Interview mit Islamist

22. September 2017 21:30; Akt: 22.09.2017 23:41 Print

Youtube sperrt umstrittenes IZRS-Video

Die Schweizer Behörden haben Google bereits vor zwei Jahren beauftragt, umstrittene Aufnahmen zu löschen. Jetzt hat der Internetriese überraschend reagiert.

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Schweizer Nutzer können ein umstrittenes Video des Islamischen Zentralrats, IZRS, auf Youtube nicht mehr abspielen. Google, der Mutterkonzern von Youtube, hat das Video, in dem IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni einen syrischen Islamisten interviewt, vom Netz genommen.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ist überrascht: «Google hat aus eigenen Stücken reagiert. Damit zeigt der Provider, dass er gewillt ist, seinen Beitrag zu einer effektiven Strafverfolgung zu leisten – was natürlich erfreulich ist», sagt ein Mediensprecher zu SRF. Bereits Ende 2015 hat die Bundesanwaltschaft Google aufgefordert, das Video vom Netz zu nehmen. Erst heute hat der Internetriese jedoch reagiert.

Anklage gegen drei IZRS-Mitglieder

Die Bundesanwaltschaft hat gestern drei IZRS-Vorstandsmitglieder – Präsident Nicolas Blancho, Kommunikationsverantwortlicher Qaasim Illi und Naim Cherni – angeklagt. Sie haben aus Sicht der Behörde gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen al-Qaida und IS verstossen. Die Beschuldigten müssen sich deshalb vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten.

Dem als radikal eingestuften Verein wird vorgeworfen, zwischen Ende September und Mitte Oktober 2015 in Syrien Filmaufnahmen mit einem führenden Vertreter der verbotenen terroristischen Organisation al-Qaida hergestellt zu haben.

Konkret war damals Naim Cherni, ein junger Berner mit deutschem Pass, nach Syrien gereist. Dabei entstanden ein Film und ein 38-minütiges Interview mit Abdallah al-Muhaysini – einem Führungsmitglied der jihadistischen Dachorganisation Dschaisch al-Fatah («Armee der Eroberung»). Zu dieser gehört nach früheren Angaben der Bundesanwaltschaft auch der syrische Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front.

IZRS: Vorwürfe sind paradox

Der IZRS nehme das Verfahren «gelassen», schrieb Qaasim Illi. Die Anklage-Erhebung sei keine Überraschung. Der Verein hatte die Vorwürfe bereits kurz nach Eröffnung des Strafverfahrens im Dezember 2015 von sich gewiesen.

Wenn dem Verein Propaganda vorgeworfen werden könne, dann solche «gegen den IS, aber sicher nicht für al-Qaida». Dieser Vorwurf sei paradox, schreibt der Kommunikationsverantwortliche. Er bezeichnet das Verfahren denn auch als «politisch motivierten Schauprozess».

(woz/sda)