Grösster Angeber der Ostschweiz

12. September 2017 05:49; Akt: 12.09.2017 05:49 Print

«Alle haben mir gesagt, ich sei ein Vollidiot»

Der Thurgauer K. H.* ist erst 21, machte aber auf dicke Hose und inszenierte sich als Geschäftsmann. Vor Gericht gab er sich geläutert. Nun ist das Urteil da.

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«Ich wusste, dass ich mir die Dinge nicht leisten konnte. Aber ich dachte, ich versuche es einfach einmal», so K. H.* vor dem Kreisgericht St. Gallen. Er dachte eigentlich selbst nicht, dass jemand ihm die Story vom Geschäftsmann abkaufen würde: «Aber versuchen kostet ja nichts. Es tönt blöd, aber so war es eben.»

Am Donnerstag, 31. August musste sich der bereits vorbestrafte junge Mann wegen Betrugs, mehrfachen vollendeten Versuchs des Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Laut Anklage trat der heute 21-Jährige ab etwa 2014 in diversen Angelegenheiten unter verschiedenen Firmennamen, darunter auch der Concierge-Service Money Rain Club, auf. Seine Absicht sei es gewesen, sich gegen aussen mit passender Kleidung als seriöser Geschäftsmann zu präsentieren und damit Vertrauen zu erschleichen, um an Uhren, Geld, Möbel, eine Wohnung oder ein teures Auto zu kommen. Dabei hat er noch nicht einmal einen Fahrausweis.

«Mir kommt es vor, als hätten Sie einfach rumfantasiert, wie ein Bub beim Spielen im Kinderzimmer», so der Richter zum Beschuldigten. H. räumt offen ein: «Ja, das war schon so.»

Opfermitverantwortung

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, sechs davon unbedingt. Vor Gericht attestierte die Staatsanwältin dem 21-Jährigen eine hohe kriminelle Energie. H.s Verteidiger sah die Sache ganz anders. Er forderte einen Freispruch vom Vorwurf des Betrugs und liess nur einen Fall von Betrugsversuch und Urkundenfälschung gelten. Dafür sei ein Strafmass von maximal 18 Monaten bedingt angemessen. «Ich trage auch einen Anzug. Wenn ich in ein Geschäft gehe, bin ich dann auch schon verdächtig?», fragte der Anwalt vor Gericht. Er brachte auch die Opfermitverantwortung ins Spiel. Sein Mandant habe vielfach einfach Blödsinn geredet oder geschrieben, was man leicht hätte durchschauen können.

H. schien vor Gericht geläutert. Sein Umdenken habe vor allem in der einmonatigen Untersuchungshaft begonnen. «Eingesperrt zu sein war schlimm», so H. Er bekam auch von Mutter und Kollegen gesagt, er sei «ein Vollidiot». Heute sieht er das auch so: «Ich war ziemlich dumm und naiv zu dieser Zeit. Ich dachte, das kommt schon alles gut. Ich wollte unbedingt selbstständig sein.» Er habe ein schlechtes Gewissen, könne aber nicht mehr ändern, was geschehen sei. Gewisse Dinge lerne man eben erst, wenn man älter werde. Aktuell halte er sich mit Nebenjobs über Wasser, etwa im Callcenter oder als Promoter. Zudem wolle er den Kanti-Abschluss nachholen und studieren.

Wegen Betrugs verurteilt

Das Kreisgericht sprach H. von der Anklage des mehrfachen versuchten Betrugs in fünf Fällen sowie in zwei Fällen der Urkundenfälschung frei, verurteilte ihn aber wegen Betrugs, was das Uhrengeschäft in St. Gallen angeht. Dort kaufte er im Juni 2016 vier Luxusuhren im Wert von 63'000 Franken, die er mit Bankchecks bezahlte. Nur ihm und seinem Kumpan war klar, dass diese in keiner Weise gedeckt waren. Ebenfalls wurde er des versuchten Betrugs im Fall mit der teuren Attikawohnung verurteilt. Er wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie im Zusatz zu einem vorhergehenden Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt. Die Probezeit beträgt vier Jahre, während dieser Zeit wird Bewährungshilfe angeordnet.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)