Ulrichen VS

22. Januar 2018 18:54; Akt: 01.02.2018 14:32 Print

Trieb der viele Schnee einen Wolf ins Dorf?

Leser-Reporter Yannick Buchs hat vor seinem Elternhaus in Ulrichen einen Wolf fotografiert. Dass er bis ins Dorf kam, könnte am vielen Schnee liegen.

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Ein Wolf, der durch ein Dorf spaziert: Dieses Bild präsentierte sich dem in Ulrichen wohnhaften Yannick Buchs. «Am Samstag um 22 Uhr zottelte der Wolf durchs Dorf», sagt er. Die Fotos schoss er vom Elternhaus aus. Zeit dafür hatte er genügend. «Der Wolf war ganz gemütlich unterwegs, sicher drei bis vier Minuten war er vor dem Haus auf der Strasse», so der Walliser.

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Er selber hat noch nie einen Wolf im Dorf gesehen. «Mein Vater sah jedoch schon zweimal einen Wolf auf der Strasse», sagt Buchs. Das letzte Mal im vergangenen Jahr. Buchs glaubt, dass es an der aktuellen Wetterlage liegt, dass der Wolf ins Dorf kam: «Wir haben hier rund zwei Meter Schnee, der Wolf kann kaum über offene Schneefelder gehen.»

Wildtiere meiden Menschen

Dass ein Wolf sich in Dörfern blicken lässt, sei eine Ausnahme, sagt Ralph Manz von der Stiftung Kora, die in der Schweiz das nationale Wolfsmonitoring durchführt. Grundsätzlich würden Wildtiere Menschen und Verkehr meiden.Wenn es doch vorkomme, dass sie es nicht tun würden, sei dies wohl tatsächlich auf die grossen Schneemengen zurückzuführen.

«Wölfe benutzen grundsätzlich gern Strassen und Wege. Das ist für sie die energiesparendste Art, um von A nach B zu gelangen. Bei grossen Schneemengen, wie sie derzeit herrschen, ist es nichts Aussergewöhnliches, dass ein Wolf entlang oder sogar durch eine Siedlung läuft», sagt Manz.

Wenn Wölfe Dörfer betreten, habe dies jedoch nichts mit Nahrungssuche zu tun, erklärt Manz weiter. Der Wolf ernähre sich von Schalenwild wie etwa Reh oder Gämse. «Bei hohen Schneelagen kommt das Schalenwild in die Nähe der Dörfer. Wo das Schalenwild sich aufhält, ist der Wolf nicht weit.»

«Zahl von Fallwild wird hoch sein»

Strenge Winter wie der diesjährige sind für die einheimischen Schalenwildarten eine sehr anspruchsvolle Zeit. In dieser Jahreszeit reduzieren sie ihre Nahrungsaufnahme auf ein Minimum. Damit die angefressenen Fettpolster bis zum
Frühjahr reichen, bewegen sie sich kaum. «Sie sind still und brauchen Ruhe», sagt Manz.

Menschliche Störungen führen deshalb zu hohen Sterberaten unter den Wildtieren. Manz: «Grund dafür ist der sehr grosse Energieverbrauch bei der Flucht bei gleichzeitiger, natürlicher Reduktion der Nahrungsaufnahme.»

Ob es sich bei dem Tier, das Yannick Buchs fotografiert hat, wirklich um einen Wolf handelt, ist laut Manz jedoch nicht sicher. «Ich kann dies aufgrund der schlechten Qualität der Fotos nicht bestätigen. Es ist auch möglich, dass es sich um einen tschechoslowakischen Wolfshund handelt.» Dieser sehe dem Wolf sehr ähnlich.

(sw)