Lungenliga warnt

29. März 2014 12:56; Akt: 30.03.2014 16:34 Print

Zigaretten kommen per Post – auch für Teenager

Raucher können seit kurzem Zigaretten online bestellen und bequem nach Hause liefern lassen. Kritiker bemängeln den fehlenden Jugendschutz.

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Jugendliche mit Zigarette: Der Altersschutz kann zu einfach ausgehebelt werden. (Bild: Keystone)

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Der Zigaretten-Multi British American Tobacco (BAT) betreibt seit letztem Herbst den Online-Shop Tabazon.ch für Raucherwaren. Der Hersteller liefert seine Ware so versandkostenfrei dem Raucher ins Haus.

Allerdings entfällt beim Online-Handel die visuelle Kontrolle durch das Verkaufspersonal am Kiosk. Wollen Minderjährige am Kiosk Zigaretten kaufen, müssen sie in den meisten Kantonen ihre Identitätskarte vorweisen – eine wichtige Hürde zur Durchsetzung des Jugendschutzes.

Auf Tabazon müssen sich Kunden zwar ebenfalls mit der Identitätskarte registrieren. Die Plattform fordert den Raucher auf, alle Zahlen auf der Rückseite der Karte abzutippen. Nach erfolgreicher Prüfung steht die Welt des blauen Dunstes offen.

Leichter Zugang für Jugendliche

Reicht das? Christophe Berdat, Sprecher von BAT, sagt: «Wir tun unser Möglichstes, mittels Überprüfung verschiedener auf der ID-Karte hinterlegter Daten sicherzustellen, dass sich keine minderjährige Nutzer registrieren.» Um welche Daten es sich dabei handelt, will er nicht weiter erläutern.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) klärt auf: Das Geburtsdatum sei in diesen Zahlen auf der Rückseite der ID enthalten und leicht ersichtlich. Fedpol-Sprecher Alexander Rechsteiner sagt: «Allerdings kann man sich durch die Manipulation des Datums nicht einfach älter machen, da die Folgezahlen eine Prüfsumme enthalten, womit eine Schummelei auffliegen würde.» Doch: «Ein Datenabgleich mit einer Datenbank findet nicht statt.»

Auch Fedpol-Sprecher Alexander Rechsteiner bestätigt: «Eine solche Altersverifikation ist nicht sicher vor Missbrauch.» Benutzt jemand die Identitätskarte einer anderen Person oder schreibt die Zahlen von einem Ausweis ab, kann er so die Schranke umgehen.»

Das sorgt für Stirnrunzeln bei der Lungenliga. Sprecherin Barbara Weber: «Unter 18-Jährige können auf diese Art und Weise sehr einfach Tabakprodukte erwerben. Die Lungenliga ist überzeugt, dass ein solcher Vertrieb deshalb auch von Minderjährigen genutzt wird.»

Keine einheitliche Regelung

Der mangelhafte Jugendschutz bereitet der Lungenliga Sorgen: «Die meisten erwachsenen Raucherinnen und Raucher haben bereits als Jugendliche angefangen», sagt Barbara Weber. Und: «Wer als Jugendlicher nicht raucht, hat grosse Chancen, immer rauchfrei zu bleiben.»

Beim Tabak-Multi BAT wolle man mit dem Angebot vor allem Kunden ansprechen, deren Arbeitszeit den Einkauf von Tabakprodukte in herkömmlichen Verkaufsstellen erschwert. «Oder Rauchern, deren Mobilität eingeschränkt ist», sagt Sprecher Christophe Berdat. Die Kunden verteilten sich über die ganze Schweiz: «Wir liefern ebenso an einen Emmentaler Bauernhof wie an ein Schloss am Genfersee.»

Auch Coop und LeShop liefern

Zigaretten online bestellen ist auch bei den Grossverteilern möglich: Coop@home und das Online-Angebot der Migros, LeShop, liefern Tabakwaren ebenfalls nach Hause. LeShop erhöhte jedoch nach Intervention des Schweizerischen Konsumentenschutz (SKS) die Hürde für Jugendliche. Alkohol und Tabakwaren können nur noch mit Kreditkarte gekauft werden.

Bei Coop habe man diesbezüglich kein offenes Ohr gehabt, sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. «Wir plädieren dafür, dass Online-Shops bei Suchtmitteln als Hürde die Bezahlung per Kreditkarte verlangen.» Ein Missbrauch durch einen Jugendlichen würde dem Kartenbesitzer im Gegensatz zu der ID sofort auffallen.

Regelwildwuchs in der Schweiz

In der Schweiz herrscht bei der Regelung für den Verkauf von Tabakprodukten an Minderjährige noch ein Durcheinander: In den meisten Kantonen besteht ein Abgabealter von 16 oder 18 Jahren, nur drei Kantone (GE, AI, SZ) kennen noch keine Regelung.

Abhilfe könnte das Tabakproduktegesetz schaffen, das bis spätestens 2019 in Kraft gesetzt werden soll. Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, sagt: «Eine Motion zur schweizweit einheitlichen Altersgrenze wurde angenommen.» Bereits 2007 bekundete der Bundesrat in einer Stellungnahme seinen Willen, ein Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten an unter 18-Jährige einzuführen.

(num)