Rituelle Schlachtung

19. Februar 2018 21:06; Akt: 19.02.2018 21:06 Print

«Illegale Schächtungen schärfer bestrafen»

Elf Personen wurden 2016 wegen der illegalen Schlachtung von Schafen strafrechtlich verurteilt. Politiker und Tierschützer fordern jetzt härtere Strafen.

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Der Mann setzt das Messer an, flüstert dem Tier etwas ins Ohr und vollzieht dann den Schnitt. Das Tier wird bewusstlos und das Blut fliesst aus dem aufgehängten Tier auf den Boden. Was auf Schweizer Boden verboten ist, kam 2016 in elf Fällen trotzdem vor: Die Schächtung, die rituelle Schlachtung eines Tieres ohne vorgängige Betäubung.

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Soll der Import von geschächtetem Fleisch verboten werden?

Ein Walliser Schafzüchter hatte im September 2016 auf seinem Hof einem Dutzend Personen elf Schafe verkauft, die dann vor Ort für das islamische Opferfest geschächtet wurden. Zeugen meldeten den Vorfall dem Walliser Veterinäramt. Der Mann kassierte schliesslich eine Busse von 1200 Franken und musste zudem die Verfahrenskosten von 600 Franken übernehmen. Schon 2014 war er wegen des gleichen Vergehens zu einer Busse von 500 Franken verurteilt worden. Die Personen, die die Schafe zwecks Schächtung erworben hatten, wurden mit jeweils 300 Franken gebüsst.

«Strafen müssen verschärft werden»

Für SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor sind die verhängten Bussen bis jetzt eindeutig zu tief. «Das Problem ist, dass die Zahl der in der Schweiz lebenden Muslime steigt, während gleichzeitig die Importquoten für Halal-Fleisch gleich bleiben», sagt Addor. So würden Muslime vor dem Dilemma stehen, illegal Fleisch zu importieren oder selber die rituelle Schlachtung vorzunehmen. «Die Kontrollen müssen darum verschärft und der Strafrahmen bei illegalen Schächtungen erhöht werden», sagt Addor. In der Schweiz lebende Juden hätten nicht das gleiche Problem, da die jüdische Gemeinschaft stabil sei und die Importquoten für koscheres Fleisch ausreichen würden.

Auch die Stiftung Tier im Recht (TIR) höre immer wieder von Schächtungen ohne vorherige Betäubung, sagt Vanessa Gerritsen, stellvertretende Geschäftsleiterin von TIR. «Viele werden aber nie angezeigt oder mangels Nachweisen oder Interesse seitens der Behörden nicht strafrechtlich verfolgt.» Das Schlachten ohne Betäubung berge ein hohes Risiko, dass das betroffene Tier qualvoll verendet. Die Täter schlachteten die Tiere vor allem aus religiöser Überzeugung oder aus Tradition. Die geringen Strafen würden der Tat aber in keiner Weise gerecht werden. «Daher fordern wir schon seit vielen Jahren generell eine drastische Erhöhung der Sanktionen, damit diese endlich ihre abschreckende Wirkung entfalten können», sagt Gerritsen.

«Gebot zur Betäubung für Muslime kein Problem»

«Derartige Zuwiderhandlungen gegen das Tierschutzgesetz können mit einer Busse von bis zu 20'000 Franken bestraft werden», sagt Eva van Beek, Sprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Ob dieser Strafrahmen immer ausgeschöpft werde, hängt von den zuständigen Gerichten ab. Von einer möglichen Zunahme von ähnlichen Fällen will van Beek nicht sprechen, da solche Fälle erst seit 2016 statistisch erfasst werden.

Die absolute Mehrheit der Muslime folge der Meinung, dass Tiere vor dem Schlachten betäubt werden dürfen, sagt Abduselam Halilovic, Sprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ). «Jedoch gibt es eine kleine Minderheit, die diese Haltung nicht akzeptiert und nur Schlachtungen ohne Betäubung für richtig hält.» Diese Leute hätten die Möglichkeit, aus Deutschland und Frankreich importiertes Fleisch zu erwerben. Die Importquote würde reichen. «Das Gebot zur Betäubung stellt darum für die Mehrheit der Musliminnen und Muslime kein Problem dar», sagt Halilovic.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 19.02.2018 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Personen, die rituelle Schächtungen machen,

    haben in der Schweiz nichts zu suchen.

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  • BigBen am 20.02.2018 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Import verbieten!

    Bleibt zu hoffen, wenn Schächten in der CH schon verboten ist, dass in Zukunft auch kein geschächtetes Fleisch mehr importiert werden darf!

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  • Mike Zac am 20.02.2018 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleiben die Tierliebhaber der Linken?

    sonst machen sie wenn einer Katze ein Haar gekrümmt wird einen riesen Aufstand, aber wenn es um Tiermisshandlungen und Quälerei seitens einer Religion geht, dann sind sie wieder ruhig. Sehr bemerkenswert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • brienzerin am 20.02.2018 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verlogen

    Aber auf der Extrafahrt auf dem Brienzersee darf dann das Fleisch gegessen werden. Ist schon verlogen. Im Ausland soll die Schächterei stattfinden, und in der Schweiz darfs gegessen werden. Arme Tiere.

  • pulled pork am 20.02.2018 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Speck & Schinken

    Esst doch mehr Schweinefleisch dann ist Schächten nicht mehr nötig

  • Martin meier am 20.02.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss

    Schluss mit Schächten und verbietet endlich auch den Import und den Verkauf von geschächtetem Fleisch...Dies hat in unserer Kultur nichts verloren...

  • Cartman1993 am 20.02.2018 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Koscherer Fleisch Import stark einschränken oder

    die Schächtung bei uns zulassen. Ich bin dafür, dass man den Import stark einschränkt. Und jemand vorwerfen will, dass ich ein Antisemit sei, kann er mich mal und soll sich mal nach arte doku fleisch schächtung bei Youtube suchen.

  • Peter K. am 20.02.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dunkelziffer?

    Das sind nur die Personen, die man erwischt hat. Die Dunkelziffer ist weit höher! Und bei solch mickrigen Bussen muess man sich auch nicht darüber wundern.