Swiss Arctic Project

24. Februar 2018 17:24; Akt: 08.04.2018 16:31 Print

«Für das Projekt haben wir Haus und Hof verkauft»

von D. Krähenbühl - Um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, hat Charles Michel alles riskiert. Der Kameramann will mit dem Swiss Arctic Project die Öffentlichkeit über den Klimawandel informieren.

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Der Leiter des Swiss Arctic Project, Charles Michel, arbeitete über 30 Jahre lang für das Schweizer Fernsehen und war auf der ganzen Welt im Einsatz. Er berichtete aus Krisengebieten oder machte Newsbeiträge, Dokumentarfilme und Reisereportagen. Heute leitet er die von ihm gegründete Videoacademy in Fehraltorf. Auf dem Bild: Michel mit dem Schauspieler Stefan Gubser, der unter anderem den Schweizer «Tatort»-Kommissar Reto Flückiger spielt. Das Swiss Arctic Project sucht fünf Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die mit der MV San Gottardo in die Arktis reisen wollen. 20 Minuten ist Medienpartner und wird mit einem Journalisten vor Ort berichten. Die Teilnehmer sollten sich für den Klimawandel interessieren und über Social Media möglichst viele Personen ansprechen können. Die Reise startet am 16. Juli in Longyearbyen (Spitzbergen, Norwegen) und endet am 5. August 2018 ebenfalls wieder dort. Longyearbyen ist die grösste Stadt auf Spitzbergen. Die meisten Bewohner sind zwischen 20 und 45 Jahre alt. Michels Frau, Doris Codiga, ist ebenfalls eng am Projekt beteiligt und wird in die Arktis mitkommen. Der Schweizer Arktis-Führer Marcel Schütz und die Assistentin Sabine Codiga werden ebenfalls mitkommen. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen, die mit schwermetallhaltigem Treibstoff fahren, darf die MV San Gottardo auch abseits der Grossschiffahrtslinien fahren. So zum Beispiel zur Engelsbucht. Zwar ist die MV San Gottardo nicht das grösste Schiff, trotzdem ist sie mit allen technischen Finessen ausgerüstet und hat sich schon mehrere Male in der Arktis bewährt. Hier beispielsweise die Wasseraufbereitungsanlage. Das Schiff bietet Platz für etwa zehn Personen. Eine Viererkabine ... ... und das Zweierzimmer. Das Bad ... ... und das WC. In der Arktis wird man nicht nur zahlreiche imposante Naturphänomene beobachten können. Auf der Expedition werden aber leider keine Polarlichter zu sehen sein, weil die Sonne während des ganzen Tages nie untergehen wird. Eine verlassene Marmor-Mine. Die Vegetation nimmt aufgrund des Klimawandels in Arktis-Nähe immer mehr zu. Und natürlich ganz viele Tiere. Walrosse ... ... die sich gemütlich an der Sonne ausruhen ... ... Rentiere ... ... und ihre Jungtiere. Vögel ... ... Pottwale ... ... Zwergwale. Und natürlich herrscht auf ganz Spitzbergen Eisbärengefahr. Aufgrund der schmelzenden Eiskappen im Sommer werden immer mehr Eisbären auf das Festland gedrängt. Kanu-Touren sind eventuell auch möglich. «Während der Expedition erarbeiten sie gemeinsam den ‹Students Climate Report 2018›», sagt Michel. So würden die Teilnehmer alle Fakten zum Klimawandel ermitteln und mit Politikern, Betroffenen und Forschern vor Ort Interviews darüber führen. Während dreier Wochen werden die Teilnehmenden hautnah erleben, welche Konsequenzen der Klimawandel für die Umwelt und die Tiere in der Arktis hat. «Wir starten die Arktis-Expedition mit fünf Jugendlichen aus den drei Sprachregionen.» Die Personen kommen aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin. Hier eines der Beiboote der MV San Gottardo. Mit dem Expeditionsschiff kann auch an ungewöhnlichen Orten an Land gegangen werden.

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Vom 16. bis 25. August findet für fünf Jugendliche eine unvergessliche Reise statt. Sie werden an Bord des Expeditionsschiffs MV San Gottardo zur Arktis reisen und den Klimawandel mit dem «Student Climate Report 2018» dokumentieren.

Kopf hinter dem Swiss Arctic Project ist der langjährige Kameramann und Reisereporter Charles Michel. Doch wie kommt man auf die Idee, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen? Wir haben nachgefragt.

Herr Michel, was bezwecken Sie mit dem Swiss Arctic Project genau?
Klimawandel ist eine Realität, und die Umwelt verändert sich. Auch die moderatesten Modelle der Wissenschaftler zeigen, dass Hunderte Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren werden – und zwar nicht nur in der Karibik, sondern auch in Europa. Der Umwelt ist es egal, wer schuld daran ist und welche politischen und ideologischen Einstellungen die Leute haben. Aber es sind unsere Kinder, die diese Probleme lösen müssen. Und es liegt in der Verantwortung von uns Eltern, dass wir die Kinder darauf vorbereiten.

Und wieso drehen Sie nicht einfach einen Dokumentarfilm, den wir im Fernsehen sehen könnten?
Traditionelle Medien erreichen die jungen Leute nicht mehr. Das Durchschnittsalter bei SRF ist beispielsweise um die 60. Wenn ich eine Doku drehe, würden die Jugendlichen dort nicht einschalten. Sie informieren sich über andere Kanäle, Social Media und übers Internet. Wir wollen, dass die Jugendlichen authentische Informationen von Gleichaltrigen erhalten: in ihrer eigenen Sprache, in ihrer Altersgruppe, über ihre Kanäle.

Die fünf Teilnehmer sind also Augenzeugen für ihre ganze Generation. Diese Personen erreichen wir nicht mehr auf dem herkömmlichen Weg. Und genau diesen wollen wir darum eine Stimme geben. Darum auch das Online-Voting: Wir wollen herausfinden, wer diese Personen am besten erreichen kann.

Aus welchem Grund wollen Sie dafür in die Arktis? Wäre es nicht einfacher, einen Schweizer Gletscher zu besuchen?
Laut Wissenschaftlern zeigt sich in den Polarregionen der Klimawandel fünfmal stärker als auf dem Rest der Welt. Wir beziehen aber auch die Schweizer Gletscher mit ein, zum Beispiel bei unserem Vorbereitungscamp im April.

Wird die Umwelt durch die Reise nicht noch mehr belastet?
Dieses Problem stand auch bei uns schon am Anfang der dreijährigen Planung im Mittelpunkt. Zunächst wollten wir ein Schiff kaufen, das keine fossilen Brennstoffe verbraucht, also ein Segelschiff. Jedoch mussten wir nach Gesprächen mit Fachleuten und erfahrenen Arktisfahrern einsehen, dass das nicht zu bewältigen ist. Mit Myclimate haben wir aber einen Partner gefunden, der unseren gesamten CO2-Ausstoss berechnet und kompensiert.

Das Online-Voting läuft noch bis zum 28. Februar. Wie läuft es bis jetzt?
Krass, anders kann ich es nicht sagen. Wir haben mittlerweile die Millionengrenze überschritten, hatten also jeden Tag ungefähr 200'000 Seitenzugriffe. Wir waren vom Ansturm derart überrascht, dass wir bereits am ersten Tag neue Serverkapazitäten zukaufen mussten.

Wer finanziert das Projekt?
Die Anfangsinvestitionen waren enorm hoch. Um das zu stemmen, haben wir Haus und Hof verkauft. Einen Teil übernehmen aber auch Sponsoren und Stiftungen. Wenn man die Kosten aber mit jener einer Werbekampagne des Bundes vergleicht, ist es geradezu ein Schnäppchen.

Was wird die Teilnehmer der Reise erwarten?
Ein Abenteuer, wie sie es noch nie erlebt haben. Sie werden die Arktis auf eine Art und Weise kennen lernen, wie nur wenige Personen vor ihnen das konnten. Das soll aber nicht heissen, dass es eine Tourismus-Reise wird. Die Jugendlichen haben den Auftrag, den «Student Climate Report» zu erstellen. Ausserdem braucht es für die dreiwöchige Reise einen starken Magen: nicht nur wegen der möglichen Stürme auf hoher See, sondern auch wegen der Kälteeinbrüche und Eisbären vor Ort.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Pate am 24.02.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mich fasziniert

    Mich fasziniert immer wieder, wie man mit Geld CO2 kompensieren kann. Offenbar macht Geld die Luft wieder sauber... Aber vielleicht bin Ich einfach zu dumm um das zu verstehen.

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  • 7zyzz7 am 24.02.2018 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voting

    Ich finde es immer ein wenig schade, wenn es ein online voting gibt. Da gewinnen einfach die, welche am meisten facebook 'freunde' haben, und vielleicht nicht diejenigen, welche wirklich mit engagment dabei wären. Aber so braucht es halt wenig aufwand.

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  • Ein Ingenieur am 24.02.2018 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasseraufbereitungsanlage

    Bild 14 zeigt eine Diesel-Doppelfilteranlage Separ SWK 10 und keine Wasseraufbereitungsanlage. Ich weiss, dass tut nichts zur Sache. Die Anlage filtert Wasser aus dem Diesel und nicht umgekehrt. Die gelbe Flüssigkeit in den Abscheidern deutet drauf hin. Aber ich bin gerne bereit mich von anderweitigen Einsatzzwecken dieser Anlage belehren zu lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CH_BUERGER am 26.02.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötiges Projekt

    Unnötiges Projekt, da es schon verschiedenste Projekte auf diesem Gebiet mit mehreren Schiffen in dieser Region gibt. Wieder etwas völlig unnötiges. Denke und hoffe nicht, dass wir noch dafür mitbezahlen müssen.

  • Boris am 26.02.2018 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Blödsinn

    Heutzutage sehen und messen doch die Satelliten die Veränderungen im Eis doch viel genauer als diese nur auf Social Media Likes geile Crew.

  • Pessimist am 26.02.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    same old song...

    Alle die meine Geld/Steuern können die Umwelt nicht retten, ihr habt absolut recht!!! Aber wie kann man die Leute dazu bewegen etwas zu ändern ohne das man das die Leute finanziell dazu zwingt/drängt?? Denkt einer hier wirklich, dass sich die Menschen sich ändern, weil sie erkennen das sie es sollten für die nächste Generation? Das finde ich heutzutage reichlich naiv...nur wenige tut etwas für die nächste Generation, ausser man tut es für die eigenen Kinder! Also ohne das es das Volk finanziell trifft, wird sich sicherlich nie etwas ändern...

  • MyClimate am 26.02.2018 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Faszination ist toll

    Hallo Pate, klar, wenn man mit dem Geld Wälder aufforstet oder Kohlekraftwerke mit z.B. Solarzellen oder Windgeneratoren ersetzt, hilft Geld die Luft wieder sauberer zu machen. Das mit dem dumm kommentiere ich nicht weiter.

  • Doni am 26.02.2018 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Voting für die Kandidaten

    Sagt schon alles über diese Projekt aus. Bitte nicht mehr darüber Berichten resp. als paid post kennzeichnen.