Familie in Seenot

08. November 2017 19:16; Akt: 09.11.2017 08:56 Print

«Es war die Angst, die uns am Leben hielt»

Schock für Familie Schwörer aus dem Bündnerland: Mit ihrem Segelschiff, auf dem sie lebt, geriet sie in Nordisland in einen Sturm und musste gerettet werden.

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«Ein Orkan ist über uns hereingebrochen», sagt Dario Schwörer am Mittwoch zu 20 Minuten. Mit seiner Frau und seinen sechs Kindern segelt der Bündner bereits seit 18 Jahren um die ganze Welt und engagiert sich dabei für den Umweltschutz. Im Hafen von Akureyri in Nordisland erschütterte nun ein gewaltiger Sturm das Boot der Familie.

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So sah es aus, als es stürmte (Video: privat)

Boot schlug immer wieder gegen Betonkante

Es war am Montag kurz nach Mitternacht, als die Familie in ihrem Boot im Hafen von Akureyri von einem schweren Sturm überrascht wurde. «Wir waren auf Stürme vorbereitet», so der Vater von sechs Kindern. Die Familie hatte nämlich vor, dort im Hafen zu überwintern. Deshalb hätten sie das Boot mit mehreren Seilen gesichert. Doch es stürmte so heftig, dass es die Bootsklampen, die zum Befestigen der Seile dienen, aus dem Rumpf des Schiffs riss. «Die Taue rissen, als wären es nur dünne Fäden gewesen», so der 48-Jährige.

Die Familie konnte das Boot zunächst zum nächsten schwimmenden Steg navigieren. Die Pachamama, so der Name des Schiffs, wurde daraufhin vom Unwetter immer wieder gegen eine Betonkante am Hafen geworfen. «Noch ein Mal und wir gehen unter», habe sich der Familienvater in dieser Situation gedacht. «Die Angst war es, die uns in dieser Situation am Leben erhielt», so sagt er weiter. Die Familie funktionierte «wie ein Schweizer Uhrwerk» in diesem Moment. Alle Hände seien an den Pumpen gewesen, um das Schiff über Wasser zu halten. Es seien dramatische Stunden für die Familie gewesen.

Hilfe für die Familie war erst möglich, als der Sturm schwächer wurde. Das Rettungsteam konnte die Kinder bergen. Das Schiff zu verlassen sei sehr schlimm gewesen. «Man muss sich vorstellen, das Schiff ist unser bester Freund, alle unsere Kinder sind auf dem Schiff geboren», erzählt Schwörer unter Tränen weiter.

Ausserordentliche Gastfreundschaft

«Es war erstaunlich, wie lang das Schiff ausgehalten hat», sagt der 48-Jährige. Sogar der Bürgermeister von Akureyri kam bereits am ersten Tag nach dem Unglück, um zu helfen. «Eine Speditionsfirma stellte uns einen Container zur Verfügung, wo wir unser Hab und Gut unterbringen können», sagt Schwörer. Die Familie wird nun zunächst dort bei Bekannten wohnen.

Bis Mittwoch habe der Familienvater wie ein Roboter funktioniert. Erst dann seien bei ihm zum ersten Mal die Tränen geflossen. Für die Familie ist das Schiff nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihr Tool für ihre Projekte. Deshalb will die Familie das Schiff wieder reparieren.


Schwörer und ein Bekannter reden über den Sturm (Video: privat)

Mit Spendenaufruf 75'000 Franken sammeln

Die Familie will für die Reparatur nun Geld sammeln. Die definitive Schadenssumme sei noch unklar und würde sich eher noch nach oben verschieben. Dennoch versucht die Familie stark zu bleiben und zuversichtlich zu sein. «Wir würden uns wünschen, dass die Pachamama auch noch nach uns eine Zukunft hat und junges Blut sie übernimmt», so der Bündner.

Wenn Sie der Familie helfen wollen, können Sie hier spenden.

(lad)