Schweizer sucht seine Kinder

23. Dezember 2014 06:58; Akt: 02.11.2015 13:49 Print

Zwei Winterthurer Teens auf dem Weg zum IS?

Ein Winterthurer sucht in der Türkei verzweifelt nach seinen Kindern (15 und 16). Die beiden sollen sich am Schulsilvester abgesetzt haben. Ziel: Der IS.

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Zwei Winterthurer Teenager mit Wurzeln im Balkan sind seit letzter Woche verschwunden. Laut türkischen Medienberichten sind der 16-jährige Lehrling und die 15-jährige Sek-Schülerin nach Istanbul geflogen. Der Vater der Teenager zögerte nicht: Ausgerüstet mit Fotos der beiden flog er seinen Kindern sofort hinterher. Er ist fest entschlossen, die Teenager nach Hause zu holen. Diese, so vermutet er, sind auf dem Weg nach Syrien – zur Terrororganisation Islamischer Staat. «Der IS hat meine Kinder ausgetrickst», sagte er unter Tränen zur türkischen Nachrichtenagentur DHA. Laut dieser wurden die Handys der beiden unterdessen in der Küstenstadt Adana geortet – nur noch drei Autostunden von der syrischen Grenze entfernt. Die örtliche Polizei habe die Grenzbehörden angewiesen, nach den beiden Ausreissern Ausschau zu halten.

Er sei kein Fundamentalist, erzählt der Vater der DHA, und auch seine Kinder seien zwar regelmässig zum Religionsunterricht in eine Moschee in Zürich gegangen, aber bis vor wenigen Monaten unauffällig gewesen. Was in der Moschee passiert sei, könne er nicht sagen. Aber er wisse, dass bereits andere Besucher der selben Moschee sich dem IS angeschlossen hätten, sagte der Vater gegenüber der DHA.

Sie sagte, sie übernachte bei einer Freundin

Schulkolleginnen des Mädchens in Winterthur bestätigen, dass die beiden verschwunden sind. Am Schulsilvester habe das Mädchen nicht teilgenommen mit der Erklärung, es sei krank. Zuhause hingegen habe sie erzählt, sie übernachte bei einer Freundin. Beide, der Lehrling und das Mädchen, seien eigentlich ganz normale Teenager gewesen, erzählen Kollegen übereinstimmend. Vor einigen Monaten habe sich dies geändert: Das Mädchen habe angefangen, sich mit Kopftuch und schwarzem Umhang zu verschleiern und oft von der Moschee erzählt. Sie habe pessimistisch in die Zukunft geschaut: Jetzt, da sie sich verschleiere, finde sie sowieso keine Lehrstelle und werde mit Sicherheit diskriminiert.

Eine Nachbarin der völlig aufgelösten Mutter bestätigt gegenüber 20 Minuten den Bericht der DHA: Die Handys der Kinder seien in der Türkei geortet worden.

20 Minuten weiss: Die Kantonspolizei Zürich betreut den Fall. Gestern Abend konnte sie dazu aber noch keine Auskunft geben.

(ann, gux, alp, loo)