Gossau SG

15. Mai 2018 05:49; Akt: 15.05.2018 13:54 Print

«Das Militär zerstört meine berufliche Existenz»

Weil Venhar Ibraimi seinen WK nicht verschieben kann, steht laut ihm die Zukunft seiner Firma auf dem Spiel. Bei der Armee verweist man auf die Richtlinien.

Venhar Ibraimi (21) kann den Entscheid des Militärs nicht nachvollziehen. (Video: lad)
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«Ich bin enttäuscht über diese unflexible Haltung des Militärs», sagt Venhar Ibraimi gegenüber 20 Minuten. Der 21-jährige Sanitärinstallateur gründete mit zwei weiteren Partnern im April die Handelsfirma für Trinkwasserreinigung Revina Inventa GmbH in Gossau SG. Darum reichte er bereits im März bei der Armee das Gesuch für eine Verschiebung seines Wiederholungskurses ein, den er Ende Mai antreten soll. Doch die Armee stellt auf stur.

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«Ein Jahr würde mir schon reichen»

Trotz Verständnis für das Reglement des Militärs bangt der junge Firmenmitinhaber nun um seine Zukunft: «Mit dem Entscheid zerstört das Militär meine berufliche Existenz.» Die Termine, die er für seine Firma in den Startlöchern wahrnehmen müsse, seien entscheidend: «Bei einer Firma-Neugründung kann ich nicht einfach im WK sein», so der 21-Jährige aus Affeltrangen TG. Für Privatpersonen erwarte er kein Entgegenkommen, aber für einen Gewerbler wie ihn schon. «Ein Jahr würde mir schon reichen», so Ibraimi.

Auf Anfrage beim Militär verweist man auf die geltenden Richtlinien: «Wie immer prüfen wir jedes Dienstverschiebungsgesuch einzeln. Nach ausreichender Beurteilung sind wir zum Entscheid gekommen, dass es für Herrn Ibraimis berufliche Laufbahn ertragbar ist, wenn er den WK wie geplant antritt», sagt Gregor Kramer, Kreiskommandant des Amts für Bevölkerungsschutz und Armee des Kantons Thurgau.

«Das Militär zerstört meine berufliche Existenz»

«Rund ein Drittel stellt ein solches Gesuch»

Kramer, verantwortlich für die Dienstverschiebungen im Kanton Thurgau, verweist darauf, dass grundsätzlich niemand ein Recht auf eine Verschiebung habe: «Es müssen zwingende Gründe vorliegen wie beispielsweise ein eidgenössischer Prüfungstermin.» Alles was nicht planbar sei, könne ebenfalls zu einem positiven Entscheid für eine Verschiebung führen: «Dies wenn beispielsweise in der Familie ein Todesfall geschieht und man dann zuhause einspringen muss», so der Kreiskommandant weiter. Jedoch sei alles was planbar sei, kein Verschiebungsgrund.

WK-Verschiebungen seien grundsätzlich ein grosses Thema: «Über den Daumen gerechnet stellt rund ein Drittel ein solches Gesuch», so Kramer. Der grösste Teil davon werde auch bewilligt. Bei Ibraimi reichten die Gründe jedoch nicht aus: «Persönlich verstehe ich den Mann, aber so sind nun mal die Vorschriften.» Für Ibraimi bestehe nun noch die Chance, während des WKs einen persönlichen Urlaub beim Kommandant einzureichen.

Doch so schnell will der 21-jährige Firmengründer nicht aufgeben: «Ich werde weiter beim Militär intervenieren», sagt er.

(lad)