Ostschweiz

05. Februar 2018 05:51; Akt: 05.02.2018 11:19 Print

«Der Plastik im See ist eine enorme Belastung»

Immer mehr Plastik verschmutzt das Bodenseeufer, vor allem in Horn und Thal. Freiwillige sammeln ihn auf – bewaffnet mit App und Abfallsack.

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Dass die Schweiz nicht so sauber ist, wie es scheint, zeigt der Swiss Litter Report des Vereins Stop Plastic Pollution (Stoppp): «Unsere Flüsse und Seen sind regelrechte Müllkippen», kommt der Verein zum Schluss. Besonders alarmierend: Ein Grossteil des Abfalls ist Plastik. Einmal in Mikroteilchen zersetzt, bringt man ihn nicht mehr aus dem Ökosystem heraus.

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Davon bleibt auch das Bodenseeufer nicht verschont. Wie eine interaktive Karte des Litter Report zeigt, sind die Orte Horn und Thal besonders belastet. Pro Meter Uferweg liegen in Horn über 13 Teile Abfall, bei Thal sind es über 14, auch hier besteht der Grossteil aus Plastik. Andere Orte, an denen die Abfallmenge erhoben wurde, sind weniger belastet, etwa die Stadt Arbon. Die Daten erfasst haben Freiwillige, die einmal im Monat Stichproben nehmen und die Abfallmengen auswerten. Darunter auch der Steinacher Andreas Dolder: «Obwohl ich den Strand monatlich von Abfall befreie, sammle ich jedes Mal aufs Neue wieder 150 bis 200 Gegenstände», so der 64-Jährige zum «St. Galler Tagblatt». «Für die Gewässer und Tiere ist der Mikroplastik eine enorme Belastung», ärgert er sich. Schon vor dem Start des Reports ging der pensionierte Sozialarbeiter jeweils Abfälle einsammeln, da ihm der Anblick von Plastik zuviel wurde.

«Jeder kann Abfall einsammeln gehen»

«Als der Verein letztes Jahr Freiwillige suchte, war ich sofort dabei», sagt Dolder. Die gesammelten Stücke teilt er für die Datenerhebung mit einer App (Marine LitterWatch) in 90 Kategorien ein. «Ich musste schon Batterien und ganze Einkaufwagen ausbuddeln.»
Doch woher kommt der viele Abfall? «Natürlich wird ein Teil von den Wellen ans Ufer angeschwemmt und ein anderer durch die Aach in die Bucht gespült.» Eine ganze Menge werde aber auch von Passanten hingeworfen.

Auch in Thal dürften es vorwiegend Passanten sein, die für den Müll verantwortlich sind, sagt Gemeindepräsident Robert Rhats. «Mögliche Gründe sind der Tagestourismus in unserer Gemeinde und die starke Nutzung des Ufers durch Spaziergänger.» Im Gemeindeblatt werde immer wieder für die Litteringprobleme sensibilisiert, so Raths weiter. «Es kann keine Lösung sein, einfach immer den Dreck wegzuräumen. Die Leute müssen eigenverantwortlich etwas tun.» Gelegenheit dazu haben sie genug, wie Andreas Dolder durchblicken lässt: «Als ich das erste Mal auf eigene Faust Abfall einsammelte, war es ein etwas komisches Gefühl. Aber ich fände es super, wenn andere sich auch dazu überwinden könnten.»

Das Projekt Litter Report, an dem sich auch der WWF und Hammerdirt beteiligen, läuft noch bis Ende April.

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 05.02.2018 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Seen gleichem dem Meer

    Am Greifenseeufer sieht es genau gleich aus. Ich ging schon ein paar mal Abfall sammeln aber es bringt nichts. An den warmen Sommerwochenenden lassen die Leute tonnenweise Abfall liegen. Die Büsche sind voll davon. Verschiedenster Plastik, Glas, Bierdeckel, tausende Zigarettenstummel, etc. Wann wird endlich hart durchgegriffen und auf täglichen Patrouillen gebüsst? CHF 1000.00 wer erwischt wird, dazu eine Anzeige!

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  • mann mit hund am 05.02.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin...

    täglich an diesen Ufern mit Hund unterwegs und glaubt mir es sind nicht die tagestouristen... es sind ganze gruppen junger männer die nichts zu tun haben, den ganzen tag bier trinken und den abfall einfach liegen lassen auch wen 5m weiter ein grosser Abfalleimer steht!

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  • R.Feller am 05.02.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsatz ist alles

    Überall redet man von Abfallgebühren. Da geht es doch nur um neue Einahmen in die Staatskassen. Wie wäre es, gewisse Produkte die die Umwelt belasten einfach zu verbieten. Ach ja, dass geht ja nicht. Es könnte Arbeitsplätze kosten. Ewiges Wachstum hat seinen Preis und denn werden unsere Nachkommen teuer bezahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phonseli am 05.02.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bäääh!

    Verzichtet endlich auf Plastik so gut es geht! Und entsorgt das Zeug korrekt, sonst darf man von mir aus gern auch Bussen aussprechen ...! Informiert euch mal über Mikroplastik und schaut mal paar Dokus was mit Tieren passiert wegen Plastik. Schlimm find ich auch, dass im Einkaufsladen z.B. der Bio-Kopfsalat aus Spanien einzeln in Plastik verpackt ist. Wieso das? der wird doch eh zuhause nochmals gewaschen? =/

  • Pilatus am 05.02.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Elstern klauen

    Container Pflicht Krähen sind nicht unschuldig! Sparen am falschen Ort mehr Abfälle leeren. Bei uns an der Straße kein einziger Abfalleimer! Ich sammle auch Abfälle auf werde noch angeschaut.

  • Balz Li am 05.02.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer Bestraft?

    Jetzt wird nach härteren Strafen geschrien aber wer soll die Verteilen. Es wird immer Streit geben wer der Verursacher ist da meist die Beweise fehlen. Auch wenn die Situation offensichtlich wird es schwer sein es zu Beweisen. Bin viel zu Fuss unterwegs an vielen Grillplätzen und Bänkli mit Abfallkübel die Übervoll sind. Wer so jetzt da Bestraft werden.

  • no name am 05.02.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Seen

    Wohne in der Ostschweiz an einem Bächlein mit Spazierweg daneben. Da findet man Packpapier, Getränkedosen, Chipstüten Kaugummis, und so weiter. Wenn ich Leute anspreche werde ich noch bedroht weil die teilweise betrunken sind oder es von ihrer Kultur her nicht kennen.

  • Ulrich Gantenbein am 05.02.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diverse Master

    Jedes Jahr ist unser Tauchclub Sub Team 76 3-4 Mal damit Beschäftigt Gewässer von Unrat zu reinigen. VAGO Weiher Wigoltingen, Wisperen Weiher Märstetten, den Thurlauf vom Toggenburg bis Bischofszell. Was man da an Tonnen von Abfall aus dem Wasser zieht ist absolut unglaublich. Anderen nicht denkenden Leuten den Dreck mit viel Aufwand aus dem Wasser wieder an die Oberfläche zu bringen ist eine Höllenarbeit.