 2017 13:04; Akt: 10.12.2017 13:25 Print

Wird das obligatorische Schiessen abgeschafft?

SP-Nationalrätin Chantal Galladé will die Pflicht für Armeeangehörige, jedes Jahr schiessen zu gehen, abschaffen. Der Bundesrat ist dagegen. Jetzt entscheidet das Parlament.

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Jedes Jahr müssen Schweizer Soldaten zum obligatorischen Schiessen. Wenn es nach der SP-Nationalrätin Chantal Galladé geht, soll damit Schluss sein: In einer im September eingereichten Motion fordert sie die Aufhebung der ausserdienstlichen Schiesspflicht. «Der Ausbildungsnutzen ist relativ klein, währenddessen der Aufwand doch relativ gross ist», schreibt sie in ihrer Begründung. Zudem sei das obligatorische Schiessen «zu einer Art Subventionierung der Schiessvereine verkommen, was nicht der Zweck sein kann».

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Soll das obligatorische Schiessen abgeschafft werden?

Der Bundesrat nahm im November Stellung zur Motion. Würde die Schiesspflicht abgeschafft, müsste das Präzisionsschiessen im WK geübt werden, «womit weniger Zeit für andere Lerninhalte übrig bliebe», schreibt er. Die Soldaten trainierten dank der Schiesspflicht den Umgang mit der Waffe. Ausserdem sei «der finanzielle und zeitliche Aufwand für das ausserdienstliche Schiessen gemessen am Ausbildungsnutzen klein». Der Bundesrat hat deshalb beantragt, die Motion abzulehnen.

«Soldaten mit Gewehren verstärken Gefühl von Unsicherheit»

Der Nationalrat debattiert kommende Woche über das Geschäft. Galladé hält an ihrer Forderung fest. Für sie ist das obligatorische Schiessen ein «veraltetes Instrument aus einer anderen Zeit», wie sie in ihrer Begründung schrieb. «Man kann sich den Risiken der Zukunft nicht mit einer Sicherheit und einer Ideologie aus der Vergangenheit stellen», sagt sie zudem zu «Le Matin Dimanche». «Das obligatorische Schiessen verursacht Lärm, aber die Sicherheit erhöht es nicht.»

Soldaten, die mit geschulterten Sturmgewehren herum spazierten, würden wegen der Angst vor Terroranschlägen in der Schweiz sogar das Gefühl der Unsicherheit verstärken, so die Nationalrätin. Jährlich erhalten die Schützenvereine für die Organisation des obligatorischen Schiessens insgesamt 3 Millionen Franken. Die Munition, die die Soldaten dafür benötigen, kostet weitere 3,5 Millionen, schreibt die Zeitung.

«Angriff auf Milizarmee»

«Das ist keine grosse Summe im Verhältnis zu den Arbeitsstunden und der Infrastruktur, die man dafür zur Verfügung stellen muss», kontert jedoch Luca Filippini, Präsident des Schweizer Schiesssportverbandes. Es handle sich nicht um eine Subventionierung, sondern um eine Honorierung einer Leistung, sagt er zu «Le Matin Dimanche».

Auch Jean-Luc Addor, SVP-Nationalrat und Vizepräsident von Pro Tell, hält wenig von Galladés Idee: «Wenn man Massnahmen anficht, die zum Ziel haben, das Trainingsniveau zu erhalten, greift man eigentlich die Milizarmee an.» Soldaten, die im Umgang mit der Waffe korrekt ausgebildet sind, seien nach wie vor wichtig.

Unterstützung von links

Ähnlich klingt es bei FDP-Nationalrat Hugues Hiltpold: «Wenn man Soldaten eine Waffe in die Hände gibt, muss man dafür sorgen, dass sie sie korrekt benutzen. Das obligatorische Schiessen mag einem lästig vorkommen, aber es ist nicht nutzlos, jedes Jahr eine Auffrischung zu bekommen.»

Mehr Unterstützung erhält Galladé von den Linken. Die Grüne Lisa Mazzone etwa bezeichnet das obligatorische Schiessen als «veraltete Institution, so wie die Armee». Wirklich erhöht würde die Sicherheit ihrer Meinung nach dann, wenn die Armeewaffe nicht mehr zu Hause aufbewahrt würde. Eine ensprechende Forderung hat Galladé bereits eingereicht. Der Nationalrat hat sie im September jedoch abgelehnt.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elton am 10.12.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfffft

    Nun, die Asylindustrie ist zur Subvention der SP geworden um alle ihre Günstlinge zu beschäftigen. Das kostet uns viel mehr und der Nutzen ist gleich null.

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  • Der Ironiker am 10.12.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Spiess umdrehen

    Die nächsten Jahrzehnte könnte man die Armee fakultativ für Männer, aber obligatorisch für Frauen machen.

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  • Ch.U.R. am 10.12.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Abseits jeder Realität

    Meinetwegen kann man über den Nutzen des Obligatorischen diskutieren. Die Argumente von Chantal Galladé sind aber wieder mal so was von abseits jeder Realität. Ich fühlte mich beim Anblick von Soldaten mit geschultertem Sturmgewehr noch nie Unsicher, Betonklötze und schwer bewaffnete Polizisten auf Weihnachtsmärkten kommen mir eher merkwürdig vor.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mathias Schlegel am 12.12.2017 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Automech.

    Schon mal was Intelligentes von Galladé gehört ?

    • Walter Liechti am 16.12.2017 21:30 Report Diesen Beitrag melden

      Mathias Schlegel

      Absolut richtig ! Gratuliere!

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  • David M. am 12.12.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteht sie überhaupt was sie sagt?

    Der Fuchs möchte das der Igel die Stacheln abschafft weil es ein veraltetes gliche ist!? Wie sollen wir das Land in Not verteidigen mit Videogames oder Nudelholz? Da hilft keine Hausratversicherung!

    • Li am 12.12.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David M.

      Sie versteht schon wo hin sie will, EU Beitritt, gemeinsame Armee, adieu Schweiz.

    • Walter Liechti am 16.12.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      David M.

      Absolut richtig. Ziel erkannt!

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  • Dienst Leistender am 12.12.2017 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Obligatorische gehört ins WK Program

    Aus Zugführer Optik muss ich zugeben, dass das Obligatorische wenig Nutzen bringt; das Program ist zu kurz und es sind keine Ausbildner vorhanden. Bin auch für bessere Übungsmöglichkeiten während des WK-Dienstes, ist effizienter und bringt grösseren Trainingseffekt.

    • Cello am 14.12.2017 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ah Ja?

      Keine Ausbilder vorhanden??? Weis nicht wo du dein OP absolvierst aber es sind mehr Ausbilder (und besser Ausgebildete) am OP als es im WK je Möglich wein wird.

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  • Pist Ole am 12.12.2017 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vater im Himmel

    Frau Galladé, man kann Ihr politisches Einstellung schätzen oder nicht. Aber weil Sie ein Trauma gegen Dienstwaffen haben, heisst das noch lange nicht, dass sich die Eidgenossenschaft umkrempeln muss. Auch ohne Dienstwaffe kann man über den Regenbogen.

  • Willy Tell am 11.12.2017 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Sarkasmus

    ich bin auch dafür,dass man das Obligatorische abschafft... mit dem gesparten Geld könnte man z.B. Transitplätze für Fahrende finanzieren...

    • Cello am 14.12.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Sparpotential

      Gespartes Geld? Diese Rechnung muss mir erst noch einer plausibel vorrechnen!

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