Medikamenten-Skandal

14. Januar 2018 22:01; Akt: 14.01.2018 22:01 Print

«Sowas könnte für Patienten tödlich enden»

Schweizer Kliniken nutzten abgelaufene Krebsmedikamente und defekte Medizinprodukte. Politiker fordern nun intensivere Kontrollen.

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Eine Zuger Firma verkaufte jahrelang fehlerhafte medizinische Produkte an Kliniken in der Schweiz. Das Kantonsspital St.Gallen sowie die Universitätsspitäler Zürich und Basel wussten von den Missständen, meldeten diese jedoch nicht an die Heilmittelbehörde Swissmedic.

Und auch im Fall von der Firma Alkopharma aus Martigny VS, die abgelaufene Krebsmedikamente in Umlauf brachte, waren diverse grosse Schweizer Spitäler betroffen. 2119 Flaschen wurden hierzulande verkauft, 23 Patienten hat alleine das Inselspital mit den verfallenen Mitteln behandelt.

Kliniken in der Verantwortung

Die beiden Fälle, die in der «SonntagsZeitung» und im «Tages-Anzeiger» publik wurden, werfen die Frage auf, ob es mehr Kontrollen für medizinische Produkte in Schweizer Spitäler braucht.

Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat und Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, sagt: «So etwas geht natürlich nicht. Spitäler sind hier klar in der Verantwortung, Missstände immer sofort an die Heilmittelbehörde Swissmedic zu melden.»

Rostiges oder defektes Material und abgelaufene Medikamente könnten lebensbedrohliche Folgen haben für Patienten. Dennoch glaubt er, dass es sich hier um Einzelfälle handelt. «Sicherlich kann man prüfen, ob Swissmedic seine Kontrollen intensivieren muss. Dafür aber neue Stellen zu schaffen, halte ich für unnötig.»

Schärfere Kontrollen, höhere Strafen

SP-Nationalrätin Bea Heim, die ebenfalls Mitglied der nationalrätlichen Gesundheitskommission ist, hingegen sagt: «Wir haben es hier nicht mit Einzelfällen zu tun, sondern mit einer Problematik, die im Interesse der Patientensicherheit nach mehr und vertiefteren Kontrollen ruft.»

Kantone sowie der Bund müssten sicherstellen, dass die nötigen Ressourcen dafür aufgebracht werden und Spitäler ihre Meldepflicht einhalten.

Hinsichtlich der manipulierten Daten auf den Krebsmedikamenten fordert sie härtere Strafen: «Ein Strafmass von lediglich 5000 Franken bei solchen für Betroffene lebensbedrohlichen Machenschaften ist klar zu tief und ohne abschreckende Wirkung.»

(duf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 14.01.2018 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnsteigerung um jeden Preis

    Mit dem Leid anderer Geld zu verdienen finde ich schon nicht ganz unproblematisch. So lange dabe aber das Wohl und die Gesundheit der Patienten im Fokus stehen, finden wir es legitim. Aber auf so hinterlistige Art und Weise seine Profit (welche auf Krebsmedikamenten ansich schon hoch sind) noch weiter "optimieren" zu wollen, grenzt für mich ans nicht mehr beschreibliche. Wo ist da noch der Unterschied zu Mord?

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  • Anneli am 14.01.2018 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedingt? - gehts's noch?!

    Hier kann ich das Urteil überhaupt nicht nachvollziehen.

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  • Phipu am 14.01.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitskosten

    interessant finde ich, dass die Einheit in Frankreich etwa nur ein Drittes des Preises in der Schweiz beträgt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erklar von Bern am 15.01.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Was, tatsächlich

    Und an den Schlüsselpositionen alles Fachkräfte?

  • Bartli am 15.01.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut übel

    Mir fehlen die rechten Worte und Skandal ist noch eine gemässigte Bezeichnung zu diesem Fall, zu diesem Tun. Aber der Hammer ist, dass wer so was tut auch noch frei herumläufen kann. Es wird einem übel, wenn man so was liest. Möge die Strafe hierbei wirklich gerecht ausfallen.

  • Maris Kälin am 15.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Die oberste Verantwortung trägt der Gesundheitsminister. Er hat auf der ganzen Linie versagt und ist jetzt abgetaucht.

  • Rudolfo am 15.01.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    flpp

    Es gibt schon noch sehr gute Aerzte,mein Mann hat in Oberuzwil der beste Hausarzt,

  • U. Jocher am 15.01.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Widerwärtig Angelegenheit

    Nach meinen Erachten ist dies ein unsäglicher Skandal ohne gleichen. Es geht hier um Menschenleben, um das Vertrauen in die Medizin als ganzes. Wie soll man heute einen Arzt vertrauen? Er selbst weis ja heute nicht was in der Verpackung wirklich ist. Noch weniger kann es seine Krankenschwester wissen welche das Zeug verabreicht. Der Skandal, mit ganz bitterem Nachgeschmack, erschüttert die ganze Welt der schweizer Medizinbranche. Das Vertrauen zwischen Patient und Pfleger wird so völlig zu Grabe getragen. Narkotisch, wie sich die Politik verhält, kann dies nur noch zur Nekrose führen.