Patienten klagen

09. Mai 2013 12:11; Akt: 09.05.2013 12:14 Print

Zeckenopfer fühlen sich im Stich gelassen

von Andrea Heeb Perrig - 10'000 Personen erkranken in der Schweiz jährlich nach einem Zeckenstich. Die Betroffenen beschweren sich, dass sie falsch oder gar nicht behandelt werden. Jetzt demonstrieren sie.

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Regula Heim von der Schweizer Borreliose-Selbsthilfegruppe. Nach einem Zeckenbiss leidet sie selbst seit Jahren unter Borreliose.

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«Die Forschung sowie die Mehrheit der Ärzte lassen Borreliose-Patienten im Stich», sagt Regula Heim (46) von der Schweizer Lyme-Borreliose-Selbsthilfegruppe. Dies habe zwei Gründe: Erstens sei die Diagnostik von Borreliose-Erkrankungen sehr schwierig. Mehr als die Hälfte der durchgeführten Tests seien falsch und die typische Rötung trete nur etwa bei der Hälfte der Infizierten auf. Zweitens seien sich die Fachleute über eine erfolgreiche Behandlung nicht einig.

Regula Heim leidet selbst seit 1995 an Lyme-Borreliose. Dies äussert sich in Hautveränderungen, Schmerzen, extremen Erschöpfungszuständen und in Muskelschwäche. «Es ging mehrere Jahre, bis bei mir Borreliose diagnostiziert wurde. Die konsultierten Ärzte gingen immer wieder davon aus, dass ich psychisch erkrankt sei», so die Patientin. Sie wurde sogar in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Seit 2003 ist sie ganz arbeitsunfähig. Heim: «So geht es vielen Borreliose-Patienten. Einige leiden so sehr, dass sie die Erkrankung in den Selbstmord treibt.»

Weltweit finden am 10. und 11. Mai in über 20 Ländern Borreliose-Protesttage statt. Die Schweizer Selbsthilfegruppe demonstriert am Freitag vor dem Universitätsspital Zürich. Sie fordern Wissenschaftler auf, die chronische Borreliose in Langzeitstudien zu erforschen. Zudem verlangen sie, dass sich die Gesundheitsämter für die Borreliose-Prävention einsetzen, statt die Problematik zu verharmlosen.

Falsche Forderungen und Vorwürfe

Der Arzt und Zeckenexperte Norbert Satz ist von dem Protest alles andere als begeistert. «Die Forderungen der Demonstranten sind falsch. Borreliose wurde und wird weltweit sehr stark erforscht. Doch bis es brauchbare Resultate gibt, braucht es Jahrzehnte», sagt Satz. Zudem hält er fest, dass es für solche Forschungen immer die nötigen Fachkräfte und vor allem auch das nötige Geld brauche.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält fest, dass viel für die Borreliose-Bekämpfung getan wird. «Das BAG fördert die Forschung im Bereich der Lyme Borreliose-Diagnostik über das Nationale Referenzzentrum für Zeckenübertragene Krankheiten in Neuenburg», sagt BAG-Sprecherin Sabina Helfer. Dafür würden jährlich ein Betrag von 100'000 Franken aufgewendet. Das Zentrum führt zudem eine wissenschaftliche Begleitgruppe, in der auch Betroffene durch die Liga für Zeckenkranke vertreten sind.

Laut neusten Erhebungen des BAG erkranken jährlich in der Schweiz rund 10'000 Personen neu an Borreliose. «Doch es gibt eine Dunkelziffer. Wir glauben es sind zwischen 20'000 und 30'000 Personen», so Heim. Erreger der Borreliose oder Lyme-Krankheit ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch infizierte Zecken, die menschliches Blut saugen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flying Banker am 09.05.2013 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr bei unklaren Symptomen

    Dass man bei der Untersuchung von Krankheiten priorisieren muss, ist mir klar. Wir alle sind wohl froh, wenn Krebs und Aids bald geheilt werden können. Ich mache mir mehr Sorgen um die Qualität der ärztlichen Betreuung in der Schweiz. Sind die Symptome klar und die Krankheit bekannt, wird einem schnell und unkompliziert geholfen. Ist dies nicht der Fall, wird man schnell mal als Psycho, Betrüger oder sont was abgestempelt. Stellen Sie sich vor, Sie sind wirklich stark am Leiden über eine lange Zeit und jeder um Sie herum, inklusive Ihres Arztes, stellt Sie als Simulanten hin?

  • KPD am 09.05.2013 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100'000 Fr.?

    Das ist gerade mal eine Person, wohlgemerkt ohne Nebenkosten! In die Gesundheit der Bürger will man nichts investieren, aber in irrsinnigen Projekte investiert man zig. Milliarden!

  • Dani am 09.05.2013 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    100000.- ???

    Jährlich wurden 100000.- aufgewendet,das heisst wohl das nur 1ne person daran arbeiten eine Lösung zu finden?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martina Müller am 10.05.2013 04:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das macht das Referenzzentrum

    Was macht denn das Nationale Referenzzentrum? Sie vergleichen Labors, wie zuverlässig sie Antikörper-Tests durchführen. Die Antikörper-Tests sind problematisch. Sie können nicht zwischen aktiver und ausgeheilter Borreliose unterscheiden. Im Frühstadium sind sie zur Hälfte falsch negativ. Da ist man sich einig. Dass sie in späteren Stadien weniger häufig falsch negativ sind, kann gar nicht zuverlässig festgestellt werden. An anderen Nachweismethoden wird meines Wissens nicht geforscht. Zumindest wurde am Vortrag vor zwei Wochen nichts erwähnt.

  • Martina Müller am 10.05.2013 04:36 Report Diesen Beitrag melden

    Forschung bringt nichts hervor

    Was soll aus den chronisch Betroffenen werden, bis Forschungsresultate vorliegen? Was wird beforscht? Chronische Verläufe sicher nicht intensiv, denn die gibts ja nicht. Ausserdem gingen die Gelder in den letzten 30 Jahren immer an dieselben Leute, die immer dasselbe hervorgebracht haben - nämlich nichts! (Zitat W. Burgdorfer, Entdecker des krankmachenden Bakteriums Borrelia burgdorferi)

  • alice.gurini@bluewin.ch am 09.05.2013 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Vorgesstern hatte meine Enkeltochter 11 Jahre alt 5 Zecken Ihr Gspändli 4 und einer am Auge !also mit Zecken ist nicht zu Spassen !Kinder müssen von oben bis in die Zehen Untersucht werden auch wenn Sie Sträucher auf dem Schulweg haben!Sie haben es nicht bemerkt!Grosi

    • Werner Stöcklin am 09.05.2013 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Für Kinder kaum Gefahr

      Wobei anzumerken ist, dass die Borreliose für Kinder meist kein Problem darstellt und oftmals sogar symptomlos vorbeigeht

    • Tanja Christen am 11.05.2013 09:21 Report Diesen Beitrag melden

      Für Kinder ist die Gefahr erhöht!

      Das stimmt so nicht, gerade Kinder sind besonders gefährdet, an Borreliose schwer zu erkranken, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist und die heimtückischen Erreger oftmals nicht angemessen abwehren kann. Ich selber bin als kleines Kind von einer Zecke gestochen worden und litt daraufhin jahrelang an einer schwersten Borreliose.

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  • B.M.i am 09.05.2013 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Habe eine Frage,

    also, ich bin geimpft gegen FSME da Borreliose nicht geimpft werden kann. Ich bin kein Arzt und habe auch sonst nichts mit dem Menschlichkörper zu tun, bin Informatiker. Deshalb nicht lustig machen bitte: Wieso kann man nicht gegen Borreliose impfen,anstatt die Symptome zu bekämpfen würde es bestimmt Sinn machen, dem ganzen Vorzubeugen. Wo liegt der Hacken?

    • LB am 09.05.2013 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es

      gibt mittlerweile bald einen Impfstoff in den USA. In Europa ist die Sache etwas komplizierter, da es hier verschiedene Sorten des Borreliose-Erregers gibt, die sich leider auch hinsichtlich der Zielstruktur des Impfstoffs unterscheiden.

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  • anti lobby am 09.05.2013 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wundert das???

    Leider ist es wiedermal typisch, die grossen Chemiefirmen haben kein Interesse da etwas zu erforschen weil es zuwenig Umsatz verspricht. Da werden lieber irgendwelche Pestizide (die unteranderem Bienen vergiften) entwickelt, weil der Absatz viel grösser sein dürfte.